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Inhalt

Matsumoto verlässt seine Geliebte Sawako, die daraufhin einen Selbstmordversuch unternimmt. Da kehrt er zu der inzwischen unheilbar Kranken zurück und bindet sie mit einer roten Kordel an sich. Für immer vereint, streifen die beiden als Bettlerpaar durch die Straßen. Auch Yakuza-Boss Hiro ließ einst seine Geliebte zurück. 30 Jahre später wartet sie immer noch jeden Samstag mit seinem Mittagessen auf der Parkbank. Andernorts opfert Nukui seinem Idol Haruna freiwillig das Augenlicht, um seine unerschütterliche Liebe zu beweisen.
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Kritik

Unter dem Begriff Bunraku versteht man eine traditionelle Ausdrucksform des japanischen Figurentheaters, welches seit dem Jahre 2005 zum kulturellen Erbe des Menschheit ernannt wurde. Mehrere Puppenspieler sind dabei dafür verantwortlich, eine der menschengerechten Figuren zu steuern und diese dann gemeinschaftlich durch eine Geschichte zu bewegen, die im Regelfall von der Tragik der Liebe berichten. Die Bewohner der westlichen Hemisphäre zeigen sich natürlich weitestgehend unbeleckt, wenn es um die Bedeutung des Bunraku geht, allerdings können diese wahrscheinlich etwas mit dem Namen Takeshi Kitano (Hani-bi – Feuerblume) anfangen, der nicht zu einem der substantiellsten Filmemacher Japans aufgestiegen ist, sondern mit seinem vom WDR ko-finanzierten Dolls 2002 ein Werk in Szene gegossen hat, welches zuvorderst als Hommage an das traditionelle Theater seines Heimatlandes fungiert.

In drei episodisch-strukturierten Handlungssträngen berichtet Dolls folgerichtig von der Liebe und deren Scheitern. Die Gründe dafür, die Takeshi Kitano dem Zuschauer zum Diskurs stellt, sind mannigfalten: Ob Verrat, sozialer Druck oder Idolatrie. Allerdings wird schnell ersichtlich, dass sich Dolls weniger um seine inhaltliche Ebene schert, als um die Symbolkraft, die er aus seinen Bildern entfesseln kann. Allein die erste Szene mit Matsumoto (Hidetoshi Nishijima) und Sawako (Miho Kanno), deren Liebe wegen des sozialen Drucks zerbrochen ist, beweist Kitanos ungemeines Feingefühl für das Arrangieren visueller Kompositionen. Um Wiedergutmachung bemüht, bindet Matsumoto, der seine Verlobte kurz vor der Hochzeit verlassen hat und sie so zum Suizidversuch veranlasste, ein rotes Seil um seinen und ihren Körper, so dass die seitdem geistig abwesende Sawako nicht weglaufen kann.

So wie der sattrote Strick über den Boden gleitet, sich verkeilt und von allen Widrigkeiten befreit, fällt Dolls gleich zu Anfang einer betörenden Poesie anheim, die, so die stilistische Marschroute des Films, Sinn und Sinnlichkeit auf audiovisueller Plattform austrägt und infolgedessen einen sensorischen Kanal filmischer Kommunikation erschafft, der das (motivische) Band zwischen dem Werk und seinen Zuschauern enger und enger knüpft. Dolls aber kann sich in seinen künstlerischen Ansprüchen einer gewissen Prätention kaum verwehren, gerne mal kanalisieren sich die – in der Theorie – tiefen Emotion in artifiziellen Fallstricken, was die anmutige Wirkung der Inszenierung zuweilen ungemein hemmt. Am besten ist Dolls eben dann, wenn er kleinteilig und feingliedrig bleibt; wenn er ganz bei sich und seiner Alltagspoesie bleibt, um überhaupt aus sich herauszukommen.

Womöglich hat Takashi Kitano den Imagewechsel, nachdem ihm einige Kritiker den Vorwurf gemacht haben, Brother wäre „nur“ ein Genre-Flic gewesen, etwas zu sehr forciert. Dolls jedenfalls erweckt immer wieder einen ostentativen Eindruck davon, dass Kitanos Kurskorrektur zwanghaft geschehen musste, was einen erzählerisch derart rückwärtsgewandten (nicht ideologisch zu verstehen) Film natürlich massiv ausbremst. Dass Dolls dennoch keine kunstgewerbliche Selbstbeiweihräucherung geworden ist, lässt sich natürlich immer noch auf das ausgeprägte Talent des Regisseurs zurückführen. Farbdramaturgisch ist Dolls ein Meisterwerk, nicht sattsehen möchte man sich am Grün des Telefons, am Gelb des Autos, am Blau des Regenschirms, am Weiß der Kirschblüten. Und ohnehin, der Mann hat ein augenfälliges Gespür für das Enigmatische innerhalb unserer Lebensrealität und zeigt ein weiteres Mal auf: Unser Dasein ist eine ungewisse Wanderung. Manchmal kommen wir nie an.

Fazit

Mit der Bunraku-Hommage "Dolls" hat Takeshi Kitano zwar sicherlich nicht seinen besten Film abgeliefert, was sich an einigen prätentiösen Anwandlungen ablesen lässt, allerdings besitzt der Film ein zuweilen gar betörendes Gespür für die Alltagspoesie unserer Lebensrealität. Eine ausgeklügelte Farbdramaturgie unterstreicht weitergehend das Enigmatische innerhalb unserer irdischen Daseins. Sehenswert.

Autor: Pascal Reis

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