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Quelle: themoviedb.org

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Inhalt

London, im Jahr 2000: Die hochbetagte Rentnerin Joan Stanley (Judi Dench) bekommt Besuch von einem Polizeiaufgebot, das sie aus ihrem Reihenhaus als Schwerverbrecherin abführt. Die Vorwürfe gegen die ehemalige Wissenschaftlerin, die jahrzehntelang als unbescholtene Bibliothekarin gearbeitet hat, umfassen insgesamt 27 Gesetzesverstöße – darunter Hochverrat! Joan soll in den 1940er-Jahren als Mitarbeiterin des britischen Atomwaffenprogramms wichtige Informationen an die Sowjetunion weitergegeben haben. Während Joans Sohn Nick (Ben Miles), ein angesehener Anwalt, das Ganze für einen makabren Justizirrtum hält, weiß seine hochbetagte Mutter, dass nun unausweichlich der Moment der Wahrheit näher rückt In den Vernehmungen muss sich Joan ihrer Vergangenheit stellen, wobei sich der Verdacht gegen sie immer weiter erhärtet.

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Quelle: themoviedb.org

Kritik

Gut 20 Jahre lang stand Judi Dench (James Bond 007 - Casino Royale) in der Rolle der M als Leiterin des MI6 im Geheimdienst ihrer Majestät. In Das Geheimnis eines Lebens sitzt sie nun auf der anderen Seite und muss sich schweren Vorwürfen erwehren. Unterstützt durch ihren Sohn (Ben Miles, Napoleon), versucht sie, sich anfangs noch als unschuldige ältere Dame darzustellen, doch allzu schnell bröckelt die Fassade und das ganze Lebenskonstrukt als unbescholtene Bibliothekarin bricht in sich zusammen. Regisseur Trevor Nunn (Was ihr wollt) versucht in dieser Hinsicht gar nicht Spannung aufzubauen, sondern möchte eher in Rückblicken die Hintergründe  erforschen. Dabei schwankt der Film mehr zwischen politischem Drama und Romanze als zwischen Action und Spionagethriller. Dafür ist die Ausgangsgeschichte wahrscheinlich in Großbritannien zu bekannt, denn Das Geheimnis eines Lebens basiert lose auf dem Leben der realen Spionin Melita Norwood, die als Sekretärin geheime Dokumente des britischen Atomwaffenprogramms an den KGB weitergab und deren Tätigkeit erst in den 90ern publik wurde, jedoch ohne strafrechtliche Konsequenzen. Immerhin war diese Geschichte für Jennie Rooney 2014 Inspiration für einen Roman, den Nunn mit Red Joan (so der Originaltitel) filmisch adaptierte.

Die Komplexität der Melita Norwood mit ihren wahren Motiven und ihrer überzeugten kommunistischen Gesinnung unterschlägt der Film zugunsten einer viel simpleren Motivation, die im Kern zwar gleich bleibt, sich aber einfacherer Erklärungsansätze bedient, um die Sympathie mit der Hauptfigur nicht zu verspielen. Dadurch schwächt sich jedoch die Figur Joan Stanley deutlich ab. Es fehlt dem Film indes nicht nur an der Vielschichtigkeit seiner Protagonistin, sondern eben auch am Spannungsaufbau. Der Akt der Spionage wirkt hier äußerst simpel. Es gibt nie den spannungsgeladenen Moment, in dem die ganze Aktion aufzufliegen droht. Der Schwerpunkt der Handlung liegt nicht beim „wie“, sondern beim „warum“. Das ist grundsätzlich auch gut gedacht, doch dafür bleiben die Figuren ziemlich oberflächlich und der Sprung zwischen den Zeitebenen wirkt manchmal zu gewollt. Während die ältere Joan (Judi Dench) ruhig und gelassen ihre Lebensgeschichte erzählt, wechselt der Film in die Rückblende, um dem Publikum diese Erzählung näherzubringen. Die Inszenierung ist solide, doch eher konventionell und ohne wirkliche Dynamik zwischen Gegenwart und Vergangenheit.

