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Inhalt

Juni 1941, Tage vor dem Überfall auf die Sowjetunion: In Berlin treffen sich fünf Jugendfreunde, um Abschied zu nehmen: Wilhelm (Volker Bruch), überzeugter Soldat der Wehrmacht, Friedhelm (Tom Schilling), sein weniger überzeugter Bruder, die lebenslustige Greta (Katharina Schüttler), die Nazis für Spießer hält und davon träumt, ein UFA-Star zu werden, die ernste Charlotte (Miriam Stein), die fest an den Nationalsozialismus glaubt und sich zur Krankenschwester ausbilden lässt, um Volk und Führer zu dienen, und schließlich der Jude Viktor (Ludwig Trepte), der verzweifelt seine Eltern zu überzeugen versucht, Deutschland endlich zu verlassen.

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Insgeheim ist man es inzwischen doch schon leid, die Bewältigungsversuche Deutschlands in Bezug auf den Zweiten Weltkrieg anzuschauen. Das muss nicht mal unbedingt an der filmischen Qualität jeweiliger Formate liegen (wie zum Beispiel „Der Untergang“ oder„Napola – Elite für den Führer“), sondern vielmehr daran, dass uns Dokumentationen und (Zeitzeugen-)Berichte zu dieser Thematik tagtäglich und rund um die Uhr beschallen. Adolf Hitler und seine braunen Schergen sind immer noch die Personen, die die größte Sendezeit für sich in Anspruch genommen haben, da kann keine amerikanische Sitcom in der Endlosschleife und auch kein Sternekoch beim Anfeuern der Kandidaten mithalten. Führt dieser vehemente Überdruss an Information aber auch zu einer höheren Wahrheit, mit der wir Deutsche uns schmücken dürfen? All die Originalfotografien, die Tonbandaufnahmen und Frontmitschnitte? Vielleicht schaffen sie es, den Moment der Vergangenheit zu konservieren, nicht aber der Historik nachzuempfinden, weil Geschichte immer ohne absolute Wahrheit existiert.

Hat man das für sich akzeptiert und nachvollzogen, weiß man auch, dass eine Produktion wie „Unsere Mütter, unsere Väter“ nichts mit wirklichkeitsgetreuer Rekonstruktion zu tun hat, sondern Geschichte nachbildet – Und damit auch selbst „nur“ eine Geschichte erzählt, die natürlich auf wahren Ereignissen basiert. Der von verschiedenen deutschen Filmförderanstalten und dem ZDF finanzierte TV-Dreiteiler (immerhin hat das ambitionierte Projekt 14 Millionen Euro verschlissen) aber hat ein weitaus höheres Anliegen, als nur einfache Wiedergabe zu betreiben und folgt einer gar kollektiv-pädagogischen Gesinnung. Wie es der Titel schon angibt, sollen die Strapazen und Handlungen der Generationen vor unserer heutigen beleuchtet werden, das schwarze Kapitel, welches unsere Eltern (heute wohl eher Groß- oder Urgroßeltern) durchlebten mussten. Schließlich wird mit uns auch eine Generation sterben, die noch den direkten Kontakt zu den Menschen pflegt, die die Zeit von 1930-1945 miterlebt hat und persönliche Erfahrungen kundgeben kann. Warum aber erst jetzt all diese Fragen offerieren?

Die Grundaussage von „Unsere Mütter, unsere Väter“ ist einfach, auch deshalb, weil sie in jedem Teil mehrfach wiederholt wird: „Der Krieg wird nur das Schlechteste in uns hervorbringen“. Diesem Satz seines Bruders Friedhelm (Tom Schilling) begegnet Wilhem (Volker Bruch) immer wieder aus dem Off damit, dass „Krieg nicht nur aus Kämpfen, sondern vor allem aus dem Warten besteht“. Interessant wäre es dann aber vom Drehbuch von Stefan Kolditz zu erfahren, wie denn dieses Warten verbracht wurde, ob es denn vielleicht auch Wehrmachtssoldaten gegeben hat, die die auferlegte Ideologie nicht nur für sich hinterfragt haben, sondern ihr standhaft Gehorsam folgten. Oder ob es vielleicht auch Männer gab, die sich die Frage gestellt haben, wie ihre Eltern und Großeltern es nur soweit haben kommen lassen können. Und hier liegt eines der großen Probleme von „Unsere Mütter, unsere Väter“ begraben: Er zeigt die 20-Jährigen und hält den Krieg als Spaßbremse fest, die den jungen Leuten das Auskosten ihres Lebens verwehrt. Daraus wird noch ein immer befremdlicheres Selbstmitleid resultieren.

Es wäre jedenfalls nicht verwunderlich, wenn sich Menschen von heute „Unsere Mütter, unsere Väter“ anschauen und den Film so verstehen, dass wir Deutschen ja damals überhaupt nicht so schlimm gewesen sind, sondern genauso Opfer unter Adolf Hitlers Diktatur. Und wenn „Unsere Mütter, unsere Väter“ diesen Gedanken wirklich verbreiten möchte, dann gleicht das einer vermessenen Frechheit sondergleichen. Man muss sich nach der Sichtung des Filmes und dem nachfolgenden Austausch jedenfalls auf das Totschlagargument vorbereiten, dass „Der Russe auch nicht besser war“ und wir Deutschen „ja nur Befehle befolgt haben“ respektive es „irgendwie versucht haben, moralisch für unsere Taten zu sühnen“. „Unsere Mütter, unsere Väter“ stellt den Zuschauer permanent vor vollendeten Tatsachen, ihm liegt es nicht an inneren wie äußeren Entwicklungen, er sieht sich nicht gezwungen, die Thematik von der Wurzel bis zur Knospe abzuklopfen, deswegen verkommt die Antwort auf die Schuldfrage zum Lippenbekenntnisse inmitten unermesslicher wie verklärend-pathetischer Plattitüden und breitgetretener Stereotypen.

Fazit

Ein Film voller Binsenweisheiten und Unwahrheiten; voll von pseudo-philosophischen Gebrabbel und gähnend langweiligen Charakterprofilen. Verwerflich ist es allerdings, dass „Unsere Mütter, unsere Väter“ den Schlüssel zum allgemeinen Verständnis im Selbstmitleid zu finden glaubt und die gesamte Thematik so nach Strich und Faden verklärt. Was Krieg eigentlich ist und wie er entsteht, wird in „Unsere Mütter, unsere Väter“ jedenfalls nicht geklärt, genauso, wie er der Schuldfrage konsequent aus dem Weg geht. Handwerklich formidabel, inhaltlich desaströs.

Autor: Pascal Reis

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