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Uwe Boll will Auschwitz so zeigen, wie es wirklich war. Flankiert von zwei dokumentarischen Teilen, in denen der Regisseur Schulkinder nach ihrem Wissen zum Thema Nationalsozialismus befragt, wird in einer zentralen Spielhandlung der Tagesablauf im Konzentrationslager nachgestellt.

Kritik

Uwe Boll hat seinen Ruf weg: Nicht nur, dass er als einer der schlechtesten Regisseure gehandelt wird, die jemals auf die Menschheit losgelassen wurden, sondern auch als ein dringlicher Querkopf; einer, der sich nicht reinreden lassen möchte, auf Meinungsfreiheit pocht und auf Provokation insistiert. Dass ein Uwe Boll es aber wirklich vollbringt, in irgendeiner Weise anzuecken, gehört wohl der Vergangenheit an, in der es ihm immerhin auch dann und wann mal zu eigen wurde, zwischen all dem verbalisierten Unfug durchaus nachvollziehbare Treffer in seinen schäumenden Anklagen zu landen. Es mag uns jedenfalls nicht ganz so fern erschienen sein, dass Boll einen gehörigen Groll gegenüber dem Finanzsystem hegt und, ganz allgemein, der „Gesellschaft den Stinkefinger“ zeigt, wie es einige seiner Jünger so schön auszudrücken wussten. Wenn er seine gerechtfertigte Wut aber in seinem Schaffen doch nur einmal in einem Mindestmaß an Kunstfertigkeit hätte kanalisieren können, anstatt immerzu in blinder Agitation, würden die Weichen in Bezug auf seine Person als Künstler heute vielleicht anders stehen.

Die Zeiten, in denen sich Uwe Boll Videospielverfilmungen der Marke „Far Cry“, „Schwertes der Königs – Dungeon Siege“ und „Alone in the Dark“ annahm, sind vorbei (ohnehin sind die Lizenzen inzwischen zu kostspielig geworden). Stattdessen dreht Uns Uwe nun Filme mit Aussage, mit realem Backround, die uns daran erinnern sollen, dass Verbrechen niemals verjähren wird und wir uns vor der globalen Ungerechtigkeit niemals verschließen dürfen, sondern geflissentlich anprangern. Im Prinzip ja eine keinesfalls verwerfliche Intention, Boll aber ist vor allem ein Filmemacher, der sich der grenzenlosen Plakativität verschrieben hat und genau dort Feingefühl vermissen lässt, wo es doch so bitter nötig gewesen wäre. „Siegburg“ war ein ekelerregender Pseudo-Schocker, der sich nicht um die soziologische Dimension seines Sujets scherte, sondern nur austestete, wie leicht es sein kann, Abscheulichkeiten aneinanderzureihen. Mit „Darfur“, ein Film über den sogenannten „vergessenen Krieg“, in dem arabische Milizen 2003 eine Schneise der Zerstörung innerhalb der Zivilbevölkerung hinterließen, setzte sich der voyeuristische Gestus fort.

2011 allerdings setzte Uwe Boll seinen absoluten Supergau in die Tat um: „Auschwitz“. Und wer den Filmemacher und den Lagerkomplex der Nationalsozialisten, in dem über eine Millionen Juden ihren Tod fanden, in einen Konnex bringt, wird die Luft nicht nur einmal scharf zwischen den Zähnen einziehen. Auch „Auschwitz“ zeichnet erst mal daraus aus, dass Uwe Boll ein Interesse daran hat, Aufklärungsarbeit zu leisen, „gegen das Vergessen“ anzukämpfen, die Geschichte immer als einen bewussten Teil unserer Identität aufrechtzuerhalten. Problematisch ist in diesem Fall nun nicht mehr nur Bolls klaffende Absenz jeder Kunstfertigkeit, sondern auch, dass der Mann offensichtlich absolut bildungsfern ist. Zu Anfang meldet sich Boll selbst zu Wort, erklärt seine Absichten und wird dann einige Schüler zum Interview beten, die er über den Holocaust ausfragt. Dass es sich beinahe ausschließlich um Hauptschüler (oftmals noch mit Migrationshintergrund) handelt, die keinen geraden Satz formulieren können, entbehrt sich jedwedem Kontext, weil es Bolls Anliegen zur verlogenen Farce erklärt.

Um zu belegen, dass die Kriegsverbrechen unter Adolf Hitler aus unserem kollektiven Bewusstsein entschwinden, stellt Uwe Boll Minderjährige bloß, er verhöhnt sie aufgrund ihres fehlenden Allgemeinwissens und schießt dann den Vogel ab, wenn er im letzten Akt von „Auschwitz“ belesene Schüler befragt, die den Begriff der „Rasse“ auf ihren Ursprung zurückführen können, die wissen, dass die Nationalsozialisten die Juden nicht im 16. Jahrhundert deportiert haben und sogar „Ariosophie“ fehlerfrei buchstabieren können, ohne sich an ihrem Lippenpiercing festzubeißen. Trägt diese Gegenüberstellung irgendeinen dokumentarischen Mehrwert in sich? Natürlich nicht. Vor allem dann nicht, wenn Uwe Boll uns doch versprochen hat, einen Film gedreht zu haben, der die „Wahrheit“ zeigt. Wäre Uwe Boll aber in der Lage, nur einen Funken Reflexionfähigkeit zu besitzen, würde er wissen, dass man diese „Wahrheit“ in keinem Film der Welt abbilden kann, dass Verbrechen an der Menschheit über das zelebrierte Sterben im Close-Up hinausgeht und die Shoah sich nicht nur in Täter und Opfer zergliedern lässt, in Töten und Verenden.

„Auschwitz“ lässt in seiner unermesslichen Geschmacklosigkeit beinahe schon soziopathische Tendenzen aufleben; als würde hier hinter den Kulissen ein Mensch fungieren, der keinerlei Sinn für Sensibilität und Respekt beherrscht, weil es seine charakterlichen Disposition einfach von vornherein blockiert. Aufgrund seiner überheblichen Aussagen aber sollte man der Annahme erliegen, Boll hätte sich mit dem Holocaust tieferliegend auseinandergesetzt, immerhin attestiert er seinem Werk doch die absolute Wahrhaftigkeit, die sich über die Ikonographie des Schreckens der Konzentrationslager hinauswagt. Dem ist allerdings nicht so. Uwe Boll spielt genau die Szenen ab, die voyeuristische Befriedigung versprechen, lässt Kindern in Zeitlupe Kopfschüsse verpassen und folgt den vergasten Leibern sogar bis in die Flammen des Hochofen. Nebenher gibt es Momente des Alltags zu sehen, in denen das Wachpersonal parliert: Den Pferdemist zwischen den Erdbeeren, die Geburt des ersten Kindes. Das systematische Töten halt längst mechanische Motorik eingenommen, und da wären Ansätze zu finden gewesen, mit denen man arbeiten hätte können, würde Boll nicht nur das zeigen, was er glaubt zu sehen, sondern sich auch in der Lage dazu zeigen, unter die Oberfläche zu blicken, zu vermitteln, anstatt permanent zu verspotten.

Fazit

Uwe Boll geriert sich als allwissender King, als einer, der die Wahrheit kennt. „Auschwitz“ aber liefert den Beweis dafür, dass er nichts verstanden hat. Ein verhöhnendes, überhebliches Machwerk; ein 70-minütiges Scheißhauskonzentrat, kunst- und bildungsfern, in seiner rigorosen Geschmacklosigkeit nur noch hassens- und verachtenswert. Ein Unfilm.

Autor: Pascal Reis

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