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Eine Familie, wohnhaft in Manhatten, vollkommen isoliert von der Außenwelt. Sechs Brüder wachsen bis ins Teenager-Alter heran, ohne ihre Wohnung zu verlassen. Alles was sie über die Welt wissen lernen sie aus Filmen. Begleitet über mehrere Jahre gewährt "The Wolfpack" einen Blick in das isolierte Leben der Familie.

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Kritik

Eigentlich mag ich keine Sozialdokus. Im Gegensatz zu naturwissenschaftlichen oder historischen Vertretern der Gattung gibt es nämlich keinen greifbaren Wissenszuwachs und eventuelle Sozialkritik oder interessante Gedankenansätze gehen schnell zugunsten von sensationslüsternen Übertreibungen verloren. Entsprechend bin ich an "The Wolfpack" mit sehr gemischten Gefühlen herangegangen. Das Konzept einer neunköpfigen Familie, deren Kinder effektiv nie die Wohnung verlassen haben und nur über Filme sozialisiert wurden... Dass spricht einerseits meine Neugier für Filme und außergewöhnliche Lebensgeschichten. Andererseits muss man sich bei sowas auch selbstkritische Fragen stellen: Warum schaue ich mir das an? Lerne ich hier irgendwas oder fröne ich nur irgendeinem schrägen Medienvoyeurismus? Inwiefern ist das anders oder besser als beknacktes Reality-TV?

Die Antwort liegt zunächst einmal bei den Menschen und wie mit ihnen umgegangen wird. Denn auch wenn die Angulos unter verstörenden Verhältnissen groß geworden sind, so erscheinen sie erstaunlich normal. Denn die Angulos sind nicht verrückt und schon gar nicht dumm. Tatsächlich fängt die Dokumentation oft Momente ein, indem sie sich als gerade für ihr alter herausragend reflektierte und sensible Menschen heraus. Sämtliche Exzentrik der Jungs entspringt nur teilweise aus ihrer extremen Isolation und zu einem wesentlich größeren Teil aus der Art von mildem Wahnsinn, die aus massiver Langeweile entspringt. Allem voran steht dabei natürlich das Nachspielen von Filmen, dass die Brüder mit selbstgebastelten Requisiten und viel Liebe zum Detail vollziehen. So bizarr diese Eigenversionen á la "Abgedreht" mitunter erscheinen, einen gewissen Charme kann man ihnen irgendwie nicht absprechen.

Wo wir gerade schon bei filmischer Form sind, dann muss man sich auch die Dokumentation unter genau diesem Aspekt ansehen. Insgesamt versucht Regisseurin Crystal Moselle nämlich ihre Geschichte weniger über harte Fakten zu erzählen, sondern über persönliche Aussagen, alte Filmaufnahmen und Collagen, die die Sinneseindrücke der Angulos verdeutlichen sollen. Das führt einen dann wieder auf das Grundproblem des Films als "Dokumentation" zurück: Sie ist zwar eine nette und interessante coming-of-age Geschichte, basiert aber viel mehr auf Emotion als Information und das sollte man bei einer Dokumentation immer bemängeln. Das führt einen auch ganz stark wieder zur Frage der Authentizität. Denn der Film nimmt uns an der Hand und leitet uns vielmehr durch eine Erzählung, als uns die Fakten direkt zu präsentieren. Da ist es nur gerechtfertigt, wenn man den Realitätsgehalt der "zufälligen" Hitdokumentation infrage stellt. So viel, wie es in dem Film um Wahrnehmung und persönliche Realität geht und wie Filme darauf Einfluss haben, ist das letzten Endes vielleicht nicht so wichtig, wie wahrheitsgetreu der Film ist, sondern wie man darüber denkt.

Fazit

"The Wolfpack" erzählt auf sehr eindrückliche Art und Weise die Geschichte einer Familie von Einsiedlern aus der Bronx. Dabei wird das schwer faßbare "Was" ihres Schicksals aber bald von dem interssanteren "Wer" und "Wie" verdrängt. Anstatt sich nämlich einfach nur Sozualvoyeurismus hinzugeben, wird der Versuch gemacht einfach nur sechs junge Männer zu zeigen, die sich der Welt stellen müssen um ihren Platz darin zu finden.

Autor: Sören Jonsson

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