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Männer tun alles für ein bisschen Geschlechtsverkehr. Auch Möchtegernaufreißer Nico taumelt hormongesteuert von einem Korb zum nächsten. Denn der Schlacks mit Überbiss und Rüschenhemd hat ein klares Ziel: Dieses Silvester soll seine Jungfernschaft geopfert werden! Als ihn schließlich die deutlich ältere Medea abschleppt, ahnt er noch nicht – in dieser Nacht wird noch weit mehr geopfert werden... Es ist ein teuflisches Fremdschäm-Vergnügen, mit anzusehen, wie Nico jedes Warnsignal in den Wind schlägt. Das Zuhause der Angebeteten ist mit Kakerlaken übersät, die Küche ist versiffter als jede Studenten-WG, im Badezimmer steht ein Kelch voll Blut. Medea hat für alles eine Erklärung. Auch für ihre Statue der nepalesischen Männerhasser-Göttin Naoshi. Schon ist Nico raus aus der Unterbuchse und mitten drin in einem wahren Bad aus Körperflüssigkeiten.

Kritik

Es gibt Filme, die existieren zu keinem anderen Grund als "extrem" zu sein. Solche Filme richten sich dann primär an ein widerständiges Genrepublikum und erhalten von jedem Otto-Normal-Kinogänger nur ein paar hochgezogene Augenbrauen. So ein Film ist Night of the Virgin von Regisseur Roberto San Sebastián: literweise ausscheidende Körperflüssigkleiten, Close-Ups von Geschlechtsteilen und minutenlange Detailshots auf den widerlichsten Ekel- und Gewaltmomenten werden dem Zuschauer hier in 116 Minuten vor den Kopf gedroschen und verwandeln Night of the Virgin in ein, wie gesagt, extremes und schwer zu ertragenes Filmerlebnis. Schade dabei ist nur, dass der Film sonst nicht viel mit sich anzufangen weiß. 

Die Zielgruppe des Films sollte sich mit folgender Frage gefunden haben: "Willst du eine Rektalgeburt in all ihren widerlichen und grotesken Details mitverfolgen oder nicht?" Wenn ja: glückwunsch, Night of the Virgin ist der Film für dich. Was Regisseur Sebastián hier teilweise auf die Leinwand bringt, ist in Sachen Exzess und Aberwitz vermutlich relativ einzigartig. Und zumindest in diesem Kontext muss man dem Film seinen Respekt zollen. Night of the Virgin tut weh; verdammt weh. Selbst eingefleischte Genrefans werden sich hier ab und an in ihrem Kinosessel winden und ihren Augen aufgrund des dargestellten Wahnsinns kaum trauen. Vor der Vorstellung wurden beim Fantasy Filmfest Kotztüten ausgeteilt. Und obwohl es sich dabei meistens nur um einen ausgelutschten Promogag handelt, zerren die letzten 30 Minute des Films so immens an den Nerven des Zuschauers, dass die Kotztüten auf einmal mehr wie eine echte Vorsichtsmaßnahme als wie blödes Marketing wirken. 

Die ersten 90 Minuten von Night of the Virgin wissen, nach einem spaßigen Beginn, aber nicht mehr wirklich etwas mit der ausschweifenden Laufzeit anzufangen. Gerade der Mittelteil de Films, in dem Niko (mit viel Einsatz gespielt von Javier Bódalo) versucht aus der Wohnung Medeas (Miriam Martín) zu fliehen, entwickelt sich zur Geduldprobe, weil Night of the Virgin hier kaum kreative Ideen offenbart und sich auch der zu Beginn durchaus ansprechende Humor immer mehr in Repetition verliert. 

So mündet der Film in seinem Mittelteil in minutenlange Hass- und Schimpftiraden der Figuren, die irgendwann nur noch zum großangelegten Gähnen verleiten. Es wirkt fast so als würden die Macher das Finale des Films nach nur so lang es geht hinauszögern, damit der Film auf eine kinoreife Laufzeit gestreckt wird. Die Ideen für die Ekeleffekte und das exzessive Filmfinale standen offenbar am Anfang des Kreativprozesses und werden trotz des immens geringen Budgets überzeugend auf die Leinwand gebracht. Die nachträglich darum gesponnene Geschichte hätte aber durchaus spaßiger und spannender ausfallen dürfen.

Fazit

Genrefans von exzessiven Ekelfilmen werden an "Night of the Virgin" vermutlich ihre Freude haben. Und durchaus: der Exzess und Aberwitz dieses Films lässt viele Genrevertreter weit hinter sich, die Inszenierung ist durchaus ansprechend und auch der Humor darf ab und an überzeugen. Die Laufzeit von 116 Minuten streckt diesen grotesken Wahnsinn aber so sehr in die Länge, das sich gerade der Mittelteil des Films eher durch müde Repetition und einen Mangel an Ideen auszeichnet und "Night of the Virgin" so oftmals zur müden Geduldsprobe degradiert. 

Autor: Thomas Söcker

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