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Inhalt

Der Dokumentarfilm "National Bird" begleitet Menschen, die entschlossen sind, das Schweigen über eine der umstrittensten militärischen Maßnahmen der jüngeren Zeit zu brechen: Den geheimen Drohnenkrieg der USA. Im Zentrum des Films stehen drei Kriegsveteranen der US-Air-Force, die in unterschiedlichen Funktionen selbst an diesem Krieg beteiligt waren. Ihre Mitschuld an der Tötung Unbekannter - und möglicherweise Unschuldiger - auf weit entfernten Kriegsschauplätzen lässt sie nicht zur Ruhe kommen. Schließlich gehen sie an die Öffentlichkeit - ohne Rücksicht auf mögliche Konsequenzen. Im Verlauf des Films nehmen ihre Geschichten dramatische Wendungen: So fährt eine der Protagonistinnen selbst nach Afghanistan, wo sie mit einem grauenhaften Vorfall und dessen Opfern konfrontiert wird. Doch ihre Reise bietet auch Anlass zu Hoffnung auf Frieden und Versöhnung.

Kritik

Es sind kaum mehr als bloße Schatten, mal kleiner, mal größer gewachsen, die sich auf den unscharfen Schwarz-Weiß-Aufnahmen erkennen lassen. Diese überwiegend unzuverlässigen Bilder, von amerikanischen Drohnen in ausländischen Kriegsgebieten wie Afghanistan aufgezeichnet, dienten Menschen wie Heather als Grundlage für Entscheidungen, durch die nicht nur mutmaßliche Terroristen, sondern auch unschuldige Zivilisten zu Tode kamen. Wie viele andere Amerikaner meldete sich Heather damals im Jahr 2009 freiwillig, um der United States Air Force beizutreten. Geschult wurde sie dort zur Video-Analystin, wobei ihr Job im Rahmen des Drohnen-Programms des amerikanischen Militärs darin bestand, Überwachungsaufnahmen der unbemannten Flugobjekte einer genauen Sichtung zu unterziehen und schließlich zu bestimmen, ob sich auf diesen potentielle Terroristen als Ziele von Bombenangriffen befinden.

Genauso wie Daniel und Lisa ist Heather eine Aussteigerin, die Regisseurin Sonia Kennebeck (Sex: Made in Germany) für ihre Dokumentation National Bird - Wohin geht die Reise, Amerika? als Whistleblowerin dient. Von der zunehmend psychischen Belastung überfordert entschlossen sich diese drei Menschen dazu, den Dienst für das Militär hinter sich zu lassen und umfassende Informationen über den verheerenden Drohnenkrieg der USA zu liefern, der von der Regierung streng geheim gehalten wird. Mithilfe von Interviews, in denen Heather, Lisa und Daniel vor der Kamera Tätigkeiten und Erfahrungen aus ihrer beruflichen Vergangenheit schildern, entwirft die Regisseurin ein diskussionswürdiges, zwiespältiges Bild einer Nation, die sich im Besitz einer mächtigen Technologie befindet, den moralisch vertretbaren Umgang damit aber nicht beherrscht.

Kennebeck geht es dabei weniger um die blanken Zahlen der durch Präventivschläge verursachten Todesopfer, die vorwiegend unter der Amtszeit von Barack Obama als 44. Präsident der Vereinigten Staaten entstanden sind. Viel mehr rückt sie in ihrer Dokumentation menschliche Einzelschicksale in den Vordergrund, um die Auswirkungen des Drohnenkriegs auf zwei verschiedenen Seiten zu beleuchten. Anhand der drei Whistleblower, die sich jeweils mit unterschiedlichen Konsequenzen ihrer Taten auseinandersetzen müssen, finden so abstrakte Prozesse wie beispielsweise ein aus der sicheren Distanz ausgeführter Militärangriff, bei dem auch kleine Kinder vor den Augen ihrer Eltern von Bombenexplosionen zerfetzt werden, ein zutiefst humanistisches Gegengewicht.

Die Regisseurin entwirft auf der Seite der amerikanischen Whistleblower brüchige Porträts vernarbter Seelen, die an posttraumatischen Belastungsstörungen leiden, durch die sie auch Jahre nach dem Quittieren ihres Dienstes noch von Bildern und Tönen verfolgt werden, denen sie tagtäglich ausgesetzt waren. Genauso geht es aber auch um Schuldgefühle und den damit einhergehenden Drang, eine Form von Absolution für vergangene Handlungen zu ersuchen, um das eigene Gewissen zumindest ein Stück weit zur Ruhe kommen zu lassen. Einen eindringlichen Umgang mit dem Schicksal der Betroffenen findet Kennebeck auch auf der Gegenseite, wenn die Regisseurin Lisa bei einer Reise nach Afghanistan begleitet, wo sich die Air-Force-Veteranin mit Überlebenden von Drohnenschlägen trifft. Auch in diesen Szenen, in denen unter anderem ein Mann zu Wort kommt, der durch Angriffe eines seiner Beine verloren hat, führt die Dokumentation erneut von äußerlich sichtbaren Schäden zu inneren Befindlichkeiten, die vom Verlust eines Teils der Seele zeugen.

Anstelle einer Verdammung moderner Technologien stellt National Bird - Wohin geht die Reise, Amerika? somit eher einen Appell an den verantwortungsbewussten Umgang mit dieser dar und erweist sich aufgrund des ständigen Bezugs zu Einzelschicksalen als Plädoyer für eine auf humanistische Aspekte bedachte Betrachtungsweise, bei der der Wert des Menschen über abstrakte Prozesse, bürokratischen Irrsinn oder rücksichtslose Kurzschlussentscheidungen gestellt werden sollte.

Fazit

Mit ihrer ebenso eindringlichen wie aufrüttelnden Dokumentation „National Bird - Wohin geht die Reise, Amerika?“ entwirft Regisseurin Sonia Kennebeck ein aufschlussreiches Porträt über die verheerenden Auswirkungen des US-amerikanischen Drohnenkriegs. Darüber hinaus stellt der Film ein zutiefst humanistisches Plädoyer für den Wert des Menschen dar, der in einer zunehmend unklarer verschwimmenden Trennlinie zwischen Tätern und Opfern verloren gegangen ist und daher dringend wieder wertgeschätzt sowie vor alle anderen Interessen gestellt werden sollte.

Autor: Patrick Reinbott

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