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Inhalt

Nicht nur die Regie wurde geändert, sondern auch die Schreiber des Drehbuches sowie die Geschichte selbst. Nach dem haarsträubenden Fall, der Mikael Blomkvists (Mikael Nyqvist) Ruf rettete, verschwindet Lisbeth Salander (Noomi Rapace) und reist um die Welt. Währenddessen scheint ein mysteriöser Mann Interesse an ihrer Geschichte zu haben und sucht ihren gesetzlichen Vormund auf. Auch Lisbeth stattet ihm einen Besuch ab. Kurz darauf wird ihr Vormund erschossen aufgefunden, nachdem Blomqvist die Leichen seines Journalistenkollegen Dag Svensson und dessen Freundin findet. Sie hatten über einen Menschenhändlerring recherchiert, und der Enthüllungsjournalist führt dessen Arbeit beharrlich fort. Auch Lisbeth beginnt mit den Nachforschungen an dem Fall, doch je mehr sie darüber erfährt, wird sie mit den Morden in Verbindung gebracht und mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert…
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Kritik

Mit der Verfilmung von Stieg Larssons Roman „Verblendung“ wirbelte das schwedische Kino weltweit viel Staub auf. Die Faszination um die Hackerin Lisbeth Salander schien entfacht, und so war es wohl selbstverständlich, dass auch die beiden Nachfolgerwerke der „Millennium“-Trilogie auf Zelluloid gebannt werden mussten. Nachdem Regisseur Niels Arden Oplev Hollywood gezeigt hatte, wo der Inszenierungshammer hängt, wurden „Verdammnis“ und der Abschlussfilm „Vergebung“ unter neuer Leitung von Daniel Alfredson realisiert. Das hieß auch, dass sich Grundlegendes ändern sollte.

Es darf schonmal festgehalten werden, dass Bezüge zum ersten Streifen nur rudimentär erwähnt werden. Die Figuren sind im Kern noch dieselben, dennoch wird mit „Verdammnis“ ein komplett neues Kapitel aufgeschlagen. Wie fast schon zu erwarten sein dürfte, behandelt die Story Lisbeths Vergangenheit und auch etwas, das jedoch erst im dritten Film „Vergebung“ wirklich in den Vordergrund rückt. Also bleibt nur Lisbeths One-Woman-Show übrig, die Blomkvist netterweise noch etwas Handlungsspielraum gewährt und sogar dessen Lebenswerk „Millennium“ endlich etwas mehr beleuchtet. Der Hintergrund wird dieses Mal nicht als Hauptstrang verwendet, sondern nur als Aufhänger für die Beleuchtung der Lebensgeschichte um die verschlossene Hackerin. Letztlich werden die guten Ansätze um den Mädchenhandel nur am Rande behandelt, und die Gegenspieler bleiben fast bis zum Finale die „graue Maus“ – abgesehen einerseits vom blonden Hünen, der als roter Faden in der Geschichte bestehen bleibt, und andererseits vom Überraschungsgast, der den ganzen Trubel schließlich etwas auflöst.

Auch den filmischen Stil hat „Verdammnis“ ad acta gelegt. Was in „Verblendung“ noch so manchem David Fincher den Schneid abkaufen konnte, wird im zweiten Teil dem TV-Stil geopfert. So sehr man sich auch anstrengt, zeigt die Handkamera-Optik mehr „Tatort“- als „Schweigen der Lämmer“-Ästethik. Das muss nicht schlecht sein, aber ist der Film durchtränkt von schwachen Schnitten, unnötigen Szenen sowie eklatanten Timingfehlern, was vor allem in Spannungsszenen zur Geltung kommt. Zwar versucht man verzweifelt, das Inszenierungstempo des Originals beizubehalten, doch wird man nur sehr selten mal Gefühlsausbrüche erleben dürfen, die „Verblendung“ in subtiler Weise erzeugen konnte. Da reicht es eben nicht, wenn man die Beleuchtung etwas anpasst und mal die Kamera um die Szene laufen lässt – da muss schon ein wenig mehr her.

Die Geschichte selbst kann wenigstens einiges herausreißen, wo die Inszenierung doch sehr geschlampt hat. Man dürfte am meisten gespannt sein, was mit Lisbeth passiert ist, und auch wenn die Vergewaltigung aus „Verblendung“ wieder aufkommt, werden die Details noch nicht ganz aufgelöst und bleiben so interessant bis zum Schluss. Man kann der einen oder anderen Wendung Zufall oder Hirngespinste nachsagen – sie sind dennoch gelungen und verfolgenswert. Auch bei Blomkvists täglichem Brot wird mal etwas mehr ausgeleuchtet als noch zu Beginn der Trilogie, in dem er ja seines Rufes willen das Magazin verlassen hatte. Auch hier wird ein neuer Aufhänger kreiert, der nach schöner Einführung wieder etwas an Bedeutung verliert. Dies ist jedoch der Erzählung geschuldet, was dann im dritten Teil voll im Mittelpunkt steht, aber auch Verschwörungsfans etwas im Regen stehen lässt.

Im schauspielerischen Spektrum hat sich indes wenig verändert, denn die bekannten Figuren, die von den gleichen Akteuren gespielt werden, liefern die Leistung ab, die schon den ersten Teil zu einem Erlebnis machten. Der Hauptunterschied liegt in der Geschichte, die die Charakterzeichnung, die vorher so überzeugend gestaltet wurde, vor allem bei Lisbeth eine kleine Kehrtwende macht. Noomi Rapace gibt auch hier wieder alles, was sie kann, trotzdem wird man den Eindruck nicht los, dass ihr das unter anderer Regie besser gelang. Weniger auffällig bei anderen Hauptfiguren – Mikael Nyqvist zeigt dieselbe Performance wie vorher. Bei den kleineren Rollen macht die schwache Inszenierung den größten Unterschied aus, da man sie ziemlich stiefmütterlich behandelt hat und die Aussetzer vor allem durch die Inszenierung zum Vorschein kommen.

Fazit

Nachdem „Verblendung“ einiges an Konkurrenz weggefegt hatte, stand der „Verdammnis“ ein schweres Erbe an. Inszenatorisch erinnert der Nachfolger eher an einen „Tatort“-Krimi, brüstet sich aber damit, noch schockierender als sein Vorgänger sein zu wollen. So richtig will das aber nicht zünden, weil die Geschichte nur das Vorgeplänkel zum letzten Teil ist und im Erzähltempo sowie bei technischen Aspekten sehr schluderhaft wirkt. Da muss man sich eben an den faktischen Inhalt wenden, der nach wie vor spannend ist und auch mal andere Seiten besser beleuchtet. Alles in allem eine schlampige Fortsetzung, die größtenteils auf die toughe Hackerin zugeschnitten ist.

Autor: Sascha Wuttke

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