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Krisha (Krisha Fairchild) taucht eines Tages vor der Haustür ihrer Schwester auf. Es ist der Morgen von Thanksgiving und die bereits im Haus versammelte Familie empfängt Krisha mit gemischten Gefühlen. Obwohl sie sich freuen, sie wiederzusehen, hängen unausgesprochene Geheimnisse und Vorwürfe in der Luft.

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Die Kamera tastet sich langsam in die allumfassende Schwärze des Bildes vor. Immer weiter in die Tiefe hinein, bis sie schließlich auf das Konterfei der titelgebenden Frau (Aufopferungsvoll und unverstellt: Krisha Fairchild, Dogfight) stößt: In ihren Tränensäcken, ihren weißen Locken, in jeder noch so kleinen Falte ihres Körpers hat sich ein Schmerz angestaut, der Krisha vollkommen für sich beschlagnahmt hat, wie sich kurze Zeit darauf an einer Träne manifestiert, die ihr langsam über die Wange hinabrinnt. Dass die Dunkelheit als Metapher für die Vergangenheit Krishas Pate steht, wird im weiteren Verlauf der Handlung deutlich und logisch, der blutjunge Regisseur und Drehbuchautor Trey Edward Shults (It Comes at Night) aber begeht niemals den Fehler, diesen düsteren Schleier zu lüften. Ganz im Gegenteil sogar ist Krisha ein Film, der ohne Achillesferse auskommt; Den man auf Herz und Nieren prüfen kann, ohne eine wirkliche Schwachstelle auszumachen.

Nach zehn Jahren Abwesenheit scheint Krisha den Mut gefunden zu haben, um ihrer Familie wieder unter die Augen zu treten. Allein der Weg, den Krisha von ihrem Auto bis zu ihren Angehörigen beschreiten muss, ist von Shults bereits dermaßen versiert in Szene gesetzt, dass hinsichtlich dieses Mannes kein Zweifel mehr daran besteht: Ja, ihm wird eine rosige Zukunft blühen. Krisha nämlich führt Selbstgespräche, in denen sie sich selbst antreibt und beleidigt; In denen sowohl ihre Unsicherheit freigelegt wird, aber ebenso der Mut dieser Frau, sich einer Vergangenheit zu stellen, die in der Gegenwart die größten Verletzungen hinterlassen hat. Nach kurzen Umarmungen, freudestrahlender Gesichter und Smalltalk ist es Krisha von nun an daran gelegen, graduell in das innerfamiliäre Geflecht einzutauchen und all die Diskrepanzen an die Oberfläche zu befördern, vor denen sich beide Parteien fürchten.

Beeindruckend gestaltet sich dabei der Umstand, mit welcher Akkuratesse Trey Edward Shults es beherrscht, die Audiovisualität als Spiegel der Seele zu verwenden. Ein nervöses Klirren, Knarren und Klingen greift die angstvollen Anwandlungen, die sich im Inneren von Krisha zusammenbrauen, genauso auf, wie die schnellen Schnitte, die dezentrierten Kameraperspektiven und die Zooms, mit denen hier geschickt gearbeitet wird. Das Seelenleben Krishas, ein Trümmerfeld, von dem im Prinzip primär ein Gesuch nach Absolution ausgeht, ist ohnehin der entscheidende Katalysator, der die gut 80-minütige Laufzeit antreibt. Allerdings prallen hier zwei (absolut nachvollziehbare) Fronten aufeinander, die nicht bereit sind, Illusionen zu bekräftigen – und genauso wenig, sie aufzugeben. Der gemeinsame Nenner, um miteinander zu interagieren, zu kommunizieren, ist vor Jahren bereits verloren gegangen.

Stattdessen gedeihen in der, vordergründigen, Gemeinschaft Schuldzuweisungen, Unruhe und Ablehnung. Zu Beginn möchte man noch dem Glauben erliegen, dass Krisha der Intention folgt, dass Wunden zuweilen aufgebrochen werden müssen, um wirklich heilen zu können. Trey Edward Shults allerdings zeigt hier vielmehr auf, dass es Situationen und Vorkommnisse im Leben gibt, in denen man sich nicht in der Verfassung sieht, seiner Mutter, seiner Schwester, seiner Tochter oder seinem Kind zu verzeihen. Und hier sieht sich im Angesicht von bitteren Wahrheiten auf äußerst eindringliche Weise ein Ideal zerschlagen, welches in der klassischen Tradition des amerikanischen Kino selbstverständlich als Heiligtum verehrt wird: Die heile Familie. Gerade im Kontext des Thanksgiving-Fests. Es bleiben Einsamkeit, Ablehnung und Selbstzerstörung bestehen. Der verlustreichste Kampf ist immer noch der, den man gegen sich selbst führt.

Fazit

Auf der Suche nach Vergebung begleitet Trey Edward Shults in seinem meisterhaften Debüt eine Frau, die gezwungen wird, dem Schmerz der Realität ins Gesicht zu sehen. Nicht nur versteht es "Krisha" das klassische Heile-Familie-Motiv des amerikanischen Kinos zu zerlegen, der Mann weist auch ein ungemein feinsinniges Gespür für intime Gefühlsbewegungen auf und zeichnet ein psychologisches Seelendrama, in dem nicht nur die famose Hauptdarstellerin beeindruckt.

Autor: Pascal Reis

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