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Die junge Krankenschwester Betsy nimmt einen Job auf einer Karibikinsel an, bei dem sie sich um die Frau des Plantagenbesitzers Paul Holland kümmern soll. Diese ist nach einem Koma durch Tropenfieber eigentlich nur noch körperlich anwesend. Motorisch nicht eingeschränkt wirkt ihr Geist wie tot. Entgegen der Warnung von Hollands Mutter ersucht sie die Hilfe der Voodoo-praktizierenden Arbeiter, in der Hoffnung auf Heilung für ihre Patientin.

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Ein Jahr nach Katzenmenschen drehte Jacques Tourneur einen weiteren Klassiker des Horrorfilms, der sich ein bis dato eigentlich nur durch White Zombie (1932) und auch danach lange kaum verwendetes Thema zunutze machte. Das Mysterium des lebenden Toten, des Zombies, das seinen Ursprung im Voodoo-Kult hat. Mit dem maßgeblich durch George A. Romero (Night of the Living Dead) seit den späten 60ern geprägten, popkulturellen Bild des nach Menschenfleisch gierenden, durch einen Biss Lebende transformierenden, gerne in Rudeln auftretenden Ungeheuers hat dies wenig bis eigentlich nichts gemeinsam. Die dem nur grob zugrundeliegende Legende des Zombies beruht auf Tatsachen und ist ein neurologisches wie psychologisches Phänomen, dass auch ohne fiktionale Abwandlung erschreckend und unheimlich genug ist.

Filmhistorisch bis heute erstaunlich selten genutzt, auch da sich alle modernen Zombiegeschichten mehr oder weniger auf das Romero’sche Bild berufen und keinerlei Bezug zu seinem historischen Unterbau besitzen. Und wenn, oft auch dem Reiz erlegen es als übernatürlichen Spuk darzustellen. Als Paradebeispiel lässt sich Wes Cravens 1988 erschienener Die Schlange im Regenbogen herbeiziehen, der lange auf eine sehr faszinierende - und trotz seines realen Backrounds – psychedelische, surreale Reise durch die unerforschte Welt des Voodoo-Kult aus Haiti schickte, um dann leider in einem enttäuschenden Geisterbahn-Showdown zu münden (wobei sich Craven hier dem Druck des Studios beugen musste, rückwirkend betrachtend ein echtes Dilemma). Jacques Tourneur bestreitet hier, 45 Jahre zuvor, einen zumindest grob vergleichbaren Weg, inklusive seines Finales, das somit nicht dem vorher Erhofften ganz gerecht werden kann.

Krankenschwester Betsy (Frances Dee, Four Faces West) zieht es beruflich vom modernen Kanada auf eine paradiesische Karibikinsel, auf der die Folgen von Kolonialisierung und Sklaverei seine (sub)kulturellen Spuren hinterlassen hat. Zwangsarbeit, das Master-und-Sklaven-Bild existiert im eigentlichen Sinne nicht mehr, die Rollen sind historisch geprägt dennoch nur geringfügig verändert. Ihr neuer Arbeitgeber, Plantagenbesitzer Paul Holland (Tom Conway, Prinz Eisenherz), ist Teil eines dort seit Generationen herrschenden Familienclans; die Nachfahren der einst aus Afrika entführten Diener bilden heute noch die zwar freie, dennoch von der Gunst und dem Lohn der Weißen abhängige, als primitiv wahrgenommene Unterschicht. Pauls (angeblich) durch Tropenfieber in einen katatonischen Zustand verfallene Ehefrau soll versorgt werden, eine Chance auf Heilung scheint aus schulmedizinischer Sicht ausgeschlossen. Wenn es jemand wissen muss, dann die Mutter des Hauses (Edith Barrett, Jane Eyre), die die Apotheke der Insel betreibt. Sie warnt Betsy eindringlich, nicht den Rat des schwarzen Volkes herbeizuziehen, deren exotische Praktiken eventuell der noch verbliebende Strohhalm für ihre Schutzbefohlene sein könnten. Wie sich herausstellt, aus gutem Grund.

In der sehr überschaubaren Laufzeit von aufgerundet 66 Minuten bleibt logischerweise wenig Raum für einen ausführlich aufgebauten Plot, in dem trotzdem noch bemerkenswert viele Ansätze ihren Platz finden. Der historisch interessante Hintergrund wird nicht nur angerissen, er ist sogar der moralische Kern- und Angelpunkt. Die besser gestellte, „überlegene“ Herrenrasse glaubt das Volk der „Wilden“ manipulieren und lenken zu können, verfällt stattdessen derer als Mumpitz abgetanen Praktiken und schaufelt damit der eigenen Sippe teilweise das Grab. Für die knappe Zeit erzählerisch geschickt versteht es Tourneur diesen Aspekt in den Mittelpunkt zu rücken, obwohl da noch die klassische, tragische Liebesgeschichte und der missgünstige Familienkonflikt beheimatet werden wollen. Ins rechte Bild gerückt durch großartige schwarz-weiß Fotographien mit Parallelen zum Film Noir (was er selbst vier Jahre mit Goldenes Gift eindrucksvoll bestätigen sollte) und unterlegt vom stets präsenten, rhythmischen Trommeln der jenseits des Feldes stattfindenden Zusammenkünfte. Noch in der Realität sehr verankert versteht es Ich folgte einem Zombie die spannende Facette der „Schwarzen Magie“ in den damaligen Zeitkontext zu versetzen.

Zu banal erscheint dagegen das Finale, in dem das bereits erwähnte Hokuspokus-Problem negativ auffällt. Natürlich ist das hier ein (zudem sehr früher) Genre-Film mit leichtem Pionieranspruch und ihm dessen Standards vorzuwerfen scheint vermessenes, unrealistisches Wunschdenken zu sein. An anderer Stelle wäre das vielleicht sogar erwünscht. Doch Ich folgte einem Zombie erfasst den Themenkomplex eigentlich viel zu anspruchsvoll, clever aufgebaut, technisch versiert und mit einem reichhaltigen Potenzial versehen, als ihn - im Prinzip – so schlicht versanden zu lassen. Letztlich wird es auch nur – Entschuldigung für die Ausdrucksweise, die hier jedoch so impliziert wird – auf Buschmann-Hexerei reduziert. Dramaturgisch wie moralisch natürlich für seine Zwecke passend verwendet, unabhängig davon zu dünn verhökert. Die wahre Geschichte des Zombies wird stark tangiert und leider plötzlich fallen gelassen.

Fazit

Cineastisch betrachtet natürlich ein Klassiker, begründet auf seinem reizvollen, (immer noch) selten so behandelten Inhalt, dem Subtext und dem inszenatorischen Geschick seines Regisseurs. Das ist derartig ambitioniert, dass er praktisch nur am eigenen (und auch in dem an ihn gesetzten) Anspruch scheitern könnte. Ich folgte einem Zombie ist ein in erster Linie vom Ansatz sehr spannender, handwerklich erstklassig umgesetzter Film, der hinter seinen Möglichkeiten zurück bleibt.

Autor: Jacko Kunze

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