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Japanischer Thriller von Akira Kurosawa aus dem Jahr 1961. Der Samurai Sanjuro gerät in einem japanischen Bergdorf in einen Krieg zwischen zwei Familien. Das macht er sich zu Nutze, indem er mal hier und mal dort Partei ergreift und so die beiden Familien intrigant gegeneinander ausspielt. Inspiriert durch Westernfilme, ins Besondere die von John Ford.
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Kritik

Die hochinteressante Form der gegenseitigen Befruchtung von Eastern- und Western-Genre ist unmittelbar gekoppelt mit einem Namen: Akira Kurosawa (Rashomon – Das Lustwäldchen). Dass sich diese Parallel-Welten des Öfteren inspirierten oder auch direkt kopierten blieb nicht aus, aber wohl kein asiatischer Regisseur hatte einen so direkten Einfluss auf den westlichen Film wie Kurosawa, ohne selbst dort zu arbeiten. Das prominenteste Beispiel bildete Die sieben Samurai, der als Die glorreichen Sieben Western-Geschichte schrieb. Bald kurioser ist der Weg von Yojimbo – Der Leibwächter. Selbst inoffiziell, aber kaum zu leugnen inspiriert durch klassische US-Western wurde dieser Film nur drei Jahre später bald 1:1 zur Blaupause für den großen Durchbruch der europäischen Antithese des inzwischen am eigenen Staub erstickenden Genres. Sergio Leone’s Für eine Handvoll Dollar ist nicht nur ein werkgetreues Remake dieses Films, er gilt gleichzeitig als Kickoff des Italo-Westerns, der in der Folgezeit dem amerikanischen Vorbild komplett den Rang ablief und ein eigenes Sub-Genre kreierte. Um 22 Jahre später von Walter Hill und Last Man Standing wiederum als Prohibitions-Shootout erstmals als „richtiger“ US-(äußerst Spät-)Western wiederbelebt zu werden. Die Wege des (Film)Herren sind manchmal unergründlich, heutzutage leider selten auf so erquickende Art.

Ein Mann (Toshirô Mifune, Das Schloss im Spinnwebwald), in dem Fall ein Ronin, kommt in eine zweigespaltene Stadt. Gespalten zwischen zwei rivalisierenden Banden, die beide ihre Lager durch Glücksspiel und andere kriminelle Geschäfte am Laufen halten. Außer ihnen kann dort nichts mehr existieren…bis auf den Leichenbestatter und die Sake-Produktion. Der Rest ist zur Geisterstadt geworden, zum Borderland, zum brachliegenden, kalten und doch immer wieder aufflackernden Kriegsgebiet. Der abtrünnige, streunende, herrenlose Samurai zieht aus dieser Situation manipulativ seinen Vorteil, auch da er die Inkompetenz der verhärteten Fronten sofort durchschaut. Die hier Tätigen definieren sich durch brutale Gewalt und Machtdemonstrationen, gehen dabei aber völlig planlos, willkürlich vor, sind komplett überfordert wenn mal jemand mit einem Plan daher kommt. Selbst wenn es nur eine Grundlage dessen ist, denn wohin sein Hitman-Dasein den Krieger führen wird, weiß er selbst noch nicht. Nur, dass es er es hier mit sehr dummen, impulsiven Menschen zu tun hat, auf deren Kosten er sich schnell und einfach bereichern kann.

