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"Mittelreich" erzählt die mehrere Generationen umspannende, epische, tragische und auch komische Geschichte einer alteingesessenen bayerischen Wirtsfamilie, die eine Landwirtschaft und eine Fremdenpension betreibt und von anderen Bewohnern eines Dorfes an einem bayerischen See. Mit ihrem Leben und ihren Traumata stehen sie exemplarisch für eine Epoche der Veränderungen und erzählen erstmals, wie Bayern das wurde, was es heute ist.

Kritik

Man mag der Postmoderne vieles vorwerfen, sie mag ihn vielen Punkten sehr fragwürdig erscheinen, aber eines hat sie uns glücklicherweise vergegenwärtigt: die dauerhafte Präsenz des Konstruktcharakters. Da gibt es häufig Theorien wie die vom konstruiertem Geschlecht, von konstruierten Wissensbegriffen, hier spielt sicherlich der philosophische Skeptizismus eine nicht unwesentliche Rolle, und von konstruierten Werten. Diese Erkenntnis hat den Vorteil, dass man davon ausgeht, dass jedes Wissen angreifbar, oder möchte man es mit der Sprache von Karl Raimund Popper sagen, zu falsifizieren sei. Im Gegenschluss trägt dieser Konstruktivismus die Gefahr in sich, dass man in der Anzweifelbarkeit der Dinge schnell eine Legitimation dazu findet, sich nicht mehr an Normen (moralische wie faktische) halten zu müssen.

Nichts desto trotz ist es wichtig, sich dem Konstruktcharakter bewusst zu werden. Besonders in der Geschichte ist wichtig zu verstehen, dass jede Wiedergabe eine perspektivische ist. Es werden Dinge aus der eigenen Sicht dokumentiert, weitergegeben und dort wiederum individuell aufgefasst. Für Filme bedeutet das nichts Geringeres, als dass sie nicht einfach so die Geschichte neutral einfangen können, sondern alleine in der Art der Inszenierung, eine Perspektive und damit einen Blick auf die Geschehnisse werfen. Dabei ist es irrelevant, ob ein Film eine Geschichte im Öffentlichen oder eine im Privaten einfängt. Zwei Herren im Anzug macht in gewisser Weise beides: Er betrachtet die deutsche Geschichte ab 1914 bis heute und betrachtet die Verarbeitung historischer Ereignisse von Seiten der deutschen Bevölkerung und gleichzeitig eine Familie, die innerhalb dieses Jahrhunderts leben muss.

Recht gut gelingt es Josef Bierbichler (Triump of the Just) hier, das Verschmelzen des Öffentlichen und des Privaten darzulegen. Wer denkt, er könne sich dem Zeitgeist vollkommen entziehen, der irrt sich. Das wird vor allem bei der Betrachtung des Nationalsozialismus deutlich. Heute können wir diese Schrecklichkeit ablehnen, doch damals waren wohl viele Menschen ideologisch verblendet. Diese ideologischen Verblendungen, konservativen Vorstellungen von Heimat, Familie und Geschlecht, werden hier gelungen durchdekliniert. Dennoch ist das nicht ganz unproblematisch, denn er versucht nicht zu werten und arbeitet dadurch nicht auf. Gerade durch den Konstruktcharakter von Geschichte ist es essentiell, das Geschehene in irgendeiner Form aufzuarbeiten. Man kann zum Beispiel, um beim Fall des Nationalsozialismus zu bleiben, keinen Film über den Zweiten Weltkrieg drehen, ohne ihn zu werten. Sonst entsteht im besten Fall ein uninteressanter und im schlechtesten Fall ein ideologisch fragwürdiger Film.

Glücklicherweise ist Zwei Herren im Anzug ein Film der ersten Sorte, weil er zwar die Essenz der Geschichte dieses Landes, dieses Freistaates und dieser Familie nicht porträtiert, eben nicht die passenden Bilder findet, sich jedoch nicht schaulustig oder zelebrierend zeigt. Deshalb wirkt dieser durchaus imposante Stoff jedoch leblos umgesetzt und man gewinnt nicht den Eindruck eines fokussierten Filmes, der weiß worauf er hinaus will. Was besonders deshalb schade ist, weil er technisch durchaus zu überzeugen weiß. Das Schauspiel erscheint angemessen, die graue und triste Atmosphäre passt sehr gut zum ländlichen Bayern vor dem historischen Hintergrund und immer wieder gibt es auch ein paar ästhetisch ansprechende Bilder zu sehen, die jedoch in ihrer Gesamtheit eher belanglos und wenig symbolisch erscheinen.

Fazit

"Zwei Herren im Anzug" ist ein Film mit Potential: Er ist technisch gut umgesetzt und er hat die richtigen Ansätze. Dennoch verliert er sich in dem Irrglauben eine konstruierte Geschichte neutral zu erzählen, bleibt unfokussiert und fasst eben die Essenz der Geschichte nicht auf.

Autor: Maximilian Knade

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