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Im jüdisch orthodoxen Borough Park in Brooklyn bestimmen Religion und Tradition immer noch Alltag und Leben. Schon durch sein Aussehen fällt der Titelheld auf. Warum er nicht den hohen Hut und den schwarzen Mantel wie die anderen Männer trägt, will sein etwa zehnjähriger Sohn Rieven wissen. Auch die Schläfenlocken klemmt sich Menashe hinter die Ohren, so dass sie kaum mehr zu sehen sind. Permanent weicht der junge Witwer vom vorgeschriebenen Weg ab. Die Gemeinde will ihn so schnell wie möglich wieder verheiraten. Er kann sich aber keine Zukunft mit einer anderen Frau vorstellen und brüskiert die ihm zugeführten Kandidatinnen. Da er nicht genug Geld verdient und seinen Haushalt nicht allein führen kann, beansprucht ein Onkel die Erziehung von Menashes Sohn.

Kritik

Die dokumentarischen Wurzeln von Regisseur Joshua Z. Weinstein ankern tief in jeder Szene seines Spielfilmdebüts über einen jüdischen Witwer, den die rigorosen Gebote des chassidischen Glaubens mit seinen Aufgaben als Vater in Konflikt bringen. Das Setting ist die Nachbarschaft Borough Park im Nordwesten Brooklyns, wo die überwiegende Mehrheit der Anwohner ein streng orthodoxes Leben führt. Kleine Nachlässigkeiten, die dem üblichen Kinopublikum kaum auffallen dürften, sind in dem geschlossenen Mikrokosmos Verstöße gegen Gottes unumstößliches Wort. Der tollpatschige Menashe (Menashe Lustig) sticht schon hervor, weil er die Schläfenlocken hinter die Ohren streicht und keine dunkle Jacke trägt. 

Seinem bereist stark konfessionell geprägten Sohn Rieven entgehen die Eigenheiten seines Vaters nicht. Der Junge ist hin und her gerissen zwischen spielerischem Austesten der Freiheiten, die er mit dem Vater genießt, und der frommen Furcht vor Konsequenzen. Zur Aussprache zwischen beiden kommt es nie. Zu groß scheint die Distanz, seit Rieven nach dem frühen Tod der Mutter aus dem Elternhaus in das seines Onkels kam. Nach der Weisung des Rabbis ist ein Zuhause ohne traditionelle Mutterfigur und Ehe keines, weshalb er dem hilflosen Hauptcharakter die Fürsorge untersagt. Die archaischen Zwänge bildet Weinstein glaubhaft und mit dokumentarischer Gewissenhaftigkeit ab, doch er versäumt es, daraus dramatisches Momentum zu kreieren. 

Zwar steht eine interessante Grundkonstellation, doch hantiert der Regisseur damit ähnlich ungelenk wie sein Protagonist mit Verantwortung. Hier liegen eine weitere Crux und einer der diversen inhaltlichen Widersprüche des Plots: Menashe, der schon mit dem eigenen Leben hoffnungslos überfordert ist, erscheint auch objektiv als ungeeignete Erziehungsfigur. Humoristische Untertöne können die bittere Tatsache nicht kaschieren. So ist das richtungslose Porträt im besten Fall eine herbe Antwort auf die Frage des Onkels: „Glaubst du, das hier ist eine freie Welt?“ Ganz sicher nicht.

Fazit

Was eine aufschlussreiche Erkundung der inneren Mechanismen von New Yorks chassidischer Gemeinschaft hätte sein können, verliert sich in einer ziellosen Bestandsaufnahme. Trotz der fähigen Akteure und des dramaturgischen Potenzials rührt sich die Story nicht vom Fleck und verwehrt den Figuren jede Weiterentwicklung oder Entfaltung.

Autor: Lida Bach

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