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Einst war Mavis Gary das begehrteste Mädchen der gesamten Highschool. Die attraktivsten Jungs waren verrückt nach ihr, die Welt stand ihr offen. Jetzt ist sie 37 Jahre alt. Und steht vor einem Trümmerhaufen: Sie ist frisch geschieden, die Jugendbuchreihe, die sie als Ghostwriterin verfasst, soll eingestellt werden, sie trinkt eindeutig zu viel, das Leben zieht an ihr vorbei. Bis sie erfährt, dass Buddy Slade, ihre große Jugendliebe von damals, Vater geworden ist. Mavis weiß, was sie zu tun hat: Sie will ihn aus seinem spießigen Familienleben befreien und endlich an seiner Seite das Leben mit ihm leben, das sie sich immer erträumt hat. Doch die Rückkehr in ihre Vergangenheit erweist sich als viel schwieriger als gedacht...

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Es gleicht doch schon einem äußerst absurden Umstand, wie wir Menschen es im adoleszenten Alter überhaupt nicht erwarten können, diese Entwicklungsphase endlich zu überwinden, um dann später genau diesen Tagen die größten Tränen hinterherzutrauern. Erst durch das Erreichen einer staatlich vorgegebenen Volljährigkeit hat man sich in jener Zeit als ein mündiger Teil der Gesellschaft wahrgenommen gefühlt, im Herbst der Lebens allerdings wird man zwangsläufig feststellen, dass das Alter nie eine Frage der Biologie, sondern immer eine Frage des Intellekts ist. Natürlich kommt es einer Binsenweisheit gleich, doch Mavis Gray (Charlize Theron, „Mad Max: Fury Road“) muss inJason Reitmans „Young Adult“ vor allem lernen, dass die Zeit nicht einfach stillsteht, egal wie versessen man sich an Erinnerungen klammert. Reitman, der mit „Thank You for Smoking“, „Juno“ und „Up in the Air“ bis dato eine außerordentliche Erfolgsbilanz vorzuweisen hatte, gelingt es mit „Young Adult“ nicht nur, seine bisherigen Qualität als Filmemacher aufrechtzuerhalten, er baut sie gleichwohl aus.

Vor allem mit „Up in the Air“ hat Jason Reitman seinen wohl reifsten Film vorgelegt und die Einsamkeit seiner Charaktere so feinfühlig behandelt, dass keine Zweifel mehr daran bestanden: Reitman ist nicht nur aufmerksamer Beobachter und Menschenkenner, sondern auch ungemein humanistisch veranlagt. Mit „Young Adult“ entwickeln sich seine vorherigen Charaktere-Modelle nun in eine neue Richtung. Waren die von Ellen Page gespielte Juno und George Clooneys Ryan Bingham noch Persönlichkeiten, die sicher ihre ambivalenten Züge aufwiesen, so wie es sich für geschliffene Charakter-Porträts geziemt, allerdings durchweg liebenswert ihren bisweilen turbulenten Alltag zu meistern versuchten, ist die von Charlize Theron verkörperte Mavis ein echtes Scheusal: In der Schule war sie das angesagteste Mädchen, wurde Abschlussballkönigin und hatte mit Buddy (Patrick Wilson, „Little Children“) einen Lover an ihrer Seite, mit dem sie ordentlich prahlen konnte. Außer ihrer oberflächlichen Schönheit scheint ihr in der Gegenwart jedoch nicht allzu viel geblieben sein – womöglich hat sie im Wald neben der Sporthalle einen Schwanz zu viel geblasen.

