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"Jungs und Guillaume, zu Tisch!" Seit Guillaume zurückdenken kann, werden seine Brüder und er mit diesen Worten von der Mutter zum Essen gerufen. Guillaume aber ist anders als die beiden älteren Söhne der Familie. Sehr zum Missfallen des Vaters interessiert er sich nicht für Sport und andere Jungenthemen. Guillaume ist auf Maman fixiert, die er über alles verehrt und der er jeden Wunsch erfüllen möchte. Und nach zwei Söhnen hätte sie doch so gern ein Mädchen gehabt! Also passt Guillaume die Realität immer mehr ihren Wunschvorstellungen an und schlüpft in die Rolle der Tochter, die die Mutter nie hatte... Doch nach einigen Umwegen kommt auch für den heranwachsenden Guillaume die Frage: Wer oder was bin ich eigentlich? Wen darf, wen kann ich lieben? Bin ich schwul, wie Maman glaubt, oder was? Nach einigen komischen Probeläufen auf dem Parcours der sexuellen Möglichkeiten, die ihn nach Spanien, England und Deutschland führen, wird der junge Mann durch ein himmlisches Zusammentreffen endlich von allen seinen Zweifeln erlöst. Er - aber nicht Maman...
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Quelle: themoviedb.com

Kritik

"Maman und ich" war der große Abräumer bei den Césars, den französischen Oscars. Nominiert für zehn, fünf gewonnen, unter anderem in der Kategorie Bester Film, bester Hauptdarsteller, bestes adaptiertes Drehbuch und bester Erstlingsfilm. Entweder belegt dies den schlechten Geschmack der diesjährigen Jury, oder das traditionsreiche und an mutigen Filmen nicht arme französische Kino hat sein letztes Pulver verschossen. So oder so, dies ist ein schlechter französischer Film, und es ist eine schlechte Nachricht für das französische Kino im Allgemeinen. Dabei ist das Grundthema interessant und bietet Gelegenheit zu polarisieren, es ist eine menschliche, persönliche Geschichte, die wunderbar vor den Kopf stoßen könnte, wenn sie nur wollte.

Die große Frage, die bleibt, ist: Warum versucht der Film es nicht?

Die Schuld ist bei Drehbuchautor, Regisseur und Hauptdarsteller Guillaume Gallienne ("Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran", "Marie Antoinette") zu suchen, der mit "Maman und ich" einen autobiographischen Film über die Beziehung zu seiner Mutter gedreht hat. "Maman und ich" ist sein Film, und ein sehr persönlicher noch dazu. Dass dieses Machwerk dabei auf ganzer Linie unpersönlich bleibt, spricht nicht gerade für den Mann, der hiermit die Geschichte seines Lebens zu verarbeiten versucht.

Was genau aber macht Gallienne in seinem Regiedebüt falsch? Es fällt schwer, einzelne Punkte herauszugreifen, denn er vermasselt so ziemlich alles, was man vermasseln kann. Das Traurige dabei ist, dass all dies aus dem Willen entstanden ist, einen guten Film zu machen. Basierend auf einem autobiographischen Stück Galliennes, übernimmt er das Konzept der Theateraufführung auch für die Kinofassung. Wir sehen den Hauptdarsteller Guillaume Galliene als Guillaume Galliene, wie er auf einer Bühne steht und die Geschichte seines Lebens erzählt. Hierbei dreht es sich stets um seine ungeschickten Versuche, im Familienleben und in der Öffentlichkeit Anschluss zu finden, seine feminine Ader und die Ähnlichkeit zu seiner dominanten Mutter (ebenfalls dargestellt von Gallienne selbst!). Es geht um Identität und Rollenfindung, Diskriminierung und Selbsthass, um die Suche nach seinem Platz in der Welt. Oder besser gesagt: es hätte um all diese mit Konfliktpotential aufgeladenen Themen gehen können, besäße der Regisseur und Hauptdarsteller nicht die zwanghafte Tendenz, sich selbst mit der Holzhammermethode ins Lächerliche zu ziehen. Gallienne karikiert sich selbst als sein jüngeres Selbst so sehr, dass man ihm keinen Moment lang abkauft, seine Lebens- und Leidensgeschichte darzustellen. Er gestattet seiner Guillaume-Figur eine naive, trottelige Tuntigkeit, die er meist mittels wenig überzeugender Grimassen umzusetzen versucht. Dass der Künstler zudem in der zweiten Hauptrolle als seine eigene Mutter eine schauspielerisch überzeugendere Darstellung abliefert als bei der Darstellung seiner selbst, lässt einiges an Interpretationsraum, ob er vielleicht unter einem zu kleinen oder einem zu großen Ego leidet. Die Reise in Guillaume Gallienes Gefühlswelt spiegelt uns die Figuren seines Lebens als Zerrbilder wider.

Tiefgehende Charakterzeichnungen, eigentlich notwendig für diese Art von Film, werden hier durch plumpen Klamauk ersetzt. Charakterliche Entwicklungen bleiben ebenso auf der Strecke wie der Versuch einer überzeugenden Inszenierung. Da Gallienne die gesamte Handlung im Rahmen eines Theaterstückes darstellt und die Realszenen aus seiner Jugend bloß als eine Illustration seiner Erzählung dienen, rückt der Regisseur die Geschichte und ihre handelnden Personen so sehr ins Künstliche, dass sie nicht mehr zu berühren fähig sind. Dieser Effekt wird noch verstärkt durch Galliennes Darstellung seiner selbst als Teenager, verkörpert von seinem heutigen, mehr als 40-jährigem Ich. Soll dies das verkümmerte Selbstwertgefühl des jungen Guillaume verkörpern, oder ist dies nur ein weiterer krampfhafter Lacher des Regisseurs auf Kosten seiner selbst? Das Resultat ist Desinteresse, das Lachen bleibt aus. Ohnehin sind die zwei bis drei guten Lacher, die "Maman und ich" hat, zu wenig für eine Komödie mit einer Laufzeit von 85 bleiernen Minuten.

Es bliebe zu wünschen, man könnte noch auf wenigstens einen Lichtblick dieses Filmes eingehen, einen herausstechenden Darsteller, der wenigstens für einen kurzen Moment Ablenkung bringt von der verkrampften und biederen Stimmung, die den Kinosaal durchsetzt. Doch da ist nichts. Der einzige für die Inszenierung relevante Darsteller ist Gallienne selbst, alle anderen nehmen neben ihm bloße Stichwortgeberrollen ein. Der Film leistet sich keinen weiteren Darsteller, der etwas Substantielles beizutragen hätte. Alles versinkt neben ihm als sich selbst und seine Mutter.

Abschließend lässt sich nur ein kleiner Lichtblick zum Ende des Films hin anmerken: im finalen Disput mit seiner Mutter erscheint die Figur Guillaume zum ersten Mal im gesamten Film glaubwürdig, mit realistischer Mimik statt trotteligen Grimassen, als ließe er eine Maske fallen. Für die gefühlt vorletzte Minute des Films ist dies eindeutig zu spät, und so bleibt diese Szene nur als kleiner, jammervoller Fingerzeig, wie viel besser dieser unsägliche Film hätte werden können.

Fazit

Manche Theaterstücke gehören nicht auf die Leinwand - dabei man es bei "Maman und ich" ebenfalls belassen sollen. Guillaume Gallienne fast eineinhalb Stunden bei seiner ödipalen Selbsthassliebe zuschauen zu müssen ist eines der furchtbarsten Kinoerlebnisse 2014. Liebes Frankreich, und dafür gab es fünf "Césars"?

Autor: Johnny Dama

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