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Inhalt

Das Porträt einer verwundeten Stadt in rätselhaften Bildern: In ihrem Zentrum stehen Brüssel und die eindringlichen Geschichten über die verlorenen Seelen der Stadt.

Kritik

Distanz existiere nicht mehr, sagt eine Sozialarbeiterin mit nüchterner Beobachtermiene zu dem ergrauten Hausarzt Wannes (Willy Thomas, Meisje), während sie über den Terroranschlag in Belgiens Hauptstadt sprechen. Die Bedrohung ist zugleich unwirklich und unmittelbar, angreifbar und dennoch omnipräsent in Gestalt bewaffneter Soldaten in der U-Bahn. Sie überträgt sich in den öffentlichen Diskussionen, die für den jugendlichen Mehdi (Hamza Belarbi) zum Schulunterricht gehören, und in den Politdebatten, welche die junge Alba (Alba Rohrwacher, Figlia Mia) täglich im Parlament übersetzt. Dumpfe Angst hängt gleich einer düsteren Wolke über der diesigen Stadt, die Kameramann Nicolas Karakatsanis in trüben Grau- und Brauntönen festhält. Brüssel, tote Stadt.

Die Protagonisten irren wie Schatten ihrer selbst durch die bedrückende Kulisse, die Bas Devos von der hässlichsten Seite zeigt. Nachdem er vier Jahre zuvor sein Spielfilmdebüt bei Berlinale Generation vorstellte, kehrt der belgische Regisseur und Drehbuchautor mit seinem zweiten Werk zum Festival zurück, diesmal ins Panorama. Der Dialogkommentar zur fehlenden Distanz ist ein Schlüsselsatz seines unterkühlten Ensemblestücks. Dessen Figuren driften betäubt von undefiniertem Schmerz aneinander vorbei, ohne die Parallelen zum Leid der anderen zu erkennen. Ihre Existenzen streifen einander, doch verweben sich nie. Nicht zuletzt aufgrund jener losen Struktur bleibt die minimale Handlung ein unvollständiges Mosaik bestückt mit bruchstückhaften Episoden.

Die zahlreichen Leerstellen der depressiven Figurencollage füllen Objektaufnahmen, die unter der Last implizierter Symbolik ächzen. Noch mehr als Protagonisten quält sich der Plot, denn Devos filmische Notiz eines längst bekannten Zustands hat wenig auszusagen und noch weniger zu erzählen. Eingeengt durch undurchdringliche Charakterhülsen, kann selbst eine herausragende Darstellerin wie Rohrwacher ihr Potenzial nicht entfalten. Fast scheint es, die lähmende Apathie im Zentrum des statischen Dramas übertrage sich von den Charakteren auf die Inszenierung und von dort unweigerlich auf das Publikum. Das plagt sich im Kinosaal mit dem Eindruck wortwörtlich einschläfernden Stillstands, der die unter eineinhalb Stunden Laufzeit unendlich länger wirken lässt.

Fazit

Stadtporträt und Personenskizzen arrangiert Bas Devos zu einem filmischen Konspekt, das unter der Last der eigenen symbolischen und ästhetischen Gewichtigkeit einknickt. Weder den Protagonisten noch ihren von Isolation, Betäubung und Perspektivlosigkeit geprägten Schicksalen lässt das stilisierte Zeitbild Raum zur Entfaltung. Paradoxerweise spiegelt die introvertierte Inszenierung den Eindruck quälender Enge, den abweisende Kulissen und stumpfe Farben wecken. Ein düsteres Register der Depression, das jedes Bedürfnis nach Einsicht, Auflösung oder auch nur Bewegung frustriert.

Autor: Lida Bach

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