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In der Zukunft wird die Welt nicht mehr von Regierungen, sondern von Firmen beherrscht. Der brutale Rollerball-Sport wird benutzt, um die Massen unter Kontrolle zu halten. Doch ein Spieler steigt auf bis zur Spitze und wagt es, für seine persönliche Freiheit zu kämpfen.

Kritik

Brot und Spiele. Nein, Gewalt und Spiele. In einer, wie es heißt, nicht allzu fernen Zukunft soll Rollerball angesiedelt sein. In Wahrheit sind die Zustände, die die bis heute oftmals sträflich übergangene Regiearbeit vom großen Norman Jewison (In der Hitze der Nacht, Mondsüchtig) beschreibt, schon immer fester Bestandteil der Menschheitsgeschichte gewesen. Während sich die Landesnationen vollständig aufgelöst haben und globale Konzerne, sogennante Corporations, die Kontrolle übernahmen, geht es den Industriegiganten nur noch darum, die zivile Bevölkerung an der kurzen Leine zu führen. Es gibt in dieser „nicht allzu fernen Zukunft“ keinen Anspruch auf Selbstbestimmung mehr, stattdessen gibt es Rollerball. Eine Sportart, die nicht nur zu Unterhaltungszwecken dient, sondern vor allem politökonomisches Machtinstrument ist. Eine Sportart, die Kriege ersetzt hat.

Was die Gemüter vordergründig als martialisches Massenspektakel erhitzt, dient den fädenziehenden Corporations im Hintergrund als probates Mittel der politischen Entmündigung und Ruhigstellung. Zwei Teams treten dabei in einer kreisförmigen Steilbahn im Namen ihrer Städte an und repräsentieren jeweils einen Konzern, der entweder für Energie, Transport, Nahrung, Luxus, Unterkunft oder Kommunikation einsteht. Wer Siege erzielt oder Niederlagen über sich ergehen lassen muss, ist vollkommen bedeutungslos, Hauptsache die Bevölkerung darf sich am brutalen Treiben in der Arena ergötzen – und einschüchtern lassen. Rollerball beschreibt dabei aber nicht nur die kapitalistische Korrumpierbarkeit von Unterhaltungs- und Sportindustrien. Norman Jewison, der hier die dystopische Sci-Fi-Novelle von William Harrison adaptiert, erzählt vielmehr eine von tiefer Traurigkeit durchdrungene Geschichte vom Preis der Rebellion.

Jonathan E. (James Caan, The Yards – Im Hinterhof der Macht) ist der unangefochtene Rollerball-Champion. Seit Jahren bereits führt er sein Team immer wieder zum Sieg, was den Verantwortlichen in den Führungsetagen der Industrieriesen natürlich ein Dorn im Auge ist. Die Heldenverehrung, die sich in Form von stehenden Ovationen und skandierenden Chören um Jonathan entwickelt hat, könnte zu einem Problem werden, da sie die Menschen an ihren Individualität gemahnt. Sie könnten in einer Welt, in der das erste Gebot die Gleichstellung ist, auf die Idee kommen, das Leben fernab von Armut und Krankheit zu hinterfragen. Jonathan soll deswegen alsbald seinen Rücktritt verkünden, weigert sich aber: Er wird zum Spielverderber einer (angeblich) sportlich-motivierten Veranstaltung, in dem es eigentlich keine Regeln gibt.

Erzählerisch gibt sich Rollerball sicher jenem klassischen Topos hin, der dem Auserwählten dabei folgt, wie er sich gegen ein übermächtiges System auflehnt. Das obligatorische Gesicht einer Rebellion, die der Film jedoch gänzlich ausspart. Denn das Besondere an Rollerball liegt in seinem Sinn für die Stille und das Zwischenmenschliche begraben. James Caan liefert als Jonathan E. eine überraschend zurückgenommene, von unterdrückter Einsamkeit erfüllte Performance ab, die Rollerball eben nicht zum Action-Fest der Marke Running Man erklärt, sondern auch als hintersinniges, durch feine Beobachtungen veredeltes Charakter-Drama funktionieren lässt. Der Kampf um Leben und Tod, den Rollerball über eine Laufzeit von mehr als zwei Stunden nachzeichnet, entfaltet sich nicht nur in der Wettkampfstätte, sondern auch im Inneren unseres Protagonisten.

Fazit

Eine zu Unrecht oftmals übergangene Perle des 1970er Jahre Kinos. Der große Norman Jewison beweist mit "Rollerball" nicht nur sein handwerkliches Talent in Sachen Action-Kino. Vielmehr überzeugt die Dystopie durch feine Beobachtungen menschlicher Traurigkeit. Die Kritik an kapitalistische Großkonzernen und voyeuristischen Massenspektakeln ist richtig, wenn auch nicht originell, die wahre Stärke des Films allerding ist sein Sinn für die Stille, das Leiden, den Schmerz im Inneren des wunderbar zurückgenommen auftretenden James Caan.

Autor: Pascal Reis

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