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Sein erster Auftrag, nachdem er die Lizenz zum Töten erhalten hat, führt den MI6-Agenten James Bond (Daniel Craig) nach Madagaskar, wo er auf den Terroristen Mollaka (Sebastian Foucan) angesetzt wird. Zwar verläuft nicht alles nach Plan, doch als Bond auf eigene Faust weiter ermittelt kommt er auf die Spur von Le Chiffre (Mads Mikkelsen), dem Bankier einer weltweit operierenden Terror-Organisation. Dieser plant, das Vermögen seiner Organisation durch ein illegales Pokerspiel im „Casino Royale“ von Montenegro um ein vielfaches zu erhöhen, wofür natürlich auch ein hoher Einsatz nötig ist. Der MI6 sieht daher die Chance, die Terroristen in den finanziellen Ruin zu treiben und beauftragt James Bond, die Pläne von Le Chiffre zunichte zu machen.

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Kritik

Es beginnt in krisseligem Schwarz-Weiß, irgendwo in Prag, irgendwo in einem Hochhauskomplex, in dem verräterische Energien ihr Unwesen treiben. James Bond (Daniel Craig, Knives Out – Mord ist Familiensache) muss zwei registrierte Morde vorweisen, um seine Doppelnull-Lizenz zu erhalten. Wie ein Echo aus der Vergangenheit mutet diese monochrome Pre-Titel-Sequence an: Gnadenlos, ungeschliffen, eiskalt und vor allem notwendig. Ähnlich wie der ikonische Agent mit den stahlblauen Augen, den wir hier über eine Laufzeit von brachialen 140 Minuten begleiten. James Bond 007 – Casino Royale ist indes nicht nur Frischzellenkur für ein durch den sagenhaft missratenen James Bond 007 – Stirb an einem anderen Tag verunstaltetes Franchise. Er taugt glatt zur Renaissance, einfach weil er von den besten James Bond-Vertretern zehrt und gelernt hat.

Dieser James Bond, den erneut Martin Campbell (James Bond 007 - GoldenEye) in Szene setzen durfte, hat sich nicht von Sean Connery (James Bond 007 – Goldfinger) oder Roger Moore (James Bond 007 – Der Spion, der mich liebte) inspirieren lassen. Stattdessen erkennt er seine Vorbilder in der bisweilen sanftmütigen Verletzlichkeit eines George Lazenby (James Bond 007 – Im Geheimdienst Ihrer Majestät) und der grimmige Robustheit eines Timothy Dalton (James Bond 007 – Der Hauch des Todes). Genau deswegen ist dieser Film so derartig famos, weil er die Figur des James Bond genau dorthin entwickelt, wo man sie als Zuschauer auch endlich sehen möchte: Als einen Menschen, dessen soziale Inkompetenz schlussendlich Profilneurose ist. Nur auf den ersten Blick durchbricht Daniel Craig als wutschnaubende Dampfwalze mit dem Kopf voraus Wände.

James Bond darf sich wieder verlieben, um sich daraufhin von seinen Gefühlen misshandeln zu lassen. Unter der handwerklich absolut herausragenden Ägide eines Martin Campbell darf James Bond sogar kurzzeitig das Zeitliche segnen. Diese Waffe auf Beinen, wie M (Judi Dench, J. Edgar) ihren besten und gleichzeitig schwierigsten Mann im Dienste des MI-6 nennt, agiert genauso animalisch wie ambivalent und wandelt damit auf einem explosiven Grat zwischen Arroganz und Selbsterkenntnis. Ihm gegenüber steht mit dem Blut weinenden und den Terrorismus finanzierenden Le Chiffre (Mads Mikkelsen, Adams Äpfel) ein Zerrbild seiner selbst. Eigentlich kein echter Gegner, sondern vielmehr eine Spiegelung, dem es letztlich nicht um das Geld, sondern um das Siegen, den Wettbewerb, die Rivalität und die daraus resultierende Selbsterhaltung geht: Das Pokerspiel wird zur Abstraktion des manierierten Schwanzvergleichs.

Damit erschafft James Bond 007 – Casino Royale nicht nur eine zeitgemäße, vielschichtigen Doppelnull, sondern berichtet über die Kollision zweier (Über-)Egos auch von lächerlichen Männlichkeitsidealen, die seit jeher in die DNA der seit den frühen 1960er Jahre bestehenden Reihe eingemeißelt sind. Martin Campbell aber hat die legendäre Doppelnull zurück ins Leben geholt, um ihn mit dem Tod zu konfrontieren: Einmal durch das Gift im Drink, einmal durch den Verrat der Liebe. Allerdings nur deswegen, um ihn durch sein Scheitern wachsen zu lassen. Die Action selbst brilliert dabei nicht nur durch eine eindrucksvolle Körperlichkeit. Sie wird in ihrer handwerklichen Ausgereiftheit auch genutzt, um den Charakter des James Bond weitergehend zu definieren, zu schleifen und die Weichen für einen Weg zu stellen, der ihn in seinem Schmerz lebendiger denn je erscheinen lässt. Ein Triumph.

Fazit

Mit "James Bond 007 – Casino Royale" holt Martin Campbell den Doppelnull-Agenten zurück ins Leben, um diesen in seinem Schmerz lebendiger denn je erscheinen zu lassen. Animalischer, ambivalenter und spannender war James Bond nie, was zum einen daran liegt, dass Martin Campbell sich hier nicht nur als hervorragender Action-Regisseur beweist, sondern gezielt von den besten James-Bond-Vertretern gelernt hat. Herausgekommen ist dabei ein brachialer Triumphzug, der nicht nur als Frischenzellenkur für ein angestaubtes Franchise, sondern glatt zur Renaissance taugt. Hut ab. Groß.

Autor: Pascal Reis

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