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Sammy will Rockmusiker sein. Doch weil ihm keine Casting-Show eine Chance geben will und er außerdem gar keine passende Band hat, schrubbt er im Hamam seines Bruders stattdessen die Böden - doch da kommt ihm plötzlich eine kuriose Idee, wie sein Traum doch noch in Erfüllung gehen kann...

Kritik

Das größte Problem an Verpiss Dich, Schneewittchen ist schon seine Grundüberzeugung, keine vernünftige Geschichte erzählen zu wollen, sondern möglichst trashig vorzugehen. Das ist ein klassischer Schutzmechanismus, der gerne angewendet wird, um sich der Kritik zu entziehen: Wenn alles nur auf Krawall, Eskalation und Humor angelegt ist, könne man schließlich die Geschichte nicht mehr angreifen, man könne ja nichts kritisieren, das absichtlich bezweckt ist. Und ob man das kann! Eine absichtlich getroffene Entscheidung kann man sogar noch viel deutlicher kritisieren als eine zufällige Unstimmigkeit, da sie die Arbeit an der Essenz des Filmes betrifft. Die Überlegung, die Handlung absichtlich ins Abstruse abdriften zu lassen, ist demzufolge nicht nur nicht sonderlich fokussiert, sondern schadet dem Film auch ungemein. Denn unter dieser Schicht von auf einen Nackten eintrommelnden Rechten (und ja, hier ist tatsächlich die Trommel als Instrument gemeint) und Bülent Ceylans (Das Baby mit dem Goldzahn) zugegebenermaßen beeindruckender Haarpracht findet sich tatsächlich der eine oder andere interessante Gedanke wieder, der sein Potential jedoch nur selten entfalten kann.

Zum einen wäre das Thema Integration, das hier eine zentrale Rolle spielt. Und da nähert sich der Film im Grunde genommen ganz menschlich: Wir sind alle gleich und jeder ist aus einem bestimmten Grund dort, wo er ist. So haben wir mit Wolle (Paul Faßnacht, Der letzte Bulle)einen Charakter, der sich recht früh als deutscher Rassist entpuppt, den der Film jedoch nicht einfach fallen lässt, sondern erklärt warum er so ist, und ihn eine Reise durchleben lässt, bei der er sich am Ende von seinen Vorurteilen befreit. Auf der anderen Seite sehen wir Menschen mit Migrationshintergrund, die mit ihren Klischees brechen, aber auch aufzeigen woher diese stammen. Diese löbliche Konzeption wird inszenatorisch jedoch dadurch ruiniert, dass man auf Krampf versucht Ausländer-Witze oder Witze über Rechte einzubringen, wodurch das Brechen mit den Klischees auf dem Papier, auf der Leinwand eher wie ein Bestätigen dieser wirkt, wobei das Brechen nur als Alibi vorgeschoben wird.

Ein weiterer Aspekt, den der Film versucht humoristisch zu betrachten, ist die Kunst: Sammy (Bülent Ceylan) möchte Rock-Star werden und muss, um an einer Casting-Show teilnehmen zu können, eine Band gründen. Bei der Gründung dieser kommen ihm die abstrusesten Ideen, die er letztlich gegen jeden Widerspruch einzusetzen weiß. Hier hat der Film ganz richtig erkannt, dass Kunst vom Unkonventionellen, vom Ausreizen der Grenzen lebt, vergisst jedoch neben der Vision auch das Handwerk an sich einzubeziehen.  Kunst funktioniert durch Vision und Handwerk, mit dem die Vision erst in ansprechender Form umgesetzt werden kann. Viel gravierender ist jedoch, dass Sammys Vision erst nach dem Streben nach kommerziellem Erfolg kommt . Er möchte Rock-Star werden und dafür die Anerkennung erhalten, die künstlerische Vision soll ihm dabei helfen. Die Kunst dient in diesem Zusammenhang als Mittel zum Zweck und nicht mehr als Zweck an sich.

Die Motive der Integration und der Kunst führen dann zu einem recht konventionellem, aber deswegen nicht zu verachtenden Fazit: Wir sind alle gleich und jeder soll sein Ding machen und sich von niemand anderen davon abhalten lassen. Dieser sehr gewöhnliche Appell an die Individualität des Individuums als Teil des Kollektivs ist sicherlich positiv zu erachten, jedoch ist die Art wie er zu diesem Fazit gerät eher schwach. Die Integration des ideologisch wie kulturell Anderen wird zu einfach dargestellt und bedient daher eher bestehende Klischees anstatt mit ihnen zu brechen, und die Kunst wird nicht als etwas Leidenschaftliches, sondern als etwas verkörpert, das sich in erster Linie am Kommerz orientiert. Verpackt ist das in einer völlig abstrusen Geschichte, die versucht möglichst viel Komik aus der eigenen Abstraktion zu schöpfen, daran aber scheitert, weil Humor eben vom Überschreiten der Grenzen lebt. Gibt es aber keine Grenzen, können auch keine überschritten werden.

Fazit

„Verpiss dich, Schneewittchen“ ist sicher inhaltlich gut gemeint, konzentriert sich aber viel zu sehr auf die humoristisch nicht funktionierende Abstraktion des eigenen Drehbuchs, und verpasst es dabei, sich inhaltlich fokussiert zu positionieren und mit Ungereimtheiten aufzuräumen.

Autor: Maximilian Knade

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