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Inhalt

Bella (Jessica Brown Findlay) liebt die kleinen Dinge, die ihre Phantasie beflügeln, und träumt davon, Kinderbücher zu schreiben. Im echten Leben und in ihrem Haus aber liebt sie Ordnung über alles. Natur ist ihr ein Graus, bedeutet sie doch Willkür und Chaos. Als sie von ihrem Vermieter gezwungen wird, ihren verwilderten Garten innerhalb eines Monats in einen blühenden zu verwandeln, weil ihr sonst die Kündigung droht, bekommt sie unerwartet Hilfe von ihrem mürrischen Nachbar Alfie Stephenson (Tom Wilkinson). Der besitzt nicht nur einen sehr grünen Daumen und eine Menge Lebensweisheit, er beschäftigt auch den überaus begabten Koch Vernon (Andrew Scott). Doch Vernon ist nicht nur kulinarisch versiert, er hat außerdem ein besonderes Gespür für Menschen. Als er merkt, wie sehr Bellas Herz für den jungen Erfinder Billy (Jeremy Irving) schlägt, hilft er dem Glück ein wenig auf die Sprünge.

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Kritik

Vor allem das französische Kino widmete sich in den vergangenen Jahren intensiv der Beschreibung außergewöhnlicher menschlicher Charakterzüge. Das bekannteste Beispiel für einen dieser eigenwilligen, in seiner aparten Sensibilität umso liebenswerteren Charaktere ist wohl Amélie aus Die fabelhafte Welt der Amélie. Aber auch in Die anonymen Romantiker oder Die Fee liegt das Augenmerk auf Persönlichkeiten, die mit beharrlicher Skurrilität einen Sinn für die Individualität des Menschen schaffen wollen. Ein beachtliches und berechtigtes Anliegen. Und doch gibt es auch immer wieder Filme, die den Grat zwischen ehrlichem empathischem Mitschwingen und purem Ergötzen an der Schrägheit von Charakteren überschreiten. Dann wird der Mensch zum belächelten Kuriosum und seine Eigenart fällt dem Akt der Schaulust zum Opfer. Der wunderbare Garten der Bella Brown des britischen Regisseurs und Drehbuchautors Simon Aboud wagt sich in französisch besetztes Gebiet, indem er seiner Hauptfigur Bella Brown eine Mischung aus zwanghaftem Verhalten, Ordnungsliebe und Schüchternheit mit auf den Weg gibt.

Die Einführung gibt eine markante männliche Erzählerstimme, die mit überraschend feindseligem Unterton das Leben von Bella Brown beschreibt. Allzu schnell kommt man dahinter, dass es sich dabei um den aufmüpfigen Nachbarn der jungen Frau handelt, der ihr das Leben zur Hölle macht, indem er verlangt, dass sie ihren Garten wieder in Ordnung bringt. So zügig wie das bisherige Leben der Bella Brown geschildert wird, kommt auch die von besagten französischen Filmen inspirierte kreativ-vergnügte Erzählweise ins Stocken. Bella Brown hatte eine schwere Kindheit, nachdem sie als Baby in einem Karton im Park ausgesetzt und von Enten warmgehalten wurde. Jetzt arbeitet sie in einer Bibliothek, vertieft sich in Fantasiewelten und reiht ihre Zahnbürsten für jeden Wochentag vor dem Spiegel auf. Nur schwer kann der Zuschauer dem Vorschlaghammer entgehen, mit dem ihm die Sonderbarkeiten der Bella Brown mit wenigen Sätzen und Bildern eingeprägt werden.

Den Darstellern kann dabei kein Vorwurf gemacht werden. Jessica Brown Findlay ist wie geschaffen für die Rolle der sensiblen Kinderbuchautorin und weiß, wie sie ihr Gesicht in die Kamera zu halten hat. Tom Wilkinson strahlt eine trockenhumorige Souveränität aus, die nahezu vergessen macht, dass selbst er sich das fadenscheinige Drehbuch nicht gefügig machen kann. Wenn Jeremy Irvine als lebenslustiger Tüftler um die Ecke kommt, geht die Sonne auf, auch wenn die Wolken der kitschigen altenglischen Bibliotheksromantik nicht lange auf sich warten lassen. Und ebenso verleiht Andrew Scott dem von Pollenallergie geplagten Koch und Hausdiener einen unvergleichlichen Charme.

Von Anfang an spielt der Film mit offenen Karten. Die Charaktere werden vage umrissen, die Konflikte so ordentlich auf einem Tablett serviert, dass Bella Brown ihre wahre Freude daran hätte. Es macht sich bemerkbar, dass Simon Aboud lange Zeit als Werbefilmer unterwegs war, erstrahlen doch die Gartenblumen in prächtigen Farben und Unschärfekreationen, die jedem Produktdesigner das Herz höher schlagen lassen dürften. Ein sanfter Instagramfilter verschleiert die Gerichte des Hobbykochs und die Blumenarrangements des Gartenbaufanatikers. Und sogar die im Licht tanzenden Staubkörner in der Bibliothek unterstreichen auf makellose Weise das schüchterne Ringen um Liebesbotschaften zwischen den Regalen. Der Originaltitel des Films, „This Beautiful Fantastic“, beschreibt wohl wenig eloquent, aber doch treffsicher die visuelle Atmosphäre des Films.

So rieselt Der wunderbare Garten der Bella Brown sanft dahin und ist stets bemüht, keinem etwas zuleide zu tun. Damit hat er sowohl das Potenzial, uns mit seinen zahlreichen originellen Charakteren zum Schmunzeln zu bringen oder uns das Lachen im Halse ersticken zu lassen angesichts der eingangs erwähnten Grenzüberschreitung. Ob liebevolle Charakterstudie oder schaulustige Abnormalitätenparade, das liegt ganz im Auge des Betrachters.

Fazit

„Der wunderbare Garten der Bella Brown“ präsentiert sich als unbefriedigender Kompromiss. Für ein Charakterdrama ist er zu unrealistisch und romantisch überstrapaziert, für ein Fantasymärchen zu inspirationslos und schwerfällig. Immerhin zeigen die Darsteller, was in ihnen steckt, sodass für leichte Unterhaltung gesorgt ist. Vor allem für Fans von ansprechend fotografierten Mahlzeiten und Blumen ist dieser Film ein Muss. Leidenschaftliche Gärtner hingegen werden den Charakteren ihre Verbindung zur Natur nicht abnehmen, denn Schweiß, Dreck und der Duft nach dunkler Erde sind im Universum dieses Films nicht auffindbar. Zahme Bilderflut oder Gaudi der menschlichen Eigenart, für beides werden Argumente geboten.     

Autor: Jonas Göken

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