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Eine mysteriöse Epidemie sorgt in einer dänischen Kleinstadt für den Ausnahmezustand. Das Militär riegelt alles ab und zwingt die Einwohner mit Waffengewalt in ihren Häusern zu bleiben. Denn wer sich infiziert, ist bald schon nicht mehr menschlich und bekommt Lust auf noch warmes Blut…

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Kritik

„Mama…ich hoffe, ich sterbe vor dir.“

Was ist eigentlich mit diesen Dänen los oder besser gefragt, was stimmt mit uns nicht? Unser kleines Nachbar-Urlaubsland - mit nicht mal doppelt so vielen Einwohnern wie Berlin – produziert nicht im Übermaß, trotzdem regelmäßig Filme mit international konkurrenzfähigem Format, wovon wir gerade im Genrebereich noch einiges lernen können. Zuletzt wollte man mit When Animals Dream etwas zu viel, die Gratwanderung zwischen Werwolf-Horror und Coming-of-Age-Drama konnte trotz vielversprechender Ansätze und einer feinen Ästhetik nur bedingt überzeugen. Bei seinem Langfilmdebüt What We Become bewegt sich Bo Mikkelsen auf augenscheinlich nicht so ambitionierten Niveau, doch der Schein trügt. Obwohl ein im Prinzip schon mehrfach verwendetes Szenario zum Einsatz kommt und die direkten Vorbilder überdeutlich zu erkennen sind, gelingt ihm eine eigene Interpretation, die mit ihrer stilsicheren Durchschlagskraft eine der Überraschung des Filmjahres darstellt.

Im beschaulichen Städtchen Sorgenfri (wie zynisch!) ist bis auf die üblichen Alltagsproblemchen wie einer festgefahrenen Beziehung und den aufmüpfigen Teenagern nicht viel los. Bis eine Epidemie unbekannter Herkunft die Idylle ins Chaos stürzt. Noch bevor die Gefahr von den Einheimischen wirklich als solche erkannt werden kann, sind sie schon zu Geiseln im eigenen Heim geworden und eigentlich bereits für tot erklärt. Die Behörden – hier nur durch anonyme und drastisch zu Werke gehende Soldaten in voller Worst-Case-Montur vertreten – wollen offensichtlich nicht aufklären oder gar evakuieren, sie wollen eindämmen. Schadensbegrenzung betreiben, mit allen notwendigen Mitteln. Bei Nichtbefolgen des Hausarrests wird sofort scharf geschossen, wer Symptome zeigt wird direkt deportiert. Wohin auch immer. Für den nicht gerade erst aus dem Ei geschlüpfte Genrekenner muss nicht großartig viel erklärt werden, noch um die Inspirationsquellen ein großes Geheimnis gemacht werden. In Zeiten von The Walking Dead oder jedem anderen neumodischen Zombie-Szenario kennt das jeder, obliegen sie doch dem gleichen Ursprung.

What We Become ist ein Enkel von George A. Romero. Zum Teil seines wegweisenden Klassikers Die Nacht der lebenden Toten, noch deutlicher allerdings seines apokalyptischen Seuchen-Thrillers Crazies. Dichter am Original als am stark abweichenden Remake, welches dennoch ebenfalls als Vergleich genannt werden darf (und womöglich soll). Die Zombie-ähnliche Gefahrenquelle vor der Haustür ist der Auslöser, die unmittelbare Bedrohung findet zunächst durch die nicht gerade hilfsbereiten „Retter“ statt. Wie bei Romeros Crazies. Bo Mikkelsen muss die vermutlichen Zombies überhaupt nicht in Erscheinung treten lassen, was er sich lange aufspart. Gore-Fetischisten kommen kaum auf ihre Kosten, aufgetischt wird erst ganz spät. Das ist nicht nur aus Kostengründen sinnvoll, es erweist sich als fast subtiler Spannungsschraubenzieher, der behutsam und enorm effizient dreht bis am Ende alles bombenfest sitzt. In der Hoffnungslosigkeit einer Familie, die überrollt und überfordert mit der Situation („Die wissen was sie tun!“) ihre harmlosen Disharmonien vergessen müssen und mit fortlaufender Zeit auf echte, emotionale Hürden stoßen, die sich in ihrer Konsequenz zu einem logischen, nichtdestotrotz ungemein zerstörerischen Showdown zuspitzen.

Neben Romero stand wohl auch ganz leicht John Carpenter (Assault – Anschlag bei Nacht) Pate, unabhängig von der Belagerungssituation. Gelegentlich erklingt ein Synthesizer-Sound, der unmittelbar aus seinen frühen Werken gepurzelt sein könnte. Nur eine Randnotiz, aber erwähnenswert. Spannender ist selbstverständlich der Umgang mit einem an sich total ausgelutschten Thema, das auch dieser Film nicht neu erfinden will bzw. kann. Aber er verfällt nicht in monotonen Mechanismen. Setzt lieber auf die angespannte Wirkung und gönnt dem Zuschauer ebenfalls keinen Ausbruch aus der Protagonisten-Perspektive. Wir sehen und erleben nicht mehr als sie, müssen somit ebenso lange auf die Fleischfresser „warten“, bis es keinen Ausweg mehr zu geben scheint. Überzeugt What We Become ohnehin schon mit dieser clever ausgespielten Methode, in den letzten Minuten zieht er keinesfalls den Schwanz ein. Was nur sinnvoll ist. Obwohl man das theoretisch alles schon mal gesehen hat und man daraus keinen Hehl macht, dieser beachtlich inszenierte Däne trifft trotzdem zielgenau in die Eingeweide und versteht es eindeutig, worauf es bei Filmen dieser Sorte ankommt.

Fazit

Große Innovationen darf man gerne woanders suchen, dann findet man bei "What We Become" einen der besten Zombie-oder-so-ähnlich-Film der letzten Jahre. Der lieber die brodelnde Unruhe und die zermürbende Survival-Panik in den Mittelpunkt rückt, um erst im Schlussspurt brachial und erbarmungslos zuzuschlagen. Bemerkenswert gut gelungen, in allen Belangen. Hut ab.

Autor: Jacko Kunze

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