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Das Benzin für ihren schrottreifen Rasenmäher stehlen Nessa und Blaise aus parkenden Autos. Das Geschäft mit dem Rasenmähen läuft schleppend, ist aber die einzige Einnahmequelle des Paares. Sie sind auf Entzug, nehmen an einem Methadonprogramm teil und haben keine feste Bleibe. Die therapeutische Obhut des Staates ist einerseits Unterstützung, führt sie aber gleichzeitig am Gängelband. Weder romantisiert noch exotisiert der Film den mühseligen Alltag der beiden. Die vielen Close-ups vom Sockenwaschen bis hin zu medizinischen Prozeduren beobachten eher einen nüchternen Leidensweg. Vor allem aber ist Werewolf ein Beziehungsfilm. Nessa und Blaise sind ein Paar mit sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten. Sind sie zusammen stärker, oder muss Nessa irgendwann die Hand loslassen, die sie runterzieht?

Kritik

Jeder Schritt voran ist eine Plackerei. Jeder Meter mit dem klapperigen Rasenmäher durch die Tristesse der heruntergekommenen Vorstadtsiedlung, um sich ein paar Dollar zu verdienen. Jeder nervöse Besuch in der Apotheke, um sich die nächste Dosis Methadon abzuholen. Jeder klägliche Versuch des Weiterkommens in zwei Leben, die trotz ihrer Jugend schon total verbaut sind. Blaise (Andrew Gillis) und Nessa (Bhreagh MacNeil) sind ganz unten. Das Mädchen ist gerade 19 Jahre, ihr Partner könnte Ende 20 sein oder jünger. Heroin macht schnell kaputt, physisch und psychisch. Das abgewrackte Pärchen, das Ashley McKenzie in ihrem schnörkellosen Spielfilmdebüt begleitet, kann davon ein Lied singen. 

Wahrscheinlich haben die beiden das getan, immer wieder ins Ohr der Sozialarbeiter, die sich für persönliche Schicksale nicht interessieren. Zu den vermeintlichen Hilfseinrichtungen zu gehen, deprimiere nur, kommentiert Blaise nach einem fruchtlosen Besuch beim Amt. Wohngeld gibt es für ihn und seine Freundin nicht. Auflagen, Unterlagen, Auslagen – eine gibt es immer, die das Junkie-Duo nicht erfüllt, nicht hat, nicht decken kann. Ein tiefer Fall kann ihr Abstieg nicht gewesen sein. Nessas Mutter, die ihr kurzzeitig Unterkunft gewährt, haust selbst verwahrlost in einer Bruchbude. Draußen spielen ein Haufen Kinder. Ob es Nessas Geschwister sind, bleibt offen. Alle haben hier ein Kind nach dem anderen. Auch die zwei Außenseiter haben eines oder mehr. 

Konkret dringen solche Details nie durch. Der kanadischen Regisseurin geht es nicht um eine rein familiäre Problematik, sondern eine universelle soziale. Ihr schroffes Drama ist ein Querschnitt durch ein pathologisches Milieu, dass in den kanadischen Randbezirken die Mittelschicht ersetzt. White Trash. Leute, die in Trailern hausen, ohne Strom und Wasser im Wald wie das Paar. In der Ferne heulen die Wölfe oder vielleicht nur streunende Hunde, wie die Zwei es sind. Auf dem Schrottplatz feilschen sie um den Reparaturpreis des Rasenmähers, der ihre einzige Einnahmequelle ist. Das Methadon-Programm ist kein Ausweg, sondern Endstation.

Fazit

Mit disruptiver Optik und grobkörnigem Realismus erreicht McKenzies ruppiges Debütdrama eine emotionale Authentizität, die an die nackte Menschlichkeit hinter den abgestumpften Charakteren rührt. Die ignorierte Thematik verleiht der Alltagstragödie von Elend und Zärtlichkeit zusätzliches Gewicht.

Autor: Lida Bach

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