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Inhalt

Alles beginnt, als Angelika Hartmann (Senta Berger), frisch pensionierte Lehrerin und Mutter einer von Alltagsproblemen geplagten gutbürgerlichen Familie, eines Tages beschließt, einen Flüchtling aufzunehmen. Angelika ist einsam, seit die Kinder aus dem Haus sind. Ihr Mann (Hei­ner Lauterbach), Chefarzt einer Klinik, versucht mit allen Mitteln, den Alterungsprozess aufzuhalten. Sohn Philip (Florian David Fitz) driftet in Businesswelten zwischen Shanghai und München, dabei bleibt die Beziehung zu seinem Sohn Basti (Marinus Hohmann) etwas auf der Strecke, Tochter Sophie (Palina Rojinski) weiß mit 31 immer noch nicht, was sie will. Der ganz normale Familienwahnsinn also, in den der Nigerianer Diallo (Eric Kabongo) gerät – und auf seine charmant-naive Art das Leben der Hartmanns ziemlich durcheinanderwirbelt. Ein turbulenter Zustandsbericht aus einem fast normalen Land, in dem alle etwas verwirrt sind ...

Kritik

Pegida, AfD, Flüchtlingskrise, Schlagzeilen über Schlagzeilen und dieses unschöne Gefühl, dass es also nur noch schlimmer werden kann, bzw. sich das braune Gedankengut noch weiter ausbreitet und das Gutmenschentum auch weiterhin als Schwäche  und Fehlverhalten auslegt. Sagen wir es frei heraus: Die Bundesrepublik gleicht einem Irrenhaus. Gut, das tat sie schon immer, doch durch das Aufkommen der neuen Medien, in deren Meinungsfreiheit oftmals mehr als nur fehlinterpretiert wird, werden selbst kleine Winde zu stürmischen Orkanen, die über einen wegfegen und suggerieren, dass bald das eigene Heim verschwunden ist, genau so wie der Job und die eihene, soziale Sicherheit.

Männersachen-Regissseur Simon Verhoeven nimmt sich der Flüchtlingsthematik nun mit seiner neuen Komödie, Willkommen bei den Hartmanns, an und presst die Thematik in die Stadtvilla einer Münchener Wohlstandsfamilie, verwandelt diese also auch in ein Irrenhaus, nur macht er sehr deutlich, dass die Hartmanns schon lange vor dem Einzug des nigerianischen Flüchtling Diallo dem alltäglichen und persönlichen Wahnsinn verfallen sind.

Sohnemann Philip (Florian David Fitz) steht kurz vorm Burn-Out und schleift seinen Sprössling hinter sich her, während seine Schwester Sophie (Palina Rojinski) im gefühlt hundertsten Semester festhängt und scheinbar ein echter Stalker-Magnet ist. Die Eltern, Angelika und Richard, wiederum (Senta Berger und Heiner Lauterbach) haben sich auseinander gelebt und während sie versucht nach ihrer Pensionierung noch irgendetwas mit ihrer Zeit anzufangen, klammert sich ihr Gatte an seinen Chirurgenberuf, lässt sich vom befreundeten Beauty-Doktor Sascha (Uwe Ochsenknecht) Botox in die Visage spritzen und tut einfach alles, damit er den Fängen des Alters entgeht. Das ist alles überspitzt und überdimensioniert, was als komödiantisches Mittel absolut legitim ist.

Es lässt sich gewiss darüber streiten, ob es schon wieder sein muss,, dass eine deutsche Komödie den Wohlstand huldigt, allerdings umschifft Verhoeven so zumindest die soziale Falle, die Frage, ob es für Ottonormalbürger überhaupt ökonomisch möglich ist, einen Flüchtling aufzunehmen. Gewiss, diese handlungstechnische Entscheidung lässt sich sowohl als gelungen, wie auch als Makel ansehen und diese Ambivalenz schlägt bei Willkommen bei den Hartmanns öfters zu.

