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Manolo ist ein junger Mann, der hin- und hergerissen ist zwischen den Erwartungen seiner Familie, die er zu erfüllen versucht, und dem Wunsch seinem Herzen zu folgen. Bevor Manolo sich für einen Weg entscheidet, begibt er sich auf ein unglaubliches, buntes Abenteuer in drei phantastische Welten, wo er sich auch seinen größten Ängsten stellen muss. Hier lernt er die Vergangenheit zu feiern, während er sich auf die Zukunft freut!
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Kritik

Manolo Sánchez (Diego Luna) hat Träume — von Kindheit an. Er möchte ein Musiker werden, der mit seinem Gitarrenspiel die Herzen der Menschen berührt, und er möchte das Herz seiner besten Freundin María (Zoe Saldana) erobern.

Dummerweise gibt es auf dem Weg zur Erfüllung dieser Träume einige Hindernisse. Denn Manolo stammt aus einer Familie angesehener Stierkämpfer, in ihm steckt das über Generationen vererbte Talent der Sánchez-Familie für diesen Beruf, und sein Vater hat entsprechend hohe Erwartungen. María wiederum ist kein Mädchen, das sich von irgendjemandem erobern lassen möchte, und zu allem Überfluss ist auch Manolos bester Freund Joaquín (Channing Tatum) in sie verliebt. Und als hätte Manolo mit all dem nicht schon genug zu tun, wird er jäh zum Spielball in einer Wette zwischen den beiden Herren des Totenreichs — zu einer Zeit, in der Manolos Dorf von einem furchteinflößenden Banditen bedroht wird …

»Manolo und das Buch des Lebens« entführt nach Mexiko. Ein farbenfrohes Mexiko, wie man es sich vorstellt, übersetzt in einen Animationsfilm, dessen bisweilen klobige Holzfiguren- und Pappmaché-Optik zunächst gewöhnungsbedürftig sein kann, auch wenn sie flüssig animiert ist. Lässt man sich darauf ein, erkennt man aber schnell, dass sie nicht nur gewollt ist, sondern auch hervorragend passt, denn die Erzählung von Manolo, María und Joaquín ist selbst nur Geschichte in der Geschichte und wird — mit kleinen Holzfigürchen — in einer Rahmenhandlung inszeniert, in der eine findige Museumsführerin einer Gruppe zunächst skeptischer Kinder die Magie Mexikos näherbringt.

Und ja — es funktioniert. Nicht nur gegenüber der Rahmenhandlungs-Kinder, die im Lauf des Films zunehmend fasziniert an den Lippen ihrer Geschichtenerzählerin hängen, sondern auch gegenüber dem Kinobesucher. Wirklich neu ist die Story natürlich nicht — zwei beste Freunde und eine Frau, eine übernatürliche Wette, ein Wettlauf mit der Zeit. Doch die Geschichte ist nicht nur charmant, sondern auch meisterhaft erzählt. So gibt es zwar kaum unerwartete Wendungen, doch beim Rest macht »Manolo und das Buch des Lebens« so ziemlich alles richtig, angefangen bei der Tatsache, dass Manolo es schafft, sich selbst und seinen Überzeugungen treu zu bleiben, und das besonders im Hinblick auf den Stierkampf wundervoll umgesetzt wird. Eine gewisse Vorhersehbarkeit und die Plakativität des menschlichen Bösewichts bilden da zwar Schwächen, werden aber von anderen Aspekten des Films gut aufgefangen, sodass sie sich verzeihen lassen.

Die Figuren machen zweifellos einen großen Teil des Charmes aus. Manolo ist zwar weitgehend der nette Junge von nebenan, wächst aber an den Konflikten rund um Freundschaft und Familienerwartung, mit denen er es zu tun bekommt. Joaquín, sein Freund und Rivale, ist fast noch interessanter, denn Joaquín ist ein Held im wahrsten Sinn des Wortes und genießt diesen Status bisweilen ein wenig zu sehr. Doch letztlich hat auch er mit seinen eigenen Schatten und vor allem einem düsteren Geheimnis zu kämpfen. Und dann ist da noch María — mit riesigen Augen und überzeichneter Wespentaille nahezu prädestiniert, in das klassische »damsel in distress«-Schema zu fallen, was in einer Geschichte um männliche Helden und Machismo fast zwingend vorgezeichnet scheint. Allerdings haben die Macher des Films diesen Fehler vermieden. María ist schon als kleines Mädchen die unangefochtene Anführerin des Dreiergespanns, ein Wirbelwind, der sich zu einer Frau mausert, die genau weiß, was sie will. Und wenn sich Manolo und Joaquín noch als kleine Jungen dramatisch um die Gunst ihrer Holden raufen und um die Wette brüllen »Das Mädchen gehört mir!«, dann ist es umso erfrischender, wenn María sie beide in den Staub schubst und entschieden erklärt: »Ich gehöre niemandem!«

Natürlich, auch María hat ihre Schwächen, ist einer von Herzen vorgetragenen Serenate und Kerzenschein-Romantik nicht abgeneigt und kokettiert auch gerne mit ihren Reizen. Doch das Erfrischende an ihrer Figur ist, dass sie dennoch den ganzen Film über eine selbstbestimmte, energische junge Frau mit eigener Verantwortung bleiben darf, mit einem eigenen inneren Konflikt — zwischen dem Wunsch, ihr Dorf zu beschützen und dem, ihrem Herzen zu folgen — und Kampfgeist, der dem ihrer männlichen Mitstreiter in nichts nachsteht (»Erwähnte ich, dass ich in Europa fechten gelernt habe?«). Dass man sich entschieden hat, ihre Figur so anzulegen, ist ein großer Gewinn für den Film.