Mavis ist eine egozentrische Bitch, soziopathisch und neurotisch bis zum Gehtnichtmehr. Allerdings prügeln Jason Reitman und Diablo Cody im Verlauf der Geschichte nicht auf die Fehler ihrer Hauptdarstellerin ein, sie stellen sie in ihrem klaffenden Fehlverhalten nicht bloß, sondern fertigen ein sauberes Psychogramm an und geben ihr die Möglichkeit, durch ihre neuen Erkentnnisse zu wachsen. Dass Mavis an Depressionen leidet, steht außer Frage: „Young Adult“ findet die Romanautorin, die inzwischen mehr schlecht als recht mit ihren Young-Adult-Geschichten verdient, als lustloses Wrack vor, dem kaum die Motivation geblieben ist, sich morgens aus dem Bett zu quälen. Dass sie jeden Morgen mit der Garderobe aufwacht, die sie bereits tagsüber getragen hat, legt den Schluss nahe, dass Mavis zudem noch ein schwerwiegendes Alkoholproblem aufgebaut hat und beim täglichen Auskosten ihrer Verträglichkeitsgrenzen wie erschlagen in die Laken gefallen ist. Als ihr Ex-Freund und frischgebackener Vater Buddy durch eine E-Mail wieder in ihr Blickfeld stößt, scheint sich Mavis ihrer Apathie mit einem pathologischen Schlag zu entledigen: Sie will Buddy zurück.

Was eben auch bedeutet, dass sie systematisch eine Familie zerstören möchte. Was „Young Adult“ dabei behandelt, findet man unter der Kategorie 'Kognitive Dissonanz' wieder: Mavis trifft eine Entscheidung und obwohl ihr eigentlich permanent klargemacht wird, dass genau diese absolut nicht zu vertreten ist, geht sie weiter ihrem Plan nach, klammert sich an rigorose Lebenslügen und bemerkt dabei gar nicht, dass sie in ihrem verqueren Gebaren schon unlängst bar jeder Selbstachtung verkehrt. Die einzige Person, die noch irgendwie in der Lage ist, sprich, die Muße aufbringt, sie zur Besinnung zu bringen, ist Matt („King of Queens“-Star Patton Oswalt), der in der Schulzeit so schwer verprügelt wurde, dass nur noch mit Krücken laufen und „seitlich wichsen“, wie er selber sagt, kann. Matt erkennt auf den ersten Blick, dass Mavis sich hinter einem Schutzwall verkrochen hat, den sie aus den Lügen erbaut hat, die sie sich seit einer gefühlten Ewigkeit einredet, nur um darüber hinwegtäuschen zu können, dass ihre eigentliche Lebensentwürfe gescheitert sind.

Wo man aufgrund der Synopsis und Cover-Gestaltung noch mit einer lockeren Komödie rechnen könnte, in der die Hauptfigur der Geschichte nach Jahren wieder zurück in ihre Heimatstadt kehrt, um festzustellen, dass das Leben in der Provinz womöglich doch gar nicht so schlimm ist, wie sie immer gedacht hat, unterläuft „Young Adult“ diese Gedanken gnadenlos und ohne falsche Scham. „Young Adult“ hat seine humorvollen Momente, ohne Frage, doch was Jason Reitman und Diablo Cody hier auf die Beine gestellt haben, ist eine mit pointierten Dialogsequenzen ausgestattete Charakter-Studie, in der Charlize Theron womöglich ihre bisher eindruckvollste Performance abliefert: Ohne etwaige Eitelkeiten stürzt sich die Südafrikanerin in die Fremdscham-Untiefen ihrer Figur und lebt ihr gestörtes Realitätsempfinden nuanciert aus. „Young Adult“ lässt Mavis aber nicht vollends zerbrechen, ihre Heimkehr ist auf der einen Seite sicher ein persönlicher Misserfolg, aber vielmehr bleibt doch die Aussicht, das eigene Dasein grundlegend zu überdenken. Ob Mavis dieses Angebot annimmt, steht auf einem anderen Blatt Papier, die Erfahrungen dafür hat sie nun jedenfalls mehr denn je gesammelt.

Fazit

Vielleicht ist „Young Adult“ nicht ganz so brillant wie Jason Reitmans Vorgängerfilm „Up in the Air“ (dann handelt es sich allerdings nur um Marginalien), doch die stehenden Ovationen hat sich diese herausragend geschriebene wie gespielte Charakter-Studie dennoch ohne Zweifel verdient. Wo andere Regisseure aus dieser Geschichte eine verlogene RomCom aufgekocht hätten, entwerfen Diablo Cody und Jason Reitman ein bedrückend wahrhaftiges Psychogramm einer am Leben gescheiterten Frau. Und das ist humorvoll, geistreich, abstoßend und letztlich verdammt ehrlich.

Autor: Pascal Reis

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