Dennoch gibt es nichts daran zu rütteln, dass Simon Verhoeven hier ein Werk inszenierte und verfasste, die sich klar und demonstrativ gegen antisoziale und fremdenfeindliche Marktschreier positioniert und dafür die Werkzeuge der Komödie benutzt. Abseits davon traut er sich in seinem bislang fünften Kinofilm aber auch die Seite der Menschlichkeit zu präsentieren, die oft und gerne verschwiegen wird, nämlich die Seite der Schwäche. So gewährt Verhoeven dem Flüchtling Diallo, dass dieser nicht bloß der nette, fleißige und aufgeschlossenen Flüchtling ist, sondern lässt seine Welt- und Wertevorstellung immer mal wieder mit unseren kollidieren. Daraus folgt aber keine Schlacht der Argumente, sondern meist eine schnell abgehandelte Aufklärung, die Diallo eben als das präsentiert, was er ist: ein Mensch, der Stärken und Fehler hat, aber auch bereit ist Neues zu akzeptieren, sich aber auch seiner Rechte bewusst  ist, Dinge zu hinterfragen. Das ist durchaus eine große Geste, die Willkommen bei den Hartmanns hier auffährt.

Dem Gegenüber stehen aber natürlich auch Klischees, die Verhoeven zu komödiantischen Zwecken nutzt, etwa wenn ein paar Braune mit Fackeln vor dem Haus der Hartmann patrouillieren (diese Szene erweckt Erinnerungen hier dran), oder diese einsetzt, um klar zu machen, dass es eben nicht DEN Flüchtling gibt. So gibt es innerhalb des Films auch einen Hassprediger, der insgesamt aber nur kurz in Erscheinung trifft, von anderen Bewohnern des Flüchtlingsheim als Spinner tituliert wird und Verhoeven eher als eine Art Weltfremder in Szene gesetzt wird.

Das Problem mit diesen ganzen Stereotypen ist aber, dass sie das Anliegen des Films verwässern. Die Familie Hartmann an sich, wirkt weitestgehend zu artifiziell um sie als authentisch wahrzunehmen. Gleiches gilt auch für die Nebenfiguren und Nebenhandlungen. Einzig Diallo-Darsteller (Eric Kabongo) verfügt über eine geerdete Ausstrahlung, so dass er innerhalb der Familie teilweise wirklich wie ein 'Fremdkörper' wirkt. Dennoch lässt sich nicht verschweigen, dass Willkommen bei den Hartmanns ein ambitioniertes Stück, deutsches Kino ist, dessen Aussage universell verständlich und so einfach gehalten ist, dass (hoffentlich) auch die verstehen, die Adolf Hitler immer noch als Helden der Nation feiern - sein wir realistisch, das wird es wohl leider nicht.

Ein weiteres Problem der Komödie ist, dass sich zwar keine Furcht vor Klischees hat, sich jedoch viel zu selten traut einen scharfen und galligen Humor anzuwenden. Selbst absolut abgehobene Figuren, wie die Figur des Sascha bleibt komödiantisch seltsam brav und angepasst. Regisseur Verhoeven hätte vielleicht gut daran getan, die verwendeten Klischees auf humorvolle Weise zu deklassieren oder hier und da gerne auch mal zu auszubauen. So wirken die Gags des Films teils seltsam fad und des Öfteren sogar antiquiert.

Fazit

„Willkommen bei den Hartmanns“ ist ein überspitztes Lustspiel, dass uns zeigt, in welchem Irrenhaus von Welt wir leben. Regisseur und Autor Simon Verhoeven präsentiert uns hier eine überaus ambitionierte Komödie, die einen menschlichen Blick auf die Flüchtlingskrise evozieren möchte. Es ist gelungen, auch wenn der Film dennoch einen ambivalenten Charakter hat und in Sachen Witz leider arg archaisch daher kommt.

Autor: Sebastian Groß

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