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Inhalt

Auf Drängen seines Sohnes Will bezieht der blinde Vietnam-Veteran Ambrose sein neues Heim in der beschaulichen Senioren-Wohnsiedlung Crescent Bay. Doch mit dem Frieden ist es schnell vorbei, als Ambrose nur knapp den Angriff einer wilden Bestie überlebt, die offenbar schon länger ihr Unwesen in der kleinen Gemeinde treibt und der schon mehrere Menschen zum Opfer gefallen sind. Der knorrige Ambrose, der mit seiner groben Art nicht unbedingt viel Anklang bei seinen Nachbarn findet, vermutet ein ganz bestimmtes Untier hinter den Angriffen: einen Werwolf. Notgedrungen besinnt sich der einstige Soldat auf seine frühere Kampferfahrung und rüstet sich für den nächsten Vollmond.

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Kritik

In den ersten Minuten bestimmt die flache Atmung des Schäferhundes unseres Protagonisten Ambrose (Nick Damici) das Geschehen: Omnipräsent legt es sich von der Rückbank aus über die gesamte Tonebene, um dann urplötzlich in ein voraussehendes Wimmern umzuschlagen. Irgendwas scheint hier im Argen zu liegen. Aber erst einmal zurück zum Wesentlichen: Ambrose wird von seinem Sohn Will (Ethan Embry) in eine Seniorenwohnanlage am Stadtrand abgeschoben. Das Verhältnis zwischen den beiden ist nicht sonderlich gut, es wird nur das gesagt, was eben gesagt werden muss, ansonsten bleibt es kühl und distanziert. Was man erwähnen muss, ist, dass Ambrose durch ein Augen-Trauma, welches er aus Vietnam mitgebracht hat, blind wurde und sich seitdem nur von seinem treuen Vierbeiner helfen lässt: „Ein Stock ist etwas für Krüppel!“, so seine Devise. Das klingt nun durchaus nach handfester Drama-Kost, bei dem sich das Narrativ in Richtung (innerfamiliären) Generationskonflikt, der Vergänglichkeit des Seins und damit eben auch zur Reflexion über das Altwerden bewegt.

Diese Themenspektren lassen sich verifizieren, aber „Late Phases“ ist darüber hinaus auch noch etwas anderes: Ein Film über Werwölfe, oder besser gesagt, ein Film über einen Mann, der sich für den sicheren Angriff der Werwölfe wappnet. Dramaturgisch geht „Late Phases“ dabei ganz bedacht vor, lässt die Lage zu Anfang über eine gute viertel Stunde eskalieren, um aufzuzeigen, welche Konsequenzen das Auftauchen der Werwölfe haben kann, um danach aber über bald eine Stunde keinen Lykantrophen mehr mit der Kamera einzufangen. Regisseur Adrián García Bogliano kann sich seiner Sache sicher sein: Der leblose Leib des Hundes, die nach außen gekehrten Gedärme der alten Frau, all das wird sich in den Kopf des Zuschauers gebrannt haben. Dass die von Greisen bevölkerte Wohngemeinschaft letztlich auch als ein Ort fungieren soll, an dem man sich auf sein Dahinscheiden einstellt, ein waldreicher Platz, an dem man dem Sensenmann die Tore öffnet, ebnet „Late Phases“ den motivischen Bewegungsvektor.

Und so ist Ambroses Vorbereitung auf den nächsten Vollmond nicht nur eine kriegerische Gebärde, es ist auch die Vorbereitung auf das Sterben. „Late Phases“ jedenfalls macht sich nichts daraus, zu offensichtliche (Sub-)Genre-Klischees abzuklappern und einen Jugendlichen ins Zentrum zu stellen, der feststellen muss, dann in ihm lykantrophische Gene schlummern, die nur auf einen Impuls warten, um freigelegt werden. Bogliano zeigt sich mehr dem introspektiven Drama als dem reißerischen Horror zugeneigt, erzählt von kulturellen Männlichkeitsvorstellungen und dem Versuch, die Familienbande zu stabilisieren, ihren leicht bröckeligen (Sozial-)Kitt zu stärken, solange man noch die Chance hat, irgendetwas zu bewirken. Zeigen sich die Werwölfe dann in voller Pelzpracht, kann man sich ein leichtes Schmunzeln nicht verkneifen, gerade das Gesicht der Biester erinnert doch etwas zu deutlich an Joe Dantes „Gremlins – Kleine Monster“. Nichtsdestotrotz ist „Late Phases“ eine kleine, stimmungsvolle Perle, die man sich, gerade weil die Werewolf-Thematik oftmals so viel Potenzial verschleudert, gerne ansehen darf.

Fazit

„Late Phases“ ist eine kleine Perle, die den Werwolf-Film nicht über Allgemeinplätze aufsucht, sondern einen blinden Vientam-Veteran ins Zentrum stellt, der sich für den nächsten Vollmond wappnet. Adrián García Bogliano ist dabei mehr dem Drama als dem Horrorfilm zuneigt und beweist sein Talent für stimmungsvolle Bilder. Dass sich das Creature-Design der Lykaner einer gewissen unfreiwilligen Komik nicht entbehren kann, lassen wir einfach mal so stehen.

Autor: Pascal Reis

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