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Eine Serie von Mordfällen erschüttert Ostfriesland. Die mit äußerster Brutalität getöteten Opfer führen Hauptkommissarin Ann Kathrin Klaasen und ihre Kollegen Weller und Rupert zum Regenbogenverein, der sich um behinderte Menschen kümmert. Die Nerven der Mitarbeiter liegen blank, als ein weiterer Mord geschieht. Für Ann Kathrin Klaasen wird dieser Fall zu einer großen beruflichen wie menschlichen Bewährungsprobe.

Kritik

Im Falle eines Titels wie Ostfriesenkiller – und dann noch produziert vom ZDF – sind die Vorurteile nun wahrlich nicht weit. Kein Wunder, ist es doch gerade der ZDF (sowie andere deutsche TV-Produktionen) der jedweden Glauben an gute Inszenierungen und Geschichten über Jahre hinweg hat verblassen lassen – von den klischeehaften Märchen ganz zu schweigen. Und dennoch: Ostfriesenkiller, basierend auf dem Bestseller-Krimi von Klaus-Peter Wolf, ist etwas Eigen. Nicht wirklich eine Innovation, doch gemessen am Genre weit näher an den spannenden, düsteren, eindringlichen wie berührenden internationalen Krimis als zuvor. So erschafft Regisseur Sven Bohse (Ku'damm 56, Ku'damm 59) mit der Hilfe von Autor Florian Schumacher ein finsteres TV-Abenteuer, welches zwischen malerischer wie melancholischer Ostfriesen-Kulisse und gelungenen Charakteren hin und herwechselt. Gerade letztere sind es dann, die aus dem Spiel zwischen Sex, Macht und Mord eine spannende Reise in ein ungewöhnliches Setting bescheren. Wenn zu Beginn Hauptkommissarin Ann Kathrin Klaasen ihrer Intuition freien Lauf lässt und sich gegen alle Konventionen stellt, gibt es einen richtigen Lichtblick für das deutsche Fernsehen.

„Hier, genau hier, spüre ich ganz deutlich, dass etwas nicht stimmt.“

Ostfriesenkiller hat indes zwar klare Highlights: Zum einen seine tollen Kulissen, die von Sven Bohse sehr kühl, distanziert und gerade daher sehr atemberaubend inszeniert werden, zum anderen die Charaktere, die aus dem Roman von Klaus-Peter Wolf gekonnt übertragen worden sind. Gerade Hauptkommissarin Ann Kathrin Klaasen – hervorragend ambivalent und zweifelnd von Christiane Paul dargestellt – entfaltet eine tiefe Facette gebunden in Zwängen und Ängsten, die sich dann auf die komplette Verfilmung übertragen. Auf der anderen Seite gibt es dann mit Sylvia (fantastisch von Svenja Jung gespielt) einen sehr guten Gegenpart, der den Zuschauer auf Trab hält. Der Rest ist dann zwar gewohnte Krimi-Kost, wird aber mit vielen kleinen Ideen aufgebaut, sodass sich Ostfriesenkiller gegenüber Genre-Kollegen nicht zu verstecken braucht. Und dennoch: Etwas Fernsehfilm bleibt dann eben doch übrig, wobei dies vor allem einige Dialoge sowie Nebencharaktere trifft. Etwas mehr Feinschliff hätte hier nicht geschadet.

Die traumhaften, melancholischen wie auch sehr düsteren Bilder brennen sich allerdings ins Gedächtnis. Und spätestens wenn Ann Kathrin Klaasens Welt vollkommen aus den Fugen bricht – Zweifel, Visionen aus der Vergangenheit und eine zerbrochene Familie – leidet der Zuschauer mit und wird so in die Geschichte geworfen. Während sich so ein finsteres Bild eröffnet, ist gerade das Finale mit einer emotionalen Wucht ausgestattet, die zeigt, dass noch lange nicht alles im Bereich der deutschen Krimis erzählt ist und noch Hoffnung besteht. Selten war Ostfriesland so mitreißend und fesselnd wie hier.

Fazit

"Ostfriesenkiller" ist überraschend finster, tiefgreifend, Charakterstark und vor allem traurig-schön. Wer hätte gedacht das deutsches TV-Fernsehen dazu in der Lage ist und sogar auf internationales Niveau rutscht. Einige Kleinigkeiten bleiben zwar übrig, aber dieser Ausflug in den Norden Deutschlands lohnt tatsächlich. Für Krimi-Fans eine klare Empfehlung.

Autor: Thomas Repenning

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