Neben den drei Hauptfiguren sind es aber vor allem die Nebencharaktere, von denen »Manolo und das Buch des Lebens« profitiert. Das gilt ganz besonders für die (toten) Angehörigen der Familie Sánchez, aber auch für die beiden geheimnisvollen Beherrscher der Totenwelt. Die ist, so muss Manolo schmerzlich erfahren, in zwei Bereiche geteilt: das Reich der Erinnerten und das Reich der Vergessenen. Im Reich der Erinnerten herrscht la Muerte, der Tod persönlich, eine atemberaubend schöne Frau, welche die Menschen und den Frohsinn liebt. Im Reich der Vergessenen herrscht hingegen Xibalba, von dem man nicht genau weiß, warum die Filmmacher ihm jetzt unkommentiert den Namen des Maya-Totenreichs verpassen mussten. In seiner Optik gemahnt Xibalba immerhin ein wenig an die vorspanische Vergangenheit Mexikos und damit verbundene Glaubensvorstellungen, und er gibt einen düster-charmanten Schurken ab, der — gemeinsam mit la Muerte — die Filmhandlung durchaus zu tragen weiß.

Obwohl es vielleicht interessant gewesen wäre, das Zusammenspiel von vorspanischen und christlichen Traditionen im mexikanischen Volksglauben klarer herauszustellen, überzeugt der Film andererseits in weiten Teilen mit seinem liebevollen Detailreichtum, der gut zeigt, dass hier eben Mexikaner am Werk waren, die Land und Kultur wirklich kennen. Sowohl die Farbenfreude des Totenreichs und die Aufmachung der Skelette als auch die großartige Inszenierung des »Día de los muertos«, des mexikanischen Totentags, zeugen davon, gerade der in ein Lichtermeer verwandelte Friedhof und die mit Ringelblumen geschmückten Gräber (ja, diese Blumen spielen auch in der Realität eine Rolle, und den Azteken sollen sie als kleine Lichter auf dem Weg ins Totenreich gegolten haben). Daneben gibt es allerdings auch kleinere Logikfehler, die nicht weiter ins Gewicht fallen, aber vorhanden sind: In spanischsprachigen Ländern nehmen die Frauen bei der Heirat nicht den Namen des Mannes an. Manolos Mutter ist also strenggenommen keine Sánchez.

Ein weiterer Pluspunkt des Films ist zweifelsohne sein Humor, der an vielen Stellen über reinen Slapstick hinausgeht. Auch im Angesicht dramatischer Entwicklungen ist in diesem Film immer noch Zeit für ein Augenzwinkern. An manchen Stellen ist das sogar zu viel und bremst die Dramatik, die der Handlung ebenfalls gut getan hätte, zulasten einer Ladung Klamauk aus. Die Gestalt des Kerzenmachers ist in dieser Hinsicht ein gutes Beispiel. Dabei beweist der Streifen durchaus Sinn für gut gemachtes Drama: Wenn Manolo in der Stierkampfarena steht und sein großer Kampf ganz episch mit Morricones »The Ecstasy of Gold« unterlegt wird, beispielsweise.

Ansonsten spielt der Film, gerade, wenn es um die Musik geht, recht gekonnt mit latino-typischem Herzschmerz und Pathos. Das passt hervorragend zum Setting (und den Figuren), wer damit nicht vertraut ist, wird es aber möglicherweise etwas übertrieben finden. Dass es eine gute Idee war, für die Filmmusik Gustavo Santaolalla ins Boot zu holen, steht jedenfalls außer Zweifel und man würde sich nur eventuell wünschen, die Ballade an den Stier im Abspann auch auf Spanisch hören zu dürfen. Was Sprache betrifft, sind zumindest für die deutsche Fassung weitere kleine Kritikpunkte angebracht. Die Lieder sind größtenteils synchronisiert wurden (und das auch gut), allerdings nicht immer. Und es stellt sich auch ein wenig die Frage, warum insbesondere Manolo mit betont spanischem Akzent gesprochen werden muss. Für so etwas kann es eigentlich nur zwei valide Gründe geben: entweder, der Akzent soll auf der Ebene der Filmhandlung sichtbar machen, dass es sich um einen Nicht-Muttersprachler im Kreis von Muttersprachlern handelt (wie im Fall des gestiefelten Katers bei »Shrek«) — was nicht zutrifft, da Manolo ein Mexikaner umgeben von Mexikanern in Mexiko ist. Oder aber Synchronsprecher mit Akzent sollen mit größerer Selbstverständlichkeit im Film allgemein hörbar werden. Das scheint hier aber auch nicht der Fall zu sein, und so bleibt man mit einem kleinen Fragezeichen zurück, was hier wohl Sinn der Übung gewesen ist.

Fazit

»Manolo und das Buch des Lebens« erfindet zwar nicht das Rad neu, hebt sich aber trotzdem positiv aus der Masse der Animationsfilme ab. Trotz kleiner Schwachstellen überzeugt der Film mit charmanten Figuren, größtenteils wohldosiertem Humor und einer dramaturgisch wunderbar erzählten, wenngleich nicht immer überraschenden Geschichte. Kurz gesagt: Selten war ein Film über das Totenreich so lebendig!

Autor: Sabrina Železný

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