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Inhalt

Eine Woche Ferien mit der Familie am Meer! Für Sam ist es eine Woche voller Rätsel über den Tod, das Leben und Tess. Ihn treibt der Gedanke um, dass seine Eltern und sein Bruder einmal sterben werden. Wahrscheinlich sogar vor ihm, weil er der Jüngste ist. Also bereitet sich Sam auf diesen wohl unabwendbaren Moment vor: mit einem täglichen Alleinsein-Training. Blöd nur, dass er gleich am ersten Tag die so chaotische wie faszinierende Tess kennen lernt und viel lieber mit ihr durch die Dünen streifen möchte. Als sie ihm ihr wohlgehütetes Geheimnis verrät, gerät Sams Welt noch mehr ins Wanken. In der sommerlichen Hitze einer niederländischen Ferieninsel stellen sich die Teenager den großen Fragen des Lebens und entwickeln ganz eigene Antworten.

Kritik

Mag sein, dass es in Anna Woltz' Kinderbuch „Meine wunderbar seltsame Woche mit Tess“ um mehr ging, als Sommerurlaub mit Sommerliebe und Bilderbuch-Familie vor Bilderbuch-Kulisse. In Ansätzen zeigen sich in der Handlung von Steven Wouterloods Kinodebüt noch essenziell Kinderfragen, nach dem Tod oder danach, was besser ist: Alleinsein zum Preis von Einsamkeit, Langeweile und Überforderung oder Gemeinschaft zum Preis von Gehorsam, Unterordnung und Überdruss. Doch der Regisseur eliminiert mit dem Originaltitel die Mehrheit der ausbaufähigen Motive der Vorlage. In jener sind der 10-jährige Sam (Sonny Coops Van Utteren) und die zwei Jahre ältere Tess (Josephine Arendsen) ein Gegensatz-Duo. 

Er ist klein für sein Alter, sie groß für ihres. Sie ist selbstbewusst, er schüchtern. Er ist ein Grübler, sie eine Unternehmerin. Wouterlood hingegen sieht nur einen Unterschied: Sam ist ein Junge, Tess ein Mädchen. Damit sind beider Rollen in dem tranigen Moralmärchen besiegelt. Mädchen kommen nicht allein zurecht, darum ist Tess bei ihren verrückten Vorhaben auf Sam angewiesen. Außerdem sind Mädchen (und später Frauen) Objekte des Begehrens, darum ist der kleine Held hinter Tess her, während sein jugendlicher Bruder (Julian Ras, Allein unter Schwestern) auf der dauersonnigen Ferieninsel hinter einer Fritten-Verkäuferin her ist und der ortsansässige Fahrradverleiher (Guido Pollemans, Quality Time) hinter Tess' Single-Mutter.

Singel- was?! Das geht mal gar nicht, denn jedes Kind weiß doch oder soll nach Meinung der Filmemacher wissen: Mädchen brauchen einen Vater! Der von Tess war 12 Jahre abwesend, da Mama ihm offenbar grundlos seinen Nachwuchs verheimlicht hat und Tess Papas Identität. Die findet Töchterchen trotzdem und lotst den ahnungslosen Hugo (Johannes Kienast, Heiter bis Wolkig) aufs Eiland. Beginn einer Schnitzeljagd, bei der alle Sieger sein sollen. Der Hauptpreis lautet konservative Kernfamilie und Heteronormativität. Für Sam gibt es einen Bonus-Bussi, denn eine "richtige Familie“ hat Tess nur dank seiner Unterstützung, weil Mädchen alleine nichts können - außer Mini Mainic Pixie Dream Girl sein.

Fazit

Unter der gefälligen Oberfläche ist Steven Wouterloods Verfilmung des (im Original) gleichnamigen Kinderbuchs ein Fibel der Biederkeit und Bagatellisierung. Damit beide triumphieren werden, Logik und psychologische Glaubwürdigkeit über Bord geworfen. Die sympathischen Kinderdarsteller können die brave Story, der Witz und Tempo genauso wie Dramatik fehlen, kaum aufwerten. Substanzielle Konflikte Heranwachsender wie der zwischen Individualismus und Kollektivismus werden abgewürgt, bevor die Handlung sie konkretisieren kann. Was bleibt sind spießige Konventionalität, inszenatorisch, dramaturgisch und pädagogisch.

Autor: Lida Bach

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