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Wah (Andy Lau) steht an der Kante eines riesigen Wolkenkratzers und denkt über seinen kürzlichen Arztbesuch nach. Die Worte – "Sie haben noch vier Wochen zu leben" – gehen ihm hierbei nicht aus dem Kopf. Doch anstatt seinem Leben ein vorzeitiges Ende zu bereiten, startet er einen Raubüberfall auf eine Versicherungsgesellschaft. An Geld ist Wah hierbei nicht interessiert. Trotzdem spricht er mit der Polizei und ruft sogar den herausragenden Unterhändler Sang (Lau Ching-Wan), um mit ihm über eine Lösung der Situation zu verhandeln. Bevor dieser allerdings die Lage sowie die Motive begreift, ist Wah schon entkommen. Dies ist jedoch erst der Auftakt zu einem 72stündigen Katz-und-Maus-Spiel mit tödlichem Ausgang…

Kritik

Nachdem John Woo Anfang der 90er mit dem grandiosen Hard Boiled sein Meisterstück erschuf, leitete er gleichzeitig das Ende einer ganzen Ära ein. Fortan wurde es still um das sagenumwobene Actionkino aus Hongkong. Erst knapp sieben Jahre später, konnte Regisseur Johnnie To an die alten Tugenden des Genres anknüpfen und mit dem ungewöhnlichen Running Out Of Time frischen Wind präsentieren. Besonders die raffinierte Geschichte sowie die fein ausgearbeiteten Charaktere, erschufen hierbei dramatisches Actionkino, welches sich gegenüber seinen legendären Ahnen durchaus nicht verstecken braucht.

Regisseur Johnny To ist dafür bekannt, ruhiges stilvolles Arthous-Kino gerne mit brachialer wie brutaler Action zu kombinieren, um so ein einmaliges Kinoerlebnis zu erzeugen. Und auch in Running Out Of Time gelingt ihm dieser ungewöhnliche Drahtseilakt einmal mehr mit Bravour. So ist zwar das Grundgerüst von Wah und seinem raffinierten Spiel mit Sang keineswegs sehr originell, in Bereich der Dramatik wie Spannung allerdings unschlagbar. Besonders die rasche gekonnte Einführung der beiden Kontrahenten, die sich im Laufe der Handlung immer mehr kennenlernen und sogar Freunde werden, zeigt das besondere Geschick von To im Umgang mit seinen an die "Heroic Bloodshed" (Hong-Kong-Blut-Oper) Zeiten erinnernden Geschichten. Natürlich stehen daher Dinge wie Freundschaft, Aufrichtigkeit sowie Rache im Vordergrund. To verpackt dieses jedoch gelungen in einem raffinierten Katz-und-Maus-Spiel, in welchem die Motive von Wah lange unklar bleiben. Überhaupt steht keineswegs die Action im Vordergrund, sondern die durchdachte Handlung sowie die ungleichen Charaktere. Besonders Wah, der mit seiner Krankheit ohnehin ein ungewöhnlicher wie interessanter Charakter ist, kann sich so in die Herzen der Zuschauer spielen. Doch auch der abgebrühte wie draufgängerische Inspektor Sang, kann durch seine eigenwillige Spielart überzeugen.

Die Atmosphäre die hierbei Regisseur Johnny To erzeugt, ist in den Grundzügen sehr melancholisch. Für Wah gibt es eben kein Happyend. So oder so gibt es für ihn nur einen Ausweg. Doch gerade dieses Gefühl, macht viel vom Charme von Running Out Of Time aus. Damit hierbei das Szenario nicht allzu bitter wirkt, untermalt To seine Geschichte mit viel Ironie sowie kleineren humorvollen Einlagen. Zwar wird dies nicht jedem zusagen, sorgt jedoch dafür, dass sich das Schicksal von Wah niemals wie ein unausweichliches Ende anfühlt. So bleibt nicht nur die Spannung erhalten, sondern auch der Wunsch, dass Wah seinen Plan doch noch zur Vollendung führen kann. Selbst eine kleine Romanze zwischen Wah sowie Leung Yuen Ting (YoYo Mung), die trotz weniger Augenblicke harmonisch wirkt, findet so ihren Platz. Weniger geglückt ist dagegen der offensichtliche Zwiespalt zwischen Sang und seinem direkten Vorgesetzten (Shiu Hung Hui). Der stetige Streit zwischen beiden wirkt nicht nur unfreiwillig komisch, sondern auch zu jeder Zeit aufgesetzt. Dies sowie kleinere Auffälligkeiten und Längen, dämpfen die hervorragende Story merklich.

In Sachen Inszenierung kann dagegen Johnny To wieder seine langjährige Erfahrung im Filmemachen ausspielen. So ist das Zusammenspiel zwischen Kamera, Musik sowie actiongeladenen Szenen grandios gelungen und durchaus rasend inszeniert. Besonders der außergewöhnliche Score, der selbst nach mehrmaligen hören niemals aufdringlich wirkt, trägt viel zur Stimmung bei. Hektische Momente lösen gekonnt fast hypnotische ab und offenbaren so grandioses Actionkino mit dem Hang zur kunstvollen Seite, welche in bester Tradition des Genres steht. Die Action selbst kann zwar hierbei durchaus überzeugen, ist im Gegensatz zum Genredurchschnitt jedoch keineswegs außergewöhnlich. Anders verhält sich dies bei den darstellerischen Leistungen. Neben Andy Lau, einer lebenden Legende des HK-Kinos, kann auch Ching Wan Lau als Inspektor Sang auf ganzer Ebene punkten. Besonders das gut getimte Spiel zwischen beiden, lässt einen kurz vergessen, dass sich hier eigentlich Gangster und Cop jagen,

Fazit

Regisseur Johnny To konnte mit seinem raffinierten "Running Out Of Time" dem verblasten Genre des HK-Action-Kinos Ende der 90er endlich neuen Mut sowie Kraft verleihen. Zwar mit schwächen behaftet, bietet die Geschichte rund um den totkranken Wah eine intelligente wie ungewöhnliche Handlung, welche besonders von seinen grandiosen Charakteren lebt. Fortan war Action aus Asien durchaus wieder im Gespräch und spätestens drei Jahre später mit "Internal Affairs" auch wieder Salonfähig.

Autor: Thomas Repenning

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