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1999: Der 67-jährige Trond (Stellan Skarsgård) zieht in ein abgelegenes Haus im Wald, wo er den Tod seiner Frau betrauern kann. Die Idylle des Ländlichen wird gestört, als zufällig ein Nachbar auf den Plan tritt, dem er einst im schicksalshaften Sommer des Jahres 1948 begegnete...

Kritik

Wenn auf der Leinwand im Berlinale Palast wackere Burschen Bäume fällen, mit der Flinte Tiere abknallen, in reißende Flüsse springen, in Winterkälte in ungeheizten Holzhütten schlafen, selbst geangelten Fisch essen, notgeil auf Frauenschenkel starren, davon feuchte Träume kriegen, brütend auf malerische Lichtungen spähen, aufgewühlt durchs Dickicht rennen und stolz vor ihre eigene Haustür pinkeln als wäre dort austreten ein göttlicher Akt der Naturverbundenheit, dann ist das hoffentlich das letzte Mal. Möge nach dem Wechsel der Festivalleitung endlich Schluss sein mit altväterlicher Archaik, hölzernen Hymnen auf die Herren der Schöpfung und patriarchalischem Pathos wie in Hans Petter Molands (Hard Powder) filmischer Mythos von Mannwerdung.

Der lässt kein Klischee aus, weder auf visueller Ebene noch sprachlicher. Reden echte Kerle denn? Nicht untereinander, da wird stattdessen animalisch gebrüllt, bedrohlich geschnauft oder beredt geschwiegen. Letztes ist kein Oxymoron, denn ein echt er Kerl wie der ergraute Trond (Stellan Skarsgard, Dune) kann beim Schnee schaufeln einen halben Roman von Per Petterson aus dem Off quatschen. Hintergrundgerede als fader Ersatz einer organischen Handlung, dazu melodramatische Musik, während Protagonisten ins Blaue gucken und die Kamera adrette Katalogbilder abspult: das gab es schon zu Genüge in By the Grace of God. Doch die schwerfällige Literaturverfilmung wuchert statt mit Skandalthemen bloß mit restaurativer Romantisierung.

Protagonistinnen existieren nur am Rand des dramaturgischen Kosmos als Mutter oder Lustobjekt. Die einzige relevante weibliche Figur (Danica Curcic, Guldkysten) - Geliebte von Tronds Vater (Tobias Santelmann, Point Break), jedoch Gattin dessen Freundes - steht auf einer Stufe mit den titelgebenden Pferden, welche der junge Trond (Jon Ranes) und sein Kumpel „stehlen oder nicht wirklich stehen, nur reiten“. Zu diesem erniedrigenden Menschenbild passt, dass Moland Tronds Gleichgültigkeit über den durch ihn verschuldeten Tod seiner Frau als Stärke schätzt. „Du entscheidest, ob es weh tut“, zitiert der greise Hauptcharakter die Lebensweisheit seines Vaters. Viel filmisches Gewese für einen dummen gestrigen Kindergartenspruch: Ein Indianer kennt keinen Schmerz.

Fazit

Edelkitsch ohne Ende ergießt sich für zwei einschläfernde Stunden in einen Wettbewerb, der solch reaktionäre Plattitüden nicht nötig haben sollte. Ein dünnes Histörchen dient als Rechtfertigung eines zwei Generationen überspannenden Bilderbogens. Dessen Faible für nordische Natur ist ein plumpes Ablenkungsmanöver von der seichten Dramaturgie und den platten Charakteren. Reelle Konflikte fabriziert nicht einmal eine Cameo der Nazi-Besatzer - sowieso alles Luschen gegen einen Skandi-Holzfäller. Hätte Moland doch einfach einen IMAX-Naturfilm mit Skarsgard als Sprecher gedreht statt ihn vor Waldgrün ein Hörbuch runterbeten zu lassen.

Autor: Lida Bach

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