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Quelle: themoviedb.org

Inhalt

Über eine Kontaktanzeige lernt die einsame, übergewichtige Krankenschwester Martha den attraktiven Charmeur Ray kennen. Dieser entpuppt sich als Betrüger und Heiratsschwindler, der gezielt Frauen wie sie ausnimmt. Bei ihr ist es diesmal jedoch anders: Die Beiden werden zu Partnern, die sich gemeinsam an unglücklichen Damen aus der Mittelschicht bereichern. Bald bleibt es nicht mehr nur bei Betrügereien und es folgen die ersten Mordopfer.

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Quelle: themoviedb.org

Kritik

Als „The Lonely Hearts Killers“ erlangte das Pärchen Martha Beck und Ray Fernandez Anfang der 50er Jahre kriminalhistorische Berühmtheit. Gemeinsam nahm das Pärchen einsame Damen aus. Ray umgarnte die alleinstehenden Frauen, welche er über Kontaktanzeigen kennen gelernt hatte, während Martha sich als seine Schwester ausgab. Mit der Zeit gingen die Beiden dabei immer skrupelloser vor, was schließlich in eiskalten Morden endete. Am Ende konnten ihnen drei von vermutlich mehr Tötungsdelikten bewiesen werden, wofür sie 1951 auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet wurden.

Mit The Honeymoon Killers erzählt der eigentlich als Opernkomponist tätige Leonard Kastle ihre Geschichte. Er verfasste das auf den bekannten Fakten basierende Script und war ursprünglich überhaupt nicht für den Regieposten vorgesehen. Diese Position hatte anfangs niemand andere als der damals noch unbekannte, spätere Meisterregisseur Martin Scorsese (The Irishman) inne. Nach einigen Drehtagen wurde er allerdings entlassen, da früh ersichtlich wurde, dass er den straffen Drehplan und das schmale Budget dieser durch eine private Spende von 150.000 $ finanzierten Independent-Produktion nicht würde einhalten können. So übernahm der Quereinsteiger Kastle direkt selbst den Job. The Honeymoon Killers blieb sein einziger Ausflug ins Filmgeschäft, was bei Betrachtung dieses ungeschliffenen Rohdiamanten ziemlich verwunderlich ist. Der kommerzielle Erfolg blieb seinerzeit natürlich aus und auch die Kritik reagierte eher ablehnend auf diese grobe Low-Budget Perle, die heute von vielen als Kultfilm betrachtet wird. Mit Recht, denn was Leonard Kastle mit seinem ersten, einzigen und letzten Film geschaffen hat ist ein ähnlich kontroverser, radikaler und wegweisender Skandalfilm der 70er wie auch Blutgericht in Texas, Das letzte Haus links oder Ein Kind zu töten.

In erdrückenden, manchmal durch ihren Realismus beinah semi-dokumentarisch anmutenden, exzellenten Schwarz-Weiß-Montagen ist The Honeymoon Killers mehr als nur ein Serienkiller-Roadmovie. Es ist eine garstige, spöttische Abrechnung mit amerikanischer Kleinstadtidylle und prüden Moralvorstellungen. Kein New-Hollywood, sondern ein wahres Anti-Hollywood-Movie. Seine Protagonisten sind zwei gewissenlose Monster, hässlich von innen und außen. Gierig, skrupellos und verdorben, der Alptraum eines sauberen, schönen und gottesfürchtigen Amerikas. Mit nüchternen Grausamkeiten wird nicht gegeizt, nie versucht mit den Figuren zu sympathisieren, sondern ihre abscheulichen Taten werden ohne Kompromisse gezeigt. Das ist abschreckend und verstörend, indes aber längts nicht so reißerisch wie vermutet und gleichzeitig wird auch kein falsches Mitleid mit den Opfern geheuchelt. Denn der Film hält auch der naiven, spießigen und oftmals sogar bigotten Mittelschicht den Spiegel vor. Ist von ihr genauso angewidert wie von den Taten seiner Antihelden. Diese Paradoxität findet sich auch in der Beziehung von Martha (Shirley Stoler, Klute) und Ray (Tony Lo Bianco, French Connection – Brennpunkt Brooklyn) wieder.

Sie, eine übergewichtige, nach herkömmlichen Standards unattraktive und frustrierte Krankenschwester und er, ein schmieriger Latino-Heiratsschwindler und Witwenpreller, passen überhaupt nicht zusammen und streben ursprünglich nach völlig anderen Dingen. Während Martha sich insgeheim wirklich nach einem schönen, normalen Leben wie aus dem Bilderbuch sehnt, ist für Ray dies die Hölle auf Erden („Ein kleines Gefängnis hinter dem anderen, mir drei Metern Gras dazwischen“). Er wäre aber wohl immer nur der kleine Betrüger und Sparbuch-Abräumer geblieben, hätte sie mit ihrer Eifersucht und verzweifelten Sehnsucht sie nicht zu eiskalten Mördern gemacht. Das Resultat ist eine Eigendynamik mit völligen Kontrollverlust. The Honeymoon Killers ist im Kern eine fatale, eine tieftragische Liebesgeschichte von grober Intensität und mit einer erschütternden Konsequenz vorgetragen. Für seine Mittel, zu seinem Entstehungszeitpunkt wahrlich beeindruckend und auch heute noch wahnsinnig intensiv.

Fazit

Was für ein Monstrum. „The Honeymoon Killers“ ist selbst für New Hollywood-Verhältnisse noch ganz krasser Tobak, den man selbst im Independent-Bereich kaum finanziert bekommen hätte. In Studiohänden in dieser Form völlig unmöglich und nicht nur deshalb seiner Zeit weit voraus. Nicht, weil das hier so ein expliziter Schocker wäre, sondern weil seine ganze Art so schroff, ehrlich und gleichzeitig von erstaunlich hoher, innerlicher Komplexität ist - und man gleichzeitig kein Stück versucht, sich für den Erfolg irgendwie zu verbiegen. Das ist richtig großes, kleines Kino. Provokant, authentisch, lebendig, unbequem und von zeitloser Qualität.

Kritik: Jacko Kunze

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