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8. Jahrhundert in China: Nie wurde als Kind ihrer Familie genommen und arbeitet heute als Killerin für eine Nonne, die sie immer wieder auf korrupte Machthaber ansetzt. Als sie auf ihren ehemaligen Adoptivbruder angesetzt wird, widersetzt sie sich zum ersten Mal ihrer Bestimmung.

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Der taiwanische Filmemacher Hsiao-hsien Hou ist seit längerem kein Unbekannter mehr, produziert er seine Filme doch oft in Europa und greift auf den großen Festivals auch immer wieder die großen Preise ab. Ende der 80er gab es in Venedig den Hauptpreis für „Eine Stadt der Traurigkeit“, 2015 gab es den Preis für die Beste Regie für „The Assassin“. Der Film selbst hat enorm polarisiert, Kritiker sowie Publikum sind sich einig, dass sie sich uneinig sind. Während man immer wieder negative, gar verärgerte und ächtende Stimmen hört, feiert die andere Seite den Film als modernes, meditatives Meisterwerk. Top oder Flop, Kunst oder Blödsinn. Diese Kritik wird sich irgendwo dazwischen einsortieren.

Die neueste Arbeit von Hsiao-hsien hat nämlich enorm viele Stärken, kann sich aber auch einiger Schwächen nicht erwehren. Leider sind dies Schwächen, die das Schreiben einer Kritik nicht erleichtern, weil sie nur schwer zu fassen sind. Anders als die Stärken, die dem Zuschauer direkt als erstes auffallen dürften, weil sie die oberste Schicht des Werkes sind; die Bilder. Die schiere Schönheit, die Hsiao-hsien mit seinem langjährigen Kameramann Mark Lee Ping Bin hier auf das 35mm-Filmmaterial bannt, sie verschlägt den Atem. Das fängt an, wenn der Film zunächst die Ausgangssituation von Nie (wunderbar: Shu Qi) erzählt. Im achten Jahrhundert ist Nie eine Killerin für eine Nonne, von der sie auf korrupte Machthaber angesetzt wird. Sie setzt sich quasi für Gerechtigkeit und Ordnung ein, für das Gute also, und tut soll das aber immer wieder auf die schrecklichste Art und Weise machen. Indem sie nicht nur die Schuldigen tötet, sondern auch alle, die ihnen nahestehen.

In den ersten Minuten noch wird der Zuschauer Zeuge einer dieser sanften Morde werden. Nie springt in einer stillen, blitzschnellen und fast schon tänzerischen Geste hoch und schneidet einem Herren zu Pferde die Kehle durch, wonach sie zurück zum Boden schwebt. Das geschieht so seltsam unschuldig, dass der Zuschauer und das Opfer des Angriffs selbst wohl von der Tat recht wenig mitbekommen. Erst, als der Körper des Mannes Sekunden später leblos vom Pferd kippt, bekommt man Gewissheit. Das Menschenwesen, das durch die Natur schwebt, hat erneut ein Leben beendet. Hsiao-hsien nimmt sich hier dem chinesischen Wuxia-Genre an und behandelt es ganz anders, als der geneigte Zuschauer erwarten würde. Dabei stellt er es nicht auf den Kopf, nein, er beruhigt es und legt es sanft - so scheint es - wieder in seine Ausgangsposition zurück. Wuxia ist eine Filmrichtung, die sich mit traditionellen Martial Arts-Kämpfern auseinandersetzt, die übernatürliche Kräfte haben und ehrenvolle Kämpfe bestreiten. Im Kern trifft das auch auf „The Assassin“ zu, auch wenn der Film anders wirken mag.

Das Wuxia-Genre ereilte in letzter Zeit, so scheint es, von dem gleichen Schicksal ereilt, wie im Westen die Superheldenfilme. Größer, spektakulärer und aggressiver musste es werden, „The Assassin“ stemmt sich ganz entspannt dagegen und bremst das Genre gepflegt aus. Das wird auf Missmut und -verständnis treffen (die verärgerten Stimmen beziehen sich stets auf die Langatmigkeit des Films), wobei eines vergessen wird; der Ursprung des Genres. Der Begriff Wuxia setzt sich aus zwei Wörtern zusammen und ist mit „bewaffneter Held“ zu übersetzen. Die Filme suchen, finden und zeigen die Schönheit im Grausamen, die Kunst der Gewalt, die Ehre in der Annahme von Verantwortung. Sie sind im besten Fall ein faszinierendes Zeugnis der asiatischen Kultur.

In den rar gesäten Kampfszenen, die immer einen narrativen Zweck befolgen, findet sich der Zuschauer dann in Augenblicken wieder, in der jegliche Wert- und Ehrlosigkeit vergessen wird. Wenn man in einer einsamen Welt für die Liebe kämpft und stirbt, wenn man sich in einem Birkenwald zum Todeskampf trifft und der Kampf selbst aus Respekt wortlos bestritten wir. Wenn der Verlierer seine Niederlage akzeptiert, obwohl er noch ein paar letzte Atemzüge hat - dann wird hier deutlich, dass der Tod noch zurecht als letzte Ruhe bezeichnet wird. Hier gibt es die friedvolle Stille, die so wenigen vergönnt ist. Gerade in diesen Momenten entfaltet sich „The Assassin“ zu einem kraftvollen Film, der eben wegen seiner Ruhe es schafft, den Zuschauer komplett zu fesseln.

Wenn Nie schließlich auf ihren Adoptivbruder und ehemals Verlobten angesetzt wird, dann schlägt die Geschichte eine Richtung ein, die sich mit dem eben erwähnten sehr schön ergänzt. Es geht dann nicht nur um den Tod, sondern vor allem auch um die Liebe und Ewigkeit, sowie um Auferstehung und um die eigene Vergangenheit. Eine Vergangenheit, die die Charaktere einholt und wie ein vergessener Traum im tiefsten und dunkelsten Platz des menschlichen Gedächtnisses auf seinen Einsatz gewartet hat. Das Auseinandersetzen mit der Vergangenheit wird dann zu der Verantwortung, die die Figuren auf sich nehmen, um im finalen Kampfe gereinigt antreten zu können.

Fazit

In schwarzweiß erzählt Hsiao-hsien Hou die kurze Vorgeschichte von Nie und wechselt dann zur Farbe, wenn die Sonne in prachtvoller Schönheit untergeht und den Himmel blutrot erleuchten lässt. Beinahe durch den ganzen Film zieht sich der pulsierende Klang von Trommeln, die dem Film gleichzeitig zu einer meditativen Ruhe verhelfen und eine kriselnde Spannung einführen. Das ist dringend nötig, ist doch nicht zu unterschätzen, wie langsam dieser Film geraten ist. Langsam, aber stark durchkomponiert und stets ein Bonbon für die Augen. Ganz nebenbei ist „The Assassin“ noch ein Film, der herrlich frei für verschiedene Interpretationsansätze ist, die gar nicht an die Zeit der Handlung gebunden sind. Ein Film der ruhigen Töne, langsamen Bewegungen und kunstvollen Kämpfe. Eine reinigende Filmerfahrung.

Autor: Levin Günther

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