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Quelle: themoviedb.org
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Inhalt

JR und ihr College-Professor hatten eine Beziehung, die jedoch in die Brüche gegangen ist. Damit ihre Sachen aus der Wohnung des Professors kommen, bittet JR ihren Bruder Colin um Hilfe. Das Geschwisterpaar packt alles in ein altes Auto und begibt sich auf eine Road Trip, auf dem sie wieder einmal feststellen, weshalb sie sich nicht leiden können.

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Quelle: themoviedb.org

Kritik

Das Kino von Alex Ross Perry (Queen of Earth) setzt typischerweise dort an, wo andere Filme längst ihren erschöpfenden Höhepunkt erreicht haben. Vergleichbar mit den dialoggetriebenen Werken von Regisseuren wie Woody Allen (Match Point) oder Noah Baumbach (Frances Ha), die in der Regel von neurotischen Exzentrikern bevölkert werden, welche zuallerst am liebsten um sich selbst kreisen, ist das filmische Schaffen von Perry ebenfalls von zahlreichen charakterlichen Ecken und Kanten durchzogen, an denen sich der Zuschauer leicht stoßen kann. Dabei strahlen selbst die schwierigsten Arbeiten des New Yorkers wie Listen Up Philip zwischen all dem Hang zum abstoßend Narzisstischen etwas Selbsttherapeutisches aus, durch das sich der Regisseur ebenso schonungslos wie empathisch mit dem konfrontiert, was seine eigene Persönlichkeit zu prägen scheint. Insbesondere in seinem zweiten Spielfilm The Color Wheel verschwimmt diese Grenze zwischen Fiktion und autobiografischen Bezügen nochmal stärker, wenn Perry eine der beiden Hauptfiguren zusätzlich selbst spielt.

Zu Beginn des Films ist der von Perry verkörperte Colin im Bett mit seiner Freundin zu sehen, wo sie darüber diskutieren, inwiefern ihr Sexleben auf Eis liegt. Auch wenn der Regisseur bereits hier seine Vorliebe für blitzschnelle Dialoge zum Ausdruck bringt, wenn sich Colin und Zoe die Worte nur so um die Ohren schleudern, wird zugleich deutlich, dass sich das Paar eigentlich nichts mehr zu sagen hat. Unterbrochen wird die unangenehme Situation lediglich von einer noch unangenehmeren Situation, als Colins Schwester vor der Tür steht. JR hatte zuletzt ein Verhältnis mit ihrem College-Professor, mit dem sie außerdem zusammengewohnt hat, bis die Beziehung zerbrochen ist. Ihren Bruder bittet JR jetzt um den Gefallen, sie auf einer Autofahrt zum Haus des Professors zu begleiten, wo sie ihre Sachen abholen will. Während Perry Colin und JR somit schon nach den anfänglichen Szenen als Menschen zeichnet, die ihre ganz eigenen Probleme in Bezug auf ihr Liebesleben auszufechten haben, eskaliert die zwischenmenschliche Dynamik erst durch die Interaktion zwischen Bruder und Schwester endgültig.

Was in der episodenhaft anmutenden Road-Movie-Struktur zunächst noch Raum für Situationskomik öffnet, wenn Colin und JR auf der Durchfahrt eine Nacht in einem Motel verbringen wollen, in dem der streng katholische Besitzer nur verheiratete Paare über Nacht duldet, erweist sich neben dem trockenen Humor umgehend als bittere Betrachtung von Geschwistern, die sich gegenseitig abgrundtief hassen. Dabei kommt jede Konversation zwischen Colin und JR in The Color Wheel einem bösartigen Schlagabtausch gleich, bei dem der Regisseur heftige Vorwürfe, bittere Feststellungen und giftige Beobachtungen gerne in peinlich betretenem Schweigen oder abrupten Schnitten auflöst. Durch diesen extremen Erzählton, der von zynischer Abneigung und offen ausgesprochenem Hass geprägt ist, bewegen sich die beiden Hauptfiguren am Rande der Erträglichkeit und fordern den Betrachter heraus, die eigenen Gefühle gegenüber diesen nichtsdestotrotz ungemein menschlich gezeichneten Figuren ständig neu zu bewerten. 

Hinter all dem Pessimismus, der generell unentwegt auf das Schaffen von Perry abfärbt, offenbaren sich jedoch noch weitaus tiefere Schichten. Auch wenn der Film dem ersten Eindruck nach leicht in die Nähe der Mumblecore-Bewegung gerückt werden könnte, bei der sich junge Independent-Regisseure mit einer hohen Dichte an überwiegend improvisierten Dialogen ohne wirkliches Budget und mit einer kleinen Crew an zwischenmenschlichen Beziehungen abarbeiten, verweist die markante Ästhetik von The Color Wheel vielmehr auf die persönlichen Einflüsse des Regisseurs. Auf wundervoll grobkörnig kriselndem 16-mm-Film in Schwarz-Weiß gedreht, erinnert der Streifen eher an jahrzehntelang zurückliegende Vertreter der klassischeren Ära des Indie-Films, wobei die Slacker-Lakonie aus Kevin Smiths Clerks - Die Ladenhüter ebenso sichtbar ist wie der Fokus auf Schauspieler und vor allem Details wie beispielsweise in Gesichter von John Cassavetes. Neben anderen Einflüssen wie das Regiewerk von Vincent Gallo (Brown Bunny) sowie die Romane von Philip Roth wird in The Color Wheel zunehmend ein tragischer Kern sichtbar, der die Einsamkeit der Protagonisten in den Mittelpunkt rückt.

Perry selbst gab einmal zu Wort, dass ihn Geschichten über einsame, isolierte Menschen an ihrem tiefsten Punkt am meisten interessieren würden. In seinem zweiten Film treten diese Eigenschaften in Colin und JR einerseits zwischen all den Dialogkaskaden zum Vorschein, die in gemeinsamen Gesprächen Verwendung finden, sowie in Interaktion mit ihrem Umfeld. Gegen Ende des Films finden sich beide auf einer Party von JRs alter bester Freundin Julia wieder, wo die Geschwister inmitten von all den spießigen Karrieremenschen und leeren Idealisten noch einmal besonders schmerzlich auf sich selbst zurückgeworfen werden. Erst anschließend, nachdem sich Colin wiederholt übergeben musste und zuvor gedemütigt wurde, während JR ebenso schmerzlich erkennen musste, dass sie Zeit ihres Lebens von Familie und Freunden mehr geduldet als geschätzt wurde, findet Perrys Film ganz zum Schluss zu einem verblüffenden Ende, das ruhige Introspektion, knisterndes Kopfkino und überraschende Intimität als kurzen Ausweg aus diesem pessimistischen Höllenloch andeutet, um schließlich doch wieder in unbequemer Ungewissheit zu enden.

Fazit

In seinem beeindruckend ungeschliffenen sowie bisweilen nahezu unzumutbarem Drama "The Color Wheel" konfrontiert Regisseur, Co-Autor und Hauptdarsteller Alex Ross Perry sein Publikum mit Hauptfiguren, die ebenso schmerzhaft menschlich wie zwischenmenschlich herausfordernd gezeichnet sind. Mit seiner Geschichte von zwei Geschwistern, die sich abgrundtief zu hassen scheinen und jeweils mit ganz eigenen Problemen zu kämpfen haben, verknüpft der Regisseur Elemente der Mumblecore-Bewegung, Screwball-Comedy-Anleihen, bösartigen Pesssimismus und berührende Tragik zu einem überaus gelungenen Gesamtwerk, auf das man unbedingt einen Blick werfen sollte.

Kritik: Patrick Reinbott

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