Der von Mifune verkörperte Sanjuro ist alles andere als die ehrenhafte Figur, wie ihn (östliche oder westliche) Heldengeschichten sich gerne vor den Karren spannen. Er ist ein berechnender, eiskalter Killer, der nur dadurch sympathisch wirkt, da er klüger agiert als seine dusseligen Kontrahenten, sie gegeneinander ausspielt und sich deren offenkundigen Schwächen smart zunutze macht. Letztlich ist sein Vorgehen nur geringfügig weniger niederträchtig. Schließlich ist es sogar er, der plötzlich alle Fäden in der Hand hält und die Strippen zieht, auch wenn er sie sich heimlich erobert hat. Das ändert sich drastisch, als das einzige, wirklich ernstzunehmende Klan-Mitglied zurückkehrt. Mit im Gepäck nicht nur der nicht ganz verblödete Menschenverstand, sondern eine Pistole, die erste Schusswaffe in der Stadt. Der vorher auch nur improvisierte - dafür sehr effektive – Plan gerät aus den Fugen, auch weil die menschliche Komponente sich wieder störend ins Geschehen schleicht und Sanjuro dadurch doch noch angreifbar wird. Ein Anflug von Humanität wird in einem - auch von ihm so akzeptierten, da ausschlaggebend für seinen finanziellen Erfolg -  Schlachtfeld zwischen Böse und Böse zur echten Schwachstelle, zum Knackpunkt der Handlung.

Bewusst inszeniert Kurosawa seinen Antihelden zunächst als einzige, dafür aber nicht zwangsläufig moralische Instanz der Vernunft. Während das offiziell höher gestellte Pack um ihn herum mit seiner Dummheit hausieren geht, wird er durch gezielte Nadelstiche (bzw. Schwerthiebe) schnell zum wichtigsten Free-Agent und eigentlichen Taktgeber. Man fragt sich schon bei der ersten „Vertragsverhandlung“, wer eigentlich bei wem in Lohn und Brot stellt. Im Gegensatz zu den selbsternannten Machthabern weiß er sehr wohl, was er zu bieten hat, was dies in Anbetracht der Situation wert ist und wie er es optimal ins Schaufenster stellen kann. Und vor allem denkt er wie ein guter Schachspieler mehrere Züge voraus, was bei seinen eben nicht so handelnden Gegner gar nicht so schwierig ist. Genüsslich spielt er sie gegeneinander aus, bis unberechenbare Ereignisse ihn doch noch fordern. Taktisch wie empathisch.

Die späteren Remakes fokussierten sich deutlicher auf Action, auf die physische Duell-Situation. Damit spart auch Yojimbo – Der Leibwächter nicht, setzt seine Schwerpunkte aber konkreter auf die gesellschaftliche, politisch-strukturelle Satire, verpackt als zynischen Akt der eskalierenden Gewalt. Sehr offensiv streut Kurosawa Humor mit ein, was im Vergleich zu anderen asiatischen Filmen aber auch für westliche Sehgewohnheiten nicht als störend oder unpassend daherkommt. Mehr kommentiert und unterstreicht er damit garstig die Intention seines Films, rückt dessen Auslegung als Polit-Macht-Parabel deutlicher in den Vordergrund. Ist nicht albern, sondern listig-hinterfragend. Offensiv-subversiv, was sich nicht zwingend widersprechen muss. Karikativ-überzeichnet, an der Grenze zum Lächerlichen sind seine Schurken, bis der Revolverheld auftaucht, der die Karten neu mischt. Mit ihm kommt eine Form von aufgeklärter, moderner, nicht so leicht zu bekämpfender (auch technischer) Revolution in die Stadt. Ein echter Rivale, an dem es sich zu messen gilt. Durchaus als Statement zu deuten auf ein Land, geprägt durch Traditionen und klare, althergebrachte Hierarchien, das sich durch prägende, nicht unbedingt freiwillige und radikale Einflüsse von außen zwangsläufig neu definieren muss.

Fazit

Schon irgendwie verrückt, wie ein ausschließlich in Japan tätiger Filmemacher so maßgeblich die US-amerikanische und europäische Filmlandschaft prägte, beeinflusste, sogar veränderte. Und wie er selbst sich auch an westlichen Motiven bediente, sie nur in einen ganz eigenen Kontext rückte, der gleichzeitig als kluge Gleichnis-Funktion dient. Genre-Kino mit Weitsicht und Verstand…wo bist du geblieben?

Autor: Jacko Kunze

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