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Elia Kazans Film ist ein sozialkritischer Gangsterkrimi über einen ehemaligen Boxer, der sich den korrupten Machenschaften innerhalb einer Gewerkschaftsszene stellt.
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Kritik

„Heule mit den Wölfen. Das ist die einzige Methode um sich durchzusetzen.“

Über einen der meist besprochenen und bis in die ewig gleichen (da relevanten) Details sezierten Filme erneut seinen Senf dazuzugeben scheint teils überflüssig wie ein wenig mühselig, denn was ließe sich noch über Die Faust im Nacken mehr sagen als bisher geschehen? Tatsächlich wenig bis nichts. Dennoch kann es nie überflüssig sein, ein schon seiner Zeit in den achtfachen Oscarhimmel erhobenes und nicht nur deshalb auch heute noch im Filmolymp beheimatetes Werk kritisch zu hinterfragen und auf seine allgemein bescheinigte Brillanz zu überprüfen. Und dies kann gelegentlich auch unbefangenen Raum bieten, um nicht alles als unantastbares, makelloses Kulturgut zu betrachten. Auch wenn es für manchen der Blasphemie gleich kommt. Womit wir mitten drin wären in dem vorsichtigen Kratzen an dem heiligen Gral und gleichzeitig dem leicht aufdringlichen, religiösen Kontext, der so bleiern über ihm schwebt wie die private Vergangenheitsaufarbeitung über Elia Kazan (Jenseits von Eden).

Während der paranoiden Kommunisten-Hexenjagd der McCarthy-Ära wurde Kazan selbst zum Denunzianten, lieferte Kollegen und Freunde ans Messer. Eine beschämende Last, die er mit diesem im Kern klassischen Schuld-und-Sühne-Geschichte vor der Kulisse eines für das damalige Wohlfühl-Hollywood ungewöhnlich sozialkritischen Dramas aufarbeitet, stilistisch sichtlich orientiert am reiferen, europäischen Film. Mit dem natürlichen, leichten Hang zur Theatralik, gleichzeitig (und in der gekonnten Form) nicht zwingend widersprüchlich, über die meiste Zeit erdrückend realistisch und pessimistisch schildert Kazan den hoffnungslosen Alltag der kleinen Tagelöhner, die sich im Klammergriff von mafiösen Strukturen der angeblich schützenden Gewerkschaft befinden. Organisiertes Verbrechen einer ursprünglichen Arbeiterorganisation, die in den falschen Händen zur Goldgrube nach oben und menschenunwürdiger Sklaven-Tretmühle nach unten wird. Als herumgeschubstes, blind-funktionierendes und schon lange vorher manipuliertes Zahnrad fungiert Terry Malloy (Marlon Brando, Endstation Sehnsucht), der als Bruder der rechten Hand des Capos (Lee J. Cobb, Die Zwölf Geschworenen) nur gering besser gestellt scheint. Auch er ist nur einer von vielen Dock-Knechten, der für Sonderleistungen mal ein kurzlebiges Privileg genießen darf.

So lockt er mit naiver Gutgläubigkeit ungewollt einen Freund in eine tödliche Falle und darf dafür bei der nächsten, geschmierten Job-Lotterie entspannt die Füße hochlegen. Abgestumpft ist der gerade mal so mit zweckdienlicher Bauernschläue gesegnete Prügelknabe längst, hat für seinen gerissenen Bruder (Rod Steiger, In der Hitze der Nacht) schon seine vielversprechende Karriere als Boxer unnötig und blauäugig begraben. Nun ist er eine Null, die nicht nur absichtlich auf die Bretter geht, sondern an einem Mord beteiligt ist und ihn stillschweigend deckt. Die aufkeimende Liebe zu einer angehenden Nonne, dem personifizierten Unschuldsengel in einer verdorbenen Welt (Eva Marie Saint, Der unsichtbare Dritte) und der Ansporn eines kämpfenden, rechtschaffenden Priesters (großartig: Karl Malden, Cincinnati Kid) lässt ihn sehen, die längst überfällige Aussprache (und deren Folge) mit seinem Bruder aufbegehren. Und ein Tabu brechen, was ihm zum Aussätzigen und gleichzeitig Märtyrer macht. Er opfert sich für sein Volk, es wird ihm nicht gedankt und er mit Verachtung gestraft, doch als er nicht auch noch die andere Wange hinhält folgt ihm seine Herde doch noch auf seinem Kreuzweg. Die älteste Geschichte der Welt und ganz nebenbei die reumütige Abbitte des Regisseurs mit Happyend? Ja, irgendwie schon und irgendwie nicht sonderlich subtil.

Die Symbolik von Die Faust im Nacken ist (über)verständlich, mit der Tendenz zur Penetranz. Aber sie ist effektiv. Wie das Spiel von Marlon Brando. Wie so oft in seiner Karriere lässt sich eine pfauengleiche, leicht arrogant wirkende Selbstdarstellung kaum verkennen, das gleicht er dafür mit einer unvergleichbaren Präsenz aus und vermag dieses ihm eigene, kurz gewöhnungsbedürftige Spiel gar in eine Stärke verwandeln. Denn es ist ein Teil der Rolle, was im ersten Moment nicht unbedingt so erscheint. Diese protzige, über Gebühr selbstbewusste Schale zerbröckelt zu einem ganz weichen, sensiblen Kern und erst dann kristallisiert sich richtig heraus, was für einer augenscheinlich primitiven und eigentlich nur gebogenen bis fast gebrochenen Figur er eine ganz individuelle Note verleiht. Schleichend-beeindruckend, gerade deshalb. Das beschreibt den Film allgemein recht gut. Es ist großes Kino mit Leib und Seele. Wuchtig, wichtig, aber auch stellenweise überfrachtet, einen Hauch zu prätentiös zu Kreuze kriechend.  Unabhängig davon enorm packend.

Fazit

Etwas zu überfrachtet und pathetisch, trotzdem lässt sich Die Faust im Nacken seine Qualität nicht aberkennen. Mit individuell herausragenden Leistungen - vor wie hinter der Kamera - und einer extrem kraftvollen Inszenierung ist er ein bemerkenswertes, zeitloses Stück Filmgeschichte.

Autor: Jacko Kunze

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