Die Handlungsstränge wirken nicht richtig aufeinander abgestimmt, denn mehrmals erscheint die Einbeziehung der Gegenwart, als würde sie den Fluss der Handlung bremsen, anstatt ihn zu fördern. Daran ist aber keinesfalls Judi Dench schuld, die hier gewohnt souverän auftritt und ihrer Figur Würde, Stärke und Ambivalenz verleiht, jedoch nicht allzu viele Möglichkeiten hat, sich in ihrer Rolle vollends zu entfalten. Sophie Cookson (Kingsman - The Golden Circle) als junge Joan kann daran nicht ganz heranreichen, es passt aber zu ihrer Rolle, da die junge Joan diese Charaktereigenschaften noch nicht derart ausgeprägt hat und eher verunsichert erscheint. Als junge Frau, die ihren Platz in einer von Männern dominierten Welt in Wissenschaft, Politik und Studentenbewegungen zu suchen scheint, kann Cookson letztendlich überzeugen, denn die Schwächen ihrer Figur liegen eher im Drehbuch als in ihrem Schauspiel. Der Film will eine starke Frauenpersönlichkeit kreieren, verliert sich dann jedoch in romantischen Verwicklungen und lässt die Frauen wiederum als durch den Mann manipulierbar wirken.

Joan als Wissenschaftlerin darzustellen, ist vielleicht die beste Abweichung vom Leben der Melita Norwood. Damit werden die Frauen gewürdigt, die schon seit Jahrzehnten genauso große Beiträge in der Wissenschaft leisten. Nunn schafft es, geschickt zugleich die damit verbundenen Probleme zu benennen, denn obwohl Joan Teil des Teams ist, das an der Entwicklung der Atombombe arbeitet, sind es immer wieder Männer, die ihren Beitrag darauf reduzieren wollen, dass sie Kaffee kochen und tippen soll. Die Figur der Joan wächst jedoch daran und entwickelt dadurch Stärke, indem sie den Männern Paroli bietet. Anderseits ist es mit dem aus Deutschland geflohenen russischstämmigen Juden Leo (Tom Hughes, Infinite - Lebe unendlich) gerade ein Mann, der ihren politischen Aktivismus entfacht und sie so manipulierbar macht. Zwar spielt Leos Cousine Sonya (Tereza Srbova, Tintenherz) ebenso eine Rolle, doch leitend ist stets Leo. Schuld an allem ist natürlich die Liebe, die in Das Geheimnis eines Lebens eine zu große Rolle einnimmt. Die romantische Beziehung hat zu viel Gewicht, vor allem wenn man spätere Begründungen betrachtet, die der Film für Joans Geheimnisverrat liefert. Der Film wirkt dadurch etwas inkonsequent und driftet in ein klischeehaftes Rollenbild ab, wodurch die eigentliche Thematik zugleich etwas zu sehr in den Hintergrund rückt.

Fazit

„Das Geheimnis eine Lebens“ ist ein solides Drama mit einer interessanten Hintergrundgeschichte, aus der der Film leider zu wenig macht. Statt den Fokus mehr auf die eigentliche Spionagetätigkeit zu legen, verstrickt sich der Film in einem romantischen Liebesgeflecht und macht dadurch aus einer eigentlich starken Frauenfigur, eine von Männern manipulierte Marionette. Leider ist der Film in seiner Figurenzeichnung nicht immer konsequent und vereinfacht den historischen Kontext. Dafür überzeugt „Das Geheimnis eines Lebens“ mit einer starken schauspielerischen Leistung von Judi Dench und Sophie Cookson. Trotz einiger Längen weiß der Film dennoch zu unterhalten und liefert letztendlich immer noch interessante historische Einblicke rund um den Wettlauf zur Atombombe und in die gesellschaftlichen Strukturen der damaligen Zeit, in dem gezeigt wird, dass das kommunistische Weltbild weiter verbreitet war, als man denken würde.

Kritik: Andy Mieland

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