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Italo-Westernklassiker von Sergio Corbucci ("Django"), der mit sämtlichen Konventionen seines Genres bricht. Der irre Loco (Kinski) und seine Kopf- geldjäger kennen keine Gnade gegenüber hungernden Bergbewohnern, die aus ihrer Not heraus stehlen. Kann der stumme Revolvermann Silence (Trintignant) etwas gegen die eiskalten Menschenjäger ausrichten?

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

„Jetzt wirst du deinen Mann mit Schnee bedecken, damit er frisch bleibt, bis ich wiederkomme.“

Ein Genre auf seinem Höhepunkt. Sergio Corbucci („Mercenario – Der Gefürchtete“) übertrifft mit „Leichen pflastern seinen Weg“ sogar noch seinen eigenen Klassiker „Django“, der damals schon in Sachen Brutalität und bitterem Zynismus neue Maßstäbe setzte. Hiermit toppt er wahrlich alles und inszeniert den vielleicht skrupellosesten, nihilistischsten Beitrag des Italo-Westerns.

Ende der 60er Jahre waren Corbucci und seine Namensvetter Sergio Leone mit ihren Werken verantwortlich dafür, dass dem Mutterland des Westerns der Rang abgelaufen wurde, ausgerechnet in dem eigentlich amerikanischsten Genre überhaupt. Deutlich roher und ohne die romantische Lagerfeuer- und Heldenromantik ging es bei ihnen zu. Hier wurde kein Vieh gehütet oder die Banditen brav mit dem Lasso gefangen und dem Sheriff übergeben. Anti-Helden mit Ecken und Kanten kämpften sich durch Staub und Schlamm, waren auf Vergeltung aus und nahmen keine Rücksicht auf ihre Gegner, die mit einem Lächeln voller Blei gepumpt wurden. In den Folgejahren lief sich auch das tot, allerlei billige Nachahmer wurden am Fließband für eine Hand voll Lire produziert, doch die Filme der beiden Sergios gelten bis heute als der Maßstab dieses Bereichs. Dabei unterscheiden sie sich stilistisch deutlich voneinander. Während Leone gerade bei seinen größten Erfolgen, dem Abschluss seiner Dollar-Trilogie „Zwei glorreiche Halunken“ und dem Auftakt seiner Amerika-Trilogie „Spiel mir das Lied vom Tod“, nach Größe strebte und diese Filme bald wie eine epische Oper inszenierte, blieb Corbucci immer näher am Boden, tiefer im Schmutz, in einem engeren Mikrokosmos. In beiden Herangehensweisen liegt ihre ganz eigene Klasse. Leone, der Mann für das große Genre-Kino, Corbucci, der Mann für das Grobe. Hier ganz besonders.

Statt schwitzender Pistoleros unter sengender Sonne setzt Corbucci ein eindrucksvolles Berg-Panorama im tiefsten Schnee in Szene. Snow Hill gleicht einem Massengrab, unter dessen dichter Schneedecke Kopfgeldjäger Loco (für seine Verhältnisse erstaunlich zurückgenommen, dadurch nicht minder erschreckend: Klaus Kinski, „Aguirre, der Zorn Gottes“) seine erlegte Beute konserviert. „Der hat überall Leichen liegen“. In der Grauzone von Gesetz und unbarmherziger Menschenjagd treibt er sein Unwesen, genießt seine Rolle als Todesengel. Niemand scheint seinem Treiben Einhalt gebieten zu können, auch eine Verschärfung der Justiz kann ihn maximal behindern, nicht aufhalten. Bis Silence (Jean-Louis Trintignant, „Liebe“) auf der Bildfläche erscheint. Ein stummer Rächer, der zwar ebenfalls für den harten Dollar tötet, sich seine Auftraggeber und Zielscheiben jedoch gezielt aussucht, eine Art moralischer Instanz der Kopfgeldjäger, ein Anflug von Menschlichkeit in einer völlig aus den Fugen geratenen Welt. Dort ist selbst jemand wie Silence ein guter Mensch, obwohl der Tod sein stetiger Begleiter ist. „Er wird Silence genannt, weil ihn das Schweigen des Todes begleitet, er ist Richter und Henker zugleich.“ 

Wo selbst in den weniger zimperlichen Vertretern des Genres noch ein Hauch von Hoffnung und Gerechtigkeit durchschimmern mag, verweigert sich Corbucci dem radikal. Während vertriebene und dem Hungertod nahe Außenseiter in den verschneiten Wäldern ums Überleben kämpfen, hetzt der geschäftstüchtige Banker und inoffizielle Herrscher der Stadt seinen Kettenhund Loco erbarmungslos auf sie. Mit dem notgedrungen wortkargen Silence scheint die Gerechtigkeit kurz Einzug zu halten in Snow Hill, doch Corbucci bleibt seiner vernichtenden Stimmung so abscheulich standhaft treu, dass es einem selbst bei wiederholten Sichtung eiskalt den Rücken runter läuft. Derartig schonungslos , mit dem Mut zum bedingungslosen Kopfstoß gegen jedes Zugeständnis an etablierte Sehgewohnheiten wie dem natürlichen Gefühl für Recht und Genugtuung muss man das erstmal durchziehen. Bis heute haben wenige Filme in ihrer Konsequenz so einen Mut bewiesen wie „Leichen pflastern seinen Weg“.

Pessimistischer und hoffnungsloser, nicht nur durch sein einmaliges Setting mit enormer Eiseskälte durchzogen, lässt sich ein Film kaum gestalten. Getragen von dieser Stimmung, der Aura von Leid und Tod, der ruppigen Inszenierung und nicht zu Letzt von seinem grandiosen Hauptdarstellerduo arbeitet „Leichen pflastern seinen Weg“ auf seinen unvermeidlichen Showdown hin, der dann selbst den wohl abgebrühtesten Zuschauer kurz die Sprache verschlagen wird. Nicht umsonst wurde für den asiatischen Markt ein alternatives Ende gedreht, das den kompletten Ausgang und die vernichtende Wirkung völlig auf den Kopf stellt, bald ad absurdum führt. Obwohl es eigentlich dem entspricht, was man sonst so vom klassischen US-Western gewohnt war. Wenn man sich in Kenntnis beider Versionen bei dem Alternativende für dumm verkauft vorkommt wird einem erst bewusst, was Corbucci mit diesem Film für ein Monster auf die Beine gestellt hat. Es konnte eigentlich nur so ausgehen, egal wie sehr es einem in die Fresse tritt. Wahnsinn, wie das Gesamtwerk.

Fazit

Einzigartiger Italo-Western, der die Essenz seines Genres in ungewohnt drastischer Art auf die Spitze treibt. Das hat vorher und danach niemand mehr so hinbekommen, erst recht nicht in dieser außergewöhnlichen Qualität.

Autor: Jacko Kunze

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