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Im Sommer 1976 macht eine Gruppe Schausteller einen Roadtrip durchs Land. Sie wollen den Sommer in vollen Zügen genießen und noch etwas von der langsam sterbenden Hippie-Bewegung mitbekommen. Am 31. Oktober gelangen sie jedoch in die Fänge einer Bande Hinterwäldler, die sie bis zum nächsten Tag festhalten. Von nun an nehmen sie an einem sogenannten Spiel mit dem Namen 31 teil. Das Ziel des Spiels ist es, die nächsten 12 Stunden zu überleben.

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Allen Unkenrufen zum Trotz, das Horror-Kino der Gegenwart befände sich qualitativ auf einem Tiefpunkt, bewies Musiker Rob Zombie (The Devil's Rejects), dass das Genre auch heutzutage noch aufregende, bereichernde Perlen hervorbringen konnte. Als Filmemacher gelang Zombie bereits mit seinem Debüt Haus der 1000 Leichen eine wundervoll verstörende Hommage an die großen Terror-Streifen der 70er, die der Regisseur mit eigenen Impulsen anreicherte, indem er den Videoclip-Stil seiner Musikvideos in den Film miteinbrachte. Die darauffolgenden Arbeiten von Zombie blieben nicht ohne Kontroversen, denn mit seinen beiden Neuauflagen der Halloween-Reihe wagte er sich auf gefährliches Terrain, nachdem er Michael Meyers im ersten Teil eine psychologisierenden Hintergrund beschert hat, um im zweiten Teil eine fiebrige, rohe Variante des Meyers-Mythos zu kreieren, die ganz seinem intensiven Stil verschrieben war. Zuletzt überraschte der Regisseur mit The Lords of Salem für den Zombie seinen markanten Grindhouse-Stil gegen langsameren Horror eintauschte, der an die formstrengen Impressionen eines Stanley Kubrick (Uhrwerk Orange) und den schleichenden, surrealen Psycho-Horror von Roman Polanski (Ekel) erinnerte. 

31 ist nun zumindest formal ein Rückschritt, bei dem sich Zombie erneut in das White-Trash-Milieu begibt, bei dem die vulgären Dialoge im Dauerfeuer aus den Mündern der ungepflegten, verschwitzten Charaktere schießen. Nach dem beeindruckenden Schwarz-Weiß-Auftakt, in dem Richard Brakes psychopathischer Doom-Head einen furchteinflößenden, unglaublich bösartigen Einstand erhält, zelebriert der Regisseur erneut seine heißgeliebte 70er-Ästhetik, die sich durch flirrende Bilder, toll ausgewählte Musik der damaligen Epoche und visuelle Spielereien sofort bemerkbar macht. Der Film wird durch eine Einblendung nicht nur eindeutig im Jahr 1976, am 31.10., verortet, sondern fühlt sich auch durch und durch wie ein Film an, der in diesem Jahrzehnt entstanden ist. Ohne große Umschweife führt Zombie seine kleine Gruppe von Schaustellern direkt in die Arme von unbekannten Angreifern, die die verbleibenden fünf Personen in eine Art großes Lagerhaus bringen, in dem sie die Hölle auf Erden erwartet. 

Das Spiel, welches ebenfalls den Namen "31" trägt, entpuppt sich als sadistischer Akt reicher, als Aristokraten verkleideter Leute, die den fünf Hauptfiguren 12 Stunden Zeit geben, in denen sich diese gegen mörderische Widersacher zur Wehr setzen und schlichtweg überleben müssen. Die darauffolgenden Geschehnisse lassen sich wohl am besten als Geisterbahnfahrt bezeichnen, zumindest als die Art von Geisterbahnfahrt, die sich Zombie in seinem von kranken Ideen nicht gerade armen Verstand ausgedacht hat. In jeder einzelnen Phase des Spiels zelebriert der Regisseur die pure Lust am bizarren Horror. Die Antagonisten, welche in der Regel als Clowns verkleidet sind, tragen so illustre Namen wie "Sick-Head", "Sex-Head" oder "Schizo-Head" und sehen aus, als seien sie tiefsten Albträumen von Leuten entsprungen, die generell große Angst vor Clowns haben. 

Sobald 31 atmosphärische Höhepunkte erreicht, kreischen die Kettensägen, brüllen die Figuren auf beiden Seiten in ohrenbetäubender Lautstärke, aus Angst vor dem Tod oder aus wahnhafter Lust am Töten, und verdichtet sich die Bild- und Tonebene zusammen mit dem wilden Schnitt zu einem Gipfel des Terrors, der Zombie in verspielt-fieser Höchstform zeigt. Das Problem dabei ist nur: Zombie hat bereits wiederholt gezeigt, dass er diese Art von Horror erstaunlich gut beherrscht, wodurch sich dieses Werk eher wie eine lockere Fingerübung, ein deftiges Best-of von sämtlichen Markenzeichen des Regisseurs anfühlt. Da die Figuren durch die Bank weg eher unsympathisch sind und im Kampf um ihr Leben über ihre Grenzen gehen, verschwimmen die Grenzen zwischen Täter und Opfer, sobald beide Parteien aufeinander losgehen. Gruselig ist der Streifen daher selten, Zombie setzt eher auf offensiven Terror, der sich entweder in brutaler Langsamkeit ausbreitet oder in frenetischer Hysterie explodiert. 

Interessant in diesem Zusammenhang ist außerdem, dass Zombie nach seinem vorherigen Werk als nächstes eigentlich gar keinen Horrorfilm mehr drehen wollte. Die Arbeiten an einem Sportfilm liefen allerdings lange Zeit ins Leere, weshalb ihm spontan die Idee zu diesem Werk kam. Mit der Unterstützung von Crowdfunding, einem insgesamt schmalen Budget und nur 20 Tagen Drehzeit ist letztendlich ein Film entstanden, der keineswegs nach einem halbherzigen Schnellschuss aussieht, sondern trotz stilistischer Redundanzen ein Film geworden ist, der von einem Horror-Liebhaber für Fans gemacht wurde.

Fazit

In einer spannenden, überwiegend gelungenen Filmographie sticht Rob Zombies siebter Film nicht heraus, überzeugt aber als gekonnte Fingerübung. "31" bedeutet für den Regisseur eine Rückkehr ins schmutzige White-Trash-Milieu, bei der Zombie fünf recht verdorbene Protagonisten in die Hölle auf Erden schickt. Die fiese Terror-Atmosphäre, gelungene inszenatorische Glanzmomente und das psychotische Design der Antagonisten zeigt den Regisseur in gewohnt guter Form, doch der Film fühlt sich insgesamt wie ein routiniertes Best-of an, in dem sich Zombie gemütlich auf seinen Fertigkeiten ausruht und Fans einen fiesen, gelungenen, kurzweiligen Schocker liefert.

Autor: Patrick Reinbott

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