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Berlin, 1933: Anna ist erst neun Jahre alt, als sich ihr Leben von Grund auf ändert: Um den Nazis zu entkommen, muss ihr Vater nach Zürich fliehen; seine Familie folgt ihm kurze Zeit später. Anna lässt alles zurück, auch ihr geliebtes rosa Stoffkaninchen, und muss sich in der Fremde einem neuen Leben voller Herausforderungen und Entbehrungen stellen.

Kritik

Mit Als Hitler das rosa Kaninchen stahl veröffentlichte Judith Kerr im Jahre 1974 signifikante Teile ihrer Lebensgeschichte mit einem Buch. Es handelte von ihrer Kindheit, als sie mit ihrer Familie, kurz vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten, aus Deutschland floh und zunächst in der Schweiz, später dann in Paris versuchte eine neue Heimat zu finden. Das Buch wurde bereits als Fernsehspielfilm umgesetzt, nun machte Regisseurin und Oscar-Preisträgerin aus der gefeierten Lektüre einen Kinofilm. Bereits letztes Jahr konnte Link mit Der Junge muss an die frische Luft zur Weihnachtszeit ein erfolgreiches Biopic in die Lichtspielhäuser bringen. Doch anders als der Film über die Kindheit von Hape Kerkeling, fehlt es Als Hitler das rosa Kaninchen stahl an Kraft und Leidenschaft.

Wenn Kerrs Vater, der Kritiker und Autor Arthur Kemper (, Dark) mit seiner Frau Dorothea (, Blade Runner 2049) und seinen beiden Kindern flieht, dann wirkt das oft mehr wie ein kleines Abenteuer. Die Gefahren der Flucht werden zwar kurz thematisiert, aber es reicht nicht aus um wirklich ein Gefühl der Dringlichkeit heraufzubeschwören. Das liegt auch daran, dass die Inszenierung zwischen der Sicht der Kinder und der Eltern umherpendelt. Doch egal, ob es darum geht, dass das Essen nicht schmeckt oder das Geld nicht ausreicht, Als Hitler das rosa Kaninchen stahl wirkt stets immer zu bemüht darum sein Publikum nicht mit echtem Elend zu überfordern. Wer will denn auch zur Weihnachtszeit im Kino mit dem Schrecken der damaligen Zeit konfrontiert werden?

Als Hitler das rosa Kaninchen stahl traut sich wirklich gar nichts und darüber hinaus erweisen sich die vier Familienmitglieder als regelrechte Teflon-Charaktere, an denen alles abzuperlen scheint. Auch hier zeigt sich der Unwille der Inszenierung, die Zuschauer zumindest ein bisschen zu fordern. Dafür wird Newcomerin als Tochter Anna so penetrant als naseweis, keck und niedlich in Szene gesetzt, dass es das eigene Nervenkostüm schon ziemlich beansprucht. Überhaupt wird die ganze Familie so lieblos poliert dargestellt, dass sie wahrscheinlich besser in einen Werbespot für schwedische Möbelhäuser passen würde, als in einem Film über Flucht und Vertreibung.

Ein weiterer Schwachpunkt ist klar die Handlung an sich. Dass die Erzählung im Grunde zweimal die gleiche Geschichte erzählt (einmal in der Schweiz, einmal mit leichten Änderungen in Paris), ist nicht gerade hilfreich dabei Als Hitler das rosa Kaninchen stahl als wirklich wichtigen und vor allem gelungenen Film wahrzunehmen. Mehr ist es ein Tränenzieher, dem echte Tiefe, Courage und Kraft fehlt. Der perfekte Film also, um ihn ohne schlechtes Gewissen und Gefühle nach dem Kinobesuch am Glühweinstand zu vergessen. Wobei sich Als Hitler das rosa Kaninchen stahl wahrscheinlich auch ohne gewürzten, warmen Alkohol nicht wirklich lange in den Erinnerungen festhalten wird.

Fazit

Gefälliges Fluchtdrama, dem es an Erschütterung und Klarheit mangelt. Dieser Film will niemanden überfordern und agiert deswegen im Bereich schaler Mutlosigkeit. Wahrscheinlich ist "Als Hitler das rosa Kaninchen stahl" der perfekte Zeitvertreib zwischen Weihnachtsmarkt- und Verwandtenbesuch. In Anbetracht der eigentlichen Thematik ist das schon ziemlich abstoßend.

Autor: Sebastian Groß

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