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Inhalt

Fiona, Bibliothekarin aus Kanada, landet in Paris, um ihrer alten Tante zu Hilfe zu kommen. Aber Fiona verläuft sich und Tante Martha versteckt sich, weil sie nicht ins Altenheim will. Das ist der Beginn einer Verfolgungsjagd in Paris, zu der sich Dom einlädt, ein egoistischer Obdachloser, ebenso verführerisch wie aufdringlich...

Kritik

Schaut man sich das Cover von Barfuß in Paris an, bekommt man ein seltsam nostalgisches Gefühl, man fühlt sich hier an etwas erinnert, ohne es recht zuordnen zu können. Schaut man sich den Film an, dann wird man dieses Gefühl nicht los und hat es vor allem in den rhythmischen und musikalischen Szenen immer wieder. Das ist sicherlich kein Zufall und hat damit zu tun, dass Dominique Abel (Rumba) und Fiona Gordon (Die Fee) sich hier auf die Beginne des Slapstick- Kinos berufen, beide sehr viel von Tanz verstehen und regelmäßig Charlie Chaplin (Der große Diktator) und Co zitieren bzw. referieren. Das Besondere daran ist, dass diese scheinbar riesengroße Hommage nicht zum Gegenstand des Filmes gemacht wird, sondern ganz charmant am Rande als Werkzeug aufgegriffen wird. Dadurch erscheint dieses Zitieren so subtil und auch innovativ. Man weiß, man hat es schon mal irgendwo gesehen, man weiß aber im ersten Moment nicht wo.

Neben dieser handwerklichen Eigenwilligkeit ist es vor allem das Verhältnis von Lokalität und Subjekt, das hier in den Mittelpunkt gerückt wird. Wir sehen hier die dörfliche Idylle- ganz im Sinne der Biedermeier- als privaten und isolierten Ort. Und auf der anderen Seite sehen wir Paris, eine pulsierende Großstadt, in der man gerne schnell in Anonymität versinkt, an jeder Ecke etwas Neues entdecken und auch wieder verlieren kann. Diesem Kontrast aus Idylle und Schnelllebigkeit fühlt sich nun Fiona (Fiona Gordon) ausgesetzt. Während das idyllische Dorf in verschneiten Aufnahmen von Oben sehr geordnet und mit seinen Anreihungen von Häusern sehr steif wirkt, erscheint die Großstadt einen Eigencharakter, einen eigenen Willen zu haben. Rainer Maria Rilkes Beschreibung „Die Städte aber wollen nur Ihre(…)“ aus dem gleichnamigen Gedicht erscheint vor allem mit in der nächsten Zeile mit dem Zusatz „(…)und reißen alles mit in ihren Lauf“ sehr passend für die Irrungen, in denen sich die Protagonistin befindet.

Eine Stadt unterscheidet sich nicht nur strukturell und evident in Größe und Anwohnerzahl von einem Dorf, sondern auch vom Geiste. Hier scheint man die Idylle nahezu zu scheuen, hier bleibt man der Ruhe zwischen ständigem Konsum, dauerhafter Erreichbar- und Vernetzbarkeit und ständiger Anonymität entfliehen zu wollen. Dadurch entwickelt die Stadt eine Eigendynamik, die durch einen allgemeinen gesellschaftlichen Konsens erzeugt wird. Sie wird zum Selbstläufer und hatte die Gesellschaft gerade in der Bildung solcher Ballungszentren immer vor Augen, das Erreichen eigener Ziele zu erleichtern, erscheint es nahezu ironisch dass sich Fiona und Martha, die hier wunderbar von Emmanuelle Riva (Liebe) dargestellt wird, stets verfehlen. Die Stadt wird zum Schauplatz von Missverständnissen und Skurrilitäten, aber auch von Leidenschaft und Rhythmus.

Diese Eigendynamik der Stadt wird durch eigenwillige Charaktere, die keinem Muster entsprechen, untermauert. Das Subjekt wird zum Produkt des zum Subjekt avancierenden Objekts. Und so ist es kein Wunder, dass die Charaktere an einem skurrilen Ort scheinbar immer skurrilere Dinge tun. Für dieses hin und her aus Aufregung und Einsamkeit innerhalb der Stadt findet der Film ausgezeichnete Bilder, schafft großartige Momente, die man so schon lange nicht mehr in dieser Form bewundern durfte. Wenn Fiona und Dom tanzen, dann hat man das Gefühl man spürt ihn, den pulsierenden Herzschlag der Großstadt. Und auch die scheinbar weniger musikalischen Momente werden per Rhythmus und der Dynamik der Bewegungen so arrangiert, dass wieder eine gewisse Musikalität entsteht.

Musik gewinnt ihren Reiz durch das Verklingen des Tons, durch die Endlichkeit des Moments. Schon der brillante Autor Gabriel Garcia Marquez, der sich in seinen Werken oftmals mit der Vergänglichkeit befasste, erkannte: „Die Liebe währt so lange, wie sie andauert“. Und ähnliches lehrt uns der Film auch über das Leben, das sich hier zwischen Skurrilitäten und Irrungen abspielt und in dem der Moment als solcher in seiner Endlichkeit von immenser Bedeutung erscheint, einen Reiz den der Film vor allem der Stadt zuspricht, dem Ort der zuerst so schrecklich gnadenlos erscheint. In diesem Sinne könnte man diesen Film, der die Leidenschaft aus vielen Momenten herauskitzelt,  zusprechen dass er ähnliches mit dem Motiv der Großstadt tut: Er erkennt die Schwächen, er erkennt die Probleme und trotzdem ist er am Ende eine Liebeserklärung.

Fazit

„Barfuß in Paris“ ist eine künstlerisch sehr einladende, musikalische und leidenschaftliche Liebeserklärung an die Großstadt und all ihre Skurrilitäten und Sonderheiten, die kräftige und einprägsame Bilder wie rhythmische Momente kreiert und den Zuschauer dadurch in ihren Bann zieht.

Autor: Maximilian K

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