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Im neuen Sequel gelingt es dem etwas gealterten, aber ungemindert perversen Trio Otis, Baby und Captain Spaulding (wieder Bill Moseley, Sheri Moon Zombie und Sid Haig) aus ihrem Hochsicherheitsgefängnis auszubrechen. Alsbald ziehen die Drei eine blutige Spur durch Trumps Amerika.

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Von den einen gehasst, von den anderen verehrt. Von den einen als einer der interessantesten Horrorregisseure der letzten Dekade gelobt, von den anderen als kreativfreier Sadist ohne ästhetische Begabung verschrien. Rob Zombie (31 – A Rob Zombie Film) polarisiert – und das nicht erst seit gestern. Aber was man auch immer von Zombies Filmographie halten mag, eine Affinität zum bewegten Bild des Schreckens kann man ihm nicht absprechen. Schon seine Musik (ob nun bei White Zombie oder Solo) strotzt vor Referenzen an klassische Horror- und Monsterfilme. Wie ein Guillermo del Toro (The Shape of Water) liebt Zombie seine Monster, seine horrende Hingabe ist jedoch viel seltener romantischer als sadistischer Natur. Kein Wunder, dass der Amerikaner seit Beginn des neuen Jahrtausends auch im Filmgeschäft aktiv ist – kein Wunder, dass es sich dabei stets um Monster, Sadismus und die Abgründe von Mensch und Gesellschaft dreht. Rob Zombie liebt den Film, das tropft aus jeder bösen Pore seiner Filme – ganz unabhängig von der letztendlichen Qualität.

Neben seinen Ausflügen in das Halloween-Franchise gehört die Geschichte um die massenmordende Familie Firefly vermutlich zu Zombies berühmtesten Werken. Nachdem er 2003 in seinem Langfilmdebüt Haus der 1000 Leichen die Familie aus der Hölle auf naive Teenager losließ, folgte 2005 in The Devil’s Rejects eine Entfesselung von Baby (Sheri Moon ZombieThe Lords of Salem), Otis (Bill MoseleyBoar) und Captain Spaulding (Sid HaigBone Tomahawk) auf die Straßen Amerikas. Als finsteres, knackig inszeniertes Road-Movie des Grauens gehört letzterer auch nach wie vor zu Zombies stärkeren und vor allem kontinuierlichsten Werken. Ganze 14 Jahre später folgt nun die Fortsetzung um die verbliebenen Fireflys. Und sowohl Fans als auch Presse runzeln skeptisch die Stirn.

Doch das Endprodukt, das den simplen Titel 3 From Hell trägt, darf überraschen. Dass Zombie seine Figuren am Herzen liegen wurde bereits erwähnt, dass diese Liebe den Regisseur aber scheinbar auch zu größerer inszenatorischer Klarsicht antreibt, ist eine weitere erfreuliche Erkenntnis. Wo Zombies andere Werke oft dem narrativen und inszenatorischen Tohuwabohu verfallen (ob man das nun mag oder nicht), kann nach The Devil’s Rejects auch 3 From Hell mit erzählerischer und inszenatorischer Beständigkeit und Konsequenz überraschen. Atmosphärisch erschafft Zombie hier erneut eine tiefböse Welt – eine Welt in der jeder Mensch nur vom Egoismus durchtrieben den eigenen Vorteil sucht und die von einem gesellschaftlichen System beherrscht wird, das Lebensfreude oder Hoffnung schon längst im Keim erstickt hat. Und diese Welt ist in 3 From Hell atmosphärisch absolut dicht und überzeugend eingefangen. Ob der körnige Grindhouselook, die fantastische Soundkulisse, das detailverliebte Setdesign oder die zutiefst finstere Maske – 3 From Hell wirkt wie aus einem fiesen, blutrünstigen Guss.

Diese Welt ist es letztlich auch, die Zombie sich als Ausrede zurecht legt, seine verabscheuungswerten Charaktere zu Helden stilisieren zu können. Die Fireflys sind schlimm – die Wert um sie herum ist aber einfach ein Stück schlimmer. Immer wieder dürfen die Fireflys herablassend herausschnauben, dass sie als Sprenger des Systems, als wahnsinnige Anarchisten ein essentielles Gegenbild zur oberflächlich geregelten Welt erschaffen, dass sie dem System den dicken Mittelfinger und die geladene Flinte ohne Konsequenz ins Gesicht rammen können. Das bleibt auch hier oft fadenscheinige Gesellschaftskritik, obwohl Zombie in 3 From Hell durchaus beweist, dass ihm Grauzonen in all der Schwarzmalerei kein absolutes Fremdwort sind. Wenn die Fireflys ihre Motivation hinterfragen oder ohne rechte Aufgabe durch Ziellosigkeit und Langweilige aneinandergeraten, eröffnet Zombie spannende Ansätze für echte Charakterzeichnung. Vertieft wird diese aber nicht.

So muss man als Zuschauer selbst entscheiden, ob man der blutigen Spur der Fireflys ein weiteres Mal folgt und ob man den eigenen moralischen Kodex auf diesem Weg für 111 Minuten an den Nagel hängen kann. Belohnt wird man mit Rob Zombies bisher erwachsenstem Film – einer inszenatorisch und erzählerisch erstaunlich zurückgelehnten und besonnen Fahrt des Grauens. Ein Film, der sowohl als Gefängnisthriller, Geiselterror als auch Road-Movie-Manie eine gute Figur macht. Ein Film, der Fans höchstens aufgrund seiner  Stringenz enttäuschen könnte. Verspielt zeigt sich Zombie hier nämlich nur beim Humor. Immer wieder lässt Zombie Klamauk und Terror aufeinanderprallen und will den Wahnsinn so fühlbarer gestalten. In den besten Szenen des Films gelingt das, in den schlimmsten schießt er massiv über das Ziel hinaus. Hierin blitzt Zombies alte Infantilität dann immer wieder auf. Dennoch zementiert sich am Ende das überraschende Gefühl, dass Zombie mit 3 From Hell nicht nur eine würdige Fortsetzung zur Geschichte der Fireflys fabrizieren, sondern sich als Filmemacher tatsächlich weiterentwickeln konnte.

Fazit

Auch ein Rob Zombie wird irgendwann erwachsen. Seine Weitererzählung der blutrünstigen Geschichte um die Familie Firefly überrascht mit inszenatorischer Konsequenz, dichter Atmosphäre und erzählerischem Fokus. Wer moralisch mit Zombies Vorgängerwerken bereits Probleme hatte, wird auch „3 From Hell“ wieder in der Luft zerreißen, Zombie-Jünger können sich das Startdatum jedoch blutrot im Kalender anstreichen. Obwohl manch ein Zombie-Fan die frühere Verspieltheit des Regisseurs sicher vermissen wird.

Autor: Thomas Söcker

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