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Anno Domini 1327: Der englische Franziskanermönch William von Baskerville reist mit seinem jungen Schüler Adson im Auftrag des Kaisers zu einer reichen Benediktinerabtei in Italien. Er soll in einem Treffen zwischen den der Ketzerei verdächtigten Minoriten und den Gesandten des Papstes vermitteln. Der Aufenthalt wird zu einem wahren Alptraum: Eine grauenvolle Mordserie unter den Mönchen erschüttert das Kloster und William macht sich mit detektivischem Spürsinn auf die Suche nach dem Täter. Nicht jeder ist mit seinen Nachforschungen einverstanden, denn als die päpstliche Abordnung eintrifft, wird William selbst der Ketzerei und des Mordes beschuldigt...
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Kritik

„Kannst du mir einen Ort nennen, an dem sich Gott je Zuhause gefühlt hat?“

In der letzten Einstellung, wenn die Kamera von Tonino Delli Colli in der Totalen über den Apennin, einem sich über tausend Kilometer erstreckenden Gebirgszug im Norden Italiens, erhebt, wird endgültig ersichtlich, dass es in Der Name der Rose die ganze Zeit nie darum ging, die mysteriöse Todesserie in einer abgelegenen Benediktiner Abteil aufzulösen. Stattdessen sind es die nachdenklichen Worte des alternden Adson von Melk (Christian Slater, Interview mit einem Vampir), der seine Erfahrungen im Jahre 1327 Revue passieren lässt, als er zusammen mit dem franziskanischen Mönch William von Baskerville (Sean Connery, Die Unbestechlichen) an einem theologischen Disput teilnahm. Es sind die Worte eines Mannes, der abwägen musste, in welche Richtung sich sein Leben bewegen soll – und Der Name der Rose ist die Geschichte dieses Mannes.

Sicherlich, wenn wir an Der Name der Rose denken, dann denken wir an die charismatische Strahlkraft eines Sean Connery, der mit William von Baskerville einen fast schon ungewöhnlich modernen Geistigen verkörpert, der Bücher über sein Leben stellt und sein Dasein auf einen Anspruch hat ausgelegt: Auf die Schärfung des Verstands. Ebenso denken wir an den inzwischen verstorbenen Umberto Eco, dessen Romanvorlage freilich zum Schulinventar gehört und der, so munkelt man, mit der Verfilmung des französischen Regisseurs Jean-Jacques Annaud (Am Anfang war das Feuer) durchaus zufrieden gewesen ist. Und natürlich denken wir an eine, nach wie vor, hochspannende Kriminalhandlung, die sich umso kraftvoller erweist, da sie sich auf eine sorgfältig arrangierte Mittelalteratmosphäre betten darf: All die ungeheure Dunkelheit jener Epoche wird in Der Name der Rose zum Leben erweckt.

Und doch gehört Der Name der Rose dem jungen Novizen Adson, der lernt, dass die Wege des Schicksals immer einen gewissen Spielraum offenbaren, indem, gesetzt dem Fall, man erklärt sich bereit einzusehen, dass es im Leben nicht nur Schwarz und Weiß gibt, sondern unzählige Graustufen. Adson wird Zeuge dieser weltlichen Mehrdeutigkeit durch die Begegnung mit einem Mädchen, dessen Namen er nicht erfahren wird. Sie allerdings wird ihm aufzeigen, dass der Schrecken gleichwohl Nährboden dafür ist, um Wundersames sprießen zu lassen. Der Schrecken in Der Name der Rose bezieht sich zum Großteil auf den religiösen Dogmatismus, der damit beginnt, dass den Benediktinern jede Form von Vergnügen untersagt ist und seinen Höhepunkt in einer Inquisition findet, in der Menschen für eine Tat auf dem Scheiterhaufen hingerichtet werden, die sie nicht begangen haben.

Der Name der Rose darf sich zu den Filmen zählen, die es schaffen, dem Zuschauer die Tinte schmecken zu lassen, die sich tief in das Pergament drückt und jene Geschichte dokumentiert, die hier über eine Laufzeit von beinahe 130 Minuten erzählt wird. Mag der diskursive Gehalt der literarischen Vorlage auch massiv verkürzt worden sein, so ist es Jean-Jacques Annaud und seinem Autorenentourage doch nicht nur gelungen, einiges von der rhetorischen Klasse des Romans in die Leinwandadaption hinüberzuretten. Vor allem ist es das wuchtige Klima eines im Nebel versunkenen Zeitalters, welches sich durch die inszenatorische Dichte als ungemein immersiv gestaltet. Die Suche nach Hinweisen und Indizien, die nicht zuletzt einen gezielten Kreuzzug gegen kirchliche Doktrin heraufbeschwört, entschlüsselt letztlich zwar auch das unheimliche Rätsel innerhalb der geschichtsträchtigen Gemäuer. Schlussendlich aber beschreibt Der Name der Rose einen identitätsstiftenden Aufstand des Gewissens.

Fazit

Längst zum Klassiker avanciert, hat sich "Der Name der Rose" diesen Titel auch durchaus verdient. Wie zu erwarten nicht auf einer Höhe mit der prominenten Vorlage, versteht es Regisseur Jean-Jacques Annaud dennoch ein einnehmendes Klima des Wundersamen und Schrecklichen zu erschaffen und den Zuschauer tief in eine Geschichte zu ziehen, die Themenfelder wie Wahrheit, Vernunft, Schicksal und das eigene Gewissen umkreist.

Autor: Pascal Reis

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