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Inhalt

Zac und Eva haben eine besondere Fähigkeit. Sie können sich mit unglaublicher Geschwindigkeit von einem Ort zum Nächsten befördern – den realen Raum mit ihren Kräften durchbrechen. Wenn sie einen ihrer Sprünge machen, tauchen sie meterweit entfernt wieder auf und lassen nichts zurück als ein kleines Wölkchen Staub. Vielleicht umringt ja deshalb eine meterhohe Holzwand die Farm, auf der sie mit ihren Eltern leben – abgeschottet vom Rest der Welt. Der Vater besteht darauf, dass die Barriere dazu dient, Fremde fernzuhalten. Doch die Angst und das Misstrauen in die Fähigkeiten seiner Kinder kann er kaum verbergen. In diesem Zuhause müssen Zac und Eva sich ducken und dürfen nicht akzeptieren, was zu ihnen gehört. Als die seltsamen Anfälle ihrer Mutter schlimmer werden, wächst der kleinen Familie die Situation über den Kopf. Besonders Eva fühlt sich immer mehr wie eine Gefangene und ist nicht bereit, länger zu verleugnen wer sie ist.

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Kritik

Das Modell eines ruhigen, besonnenen und charakterfixierten Superheldenfilms ist gerade in Zeiten von überbordenden Comicproduktionen ein angenehmes und interessantes Konzept. Ausnahmsweise liegt das Augenmerk mal nicht auf den großen Explosionen, den witzigen One-Linern oder der Möglichkeit auf Fortsetzung, sondern auf einer eigenen, kleinen Geschichte, die sich beliebig und vollkommen autark von all dem Franchisewahn unserer Zeit entwickeln kann. Genau so ein Film ist „One and Two“. Zumindest vom Modell und der Idee her. Ein Film, der zwei Geschwister in eine von der Welt abgeschottete Familie wirft, welche sich vor den unerklärlichen Kräften des Geschwisterpaares fürchtet und diese daher mit allen Mitteln vom Rest der Welt trennen will. „One and Two“ nimmt sich allein von der Grundidee also komplexen und im Superheldenkontext extrem interessanten Fragen nach Freiheit, Andersartigkeit und Überwindung der eigenen Ängste an.

Und gerade in technischer Hinsicht funktioniert das wunderbar. Regisseur Andrew Droz Palermo, der sein Geld bis dato vor allem mit Naturdokumentationen verdiente, beweist bei „One and Two“ ein äußerst begabtes Regiehändchen. Die Landschaften um die Farm, die Farm selbst, die Außenwelt, all das wurde mit so einem guten Auge für Ästhetik und Bildgewalt eingefangen, dass man sich als Zuschauer teils in die Welten des Films einfach fallen lassen kann. Die Cinematographie dieses Films kommt wunderschön, immersiv und packend daher, ebenso wie die Darsteller, die allesamt einen guten Job machen. Bekanntester aus der Reihe ist vermutlich der Almost-Spiderman Timothée Chalamet („Interstellar“), es soll hier aber vor allem Grant Bowler ("400 Days") gelobt werden, der die Zerrissenheit seiner Figur zwischen Angst und Autorität wirklich packend überträgt.

Vom Grundsatz her besitzt „One and Two“ also sämtliche Versatzstücke eines faszinierenden, charakterbasierten Ausfluges in die Origin-Story zweier Superhelden, leider versagt der Film beim Erzählen seiner Geschichte aber immens. Und das ist ausgesprochen schade, eröffnen sich dem Drehbuch doch im Fortlauf des Films immer wieder Möglichkeiten um Möglichkeiten, die Geschichte in verschiedenste, allesamt interessante Gefilde vordringen zu lassen. Doch keine dieser Gelegenheiten wird genutzt. Palermo schien es hier am Wichtigsten zu sein, die Liebe und die Verbindung zwischen den Geschwistern auszuformulieren, was grundsätzlich kein schlechter Ausgangspunkt ist, in der Form, wie der Film diese Geschichte aber darstellt, keine 90 Minuten tragen kann. Nach ungefähr einer Stunde begeht der Film dann den langersehnten Bruch, nutzt aber auch diesen in keinster Weise aus, sondern formt ihn zum unnötigen inhaltlichen Zweckmittel, welches nur leidsam unterstreicht, wie viel Potenzial dieser Film in seiner Laufzeit verschwendet.

So degradiert sich „One and Two“ als Film voller interessanter und komplexer Ansätzen zu einer neunzigminütigen, schicken Oberfläche ohne echte Aussage an ihrem Ende. Da wird sogar der Einsatz der Superkräfte letztlich nur als Zweckmittel genutzt und für die eigentliche Geschichte beinahe obsolet. Themen wie Andersartigkeit und der Wunsch nach Freiheit, die zu Beginn noch vielversprechend angedeutet wurden, lässt der Film unausgesprochen links liegen. Es ist dabei fast bewundernswert wie konsequent es „One and Two“ schafft all seine interessanten Momente zu umschiffen, um am Ende so trivial zu enden, wie man es am Beginn des Films wirklich nicht vermutet hätte. Zudem verliert sich Palermo mit fortlaufender Spielzeit einfach zu sehr in seinen schönen Bildern, wodurch seine Charaktere einfach keinen echten Mehrwert erfahren und trotz diverser Mono- und Dialoge blasse Oberflächen bleiben. Wie der ganze Film, der sich ausgesprochen schön und packend präsentiert, in seinem Inneren aber einfach keinerlei Tiefe offenbart und so in seinen nur 90 Minuten ein ums andere Mal heftigst an den Nerven zerrt.

Fazit

Ein perfektes Beispiel für ungenutztes Potenzial. Zwar inszeniert Regisseur Andrew Droz Palermo sein Superheldendrama „One and Two“ ausgesprochen schön, mit einem bemerkenswerten Auge für packende Landschaftsaufnahmen, allerdings kann die Geschichte um zwei von der Welt abgeschottete, aber mit besonderen Fähigkeiten ausgestattete Geschwister zu keiner Zeit wirklich überzeugen oder mitreißen. Da werden zu Beginn im Minutentakt interessante Themen wie Andersartigkeit oder der Frage nach Freiheit angedeutet, nur damit sie am Ende keinerlei Tiefgang oder Diskussion erfahren und unheimlich trivial enden. „One and Two“ besitzt, in Zeiten des lauten und franchiseübergreifenden Superheldenfilms, mit seiner besonnenen und komplexen Herangehensweise durchaus eine mehr als bewundernswerte Motivation, ausnutzen kann er diese aber zu keiner Zeit.

Autor: Thomas Söcker

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