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Bei einem missglückten Banküberfall wird Connies jüngerer Bruder von der Polizei gefasst und ins Gefängnis gebracht. In einer Nacht voller Adrenalin beginnt für ihn eine Odyssee durch New Yorks Unterwelt und ein spannungsgeladenes Spiel auf Zeit, bei dem Versuch, seinen Bruder gegen die Zahlung einer Kaution aus dem Gefängnis zu holen.

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Kritik

Mit einem beinahe gemächlichen Schuss-Gegenschuss-Dialog eröffnen die Regie-Brüder Ben und Joshua Safdie (Heaven Knows What) ihren neuen Film Good Time. Die Therapiesitzung zwischen einem behandelnden Arzt und einem offenbar geistig behinderten jungen Mann wird von ungewohnter Ruhe durchzogen, die man normalerweise kaum mit dem chaotischen, meist höchst desorientierenden Stil der Safdies in Verbindung bringen würde. Nach wenigen Minuten findet diese verdächtige Ordnung allerdings ein jähes Ende, als der Bruder des Patienten namens Nick in den Raum platzt und diesen unter lautem Protest mit sich aus dem Gebäude schleppt. 

Ein abrupter Zoom auf das Gesicht von Nicks Bruder Connie markiert als Einführung der Figur die Rückkehr der inszenatorischen Markenzeichen des Regie-Duos, die sich schlagartig einen Weg in die Geschichte des Films bahnen. In nervösen, unruhigen Handkameraeinstellungen schildern die Safdies anschließend einen maskierten Banküberfall der beiden Brüder, welcher wenig überraschend nach hinten losgeht. Eine unbemerkte, explodierende Farbbombe in der Geldtasche sorgt dafür, dass sich Connie und Nick mit roter Farbe bedeckt auf eine Flucht durch die Straßen und Läden New Yorks begeben. Am Ende dieser Flucht erfolgt die Festnahme von Nick, der von der Situation überfordert durch eine Glasscheibe rennt und bewusstlos gestellt wird. Um die Kaution für seinen Bruder bezahlen zu können und diesen aus dem Gefängnis zu holen, muss Connie innerhalb der nun anbrechenden Nacht 10 000 Dollar beschaffen, während er selbst noch von der Polizei als flüchtiger Verbrecher gesucht wird.

Im Gegensatz zu ihren vorherigen Filmen, die in der Regel von schonungslosem, mitunter schmerzhaftem Realismus geprägt waren und keinen herkömmlichen Genres zugeordnet werden konnten, legen die Safdies ihre fünfte gemeinsame Regiearbeit als rastlosen Gangster-Thriller an. Mit der überwiegend nervösen Getriebenheit von Protagonist Connie erscheint Good Time zumindest inhaltlich als Vertreter des klassischen 70er-Jahre-Genrekinos, in dem aufgrund von unentwegten Fehlentscheidungen eine bittere Abwärtsspirale als Konsequenz entsteht. Auch Connie reiht sich mühelos in die Riege jener Figuren dieser filmischen Ära ein, die in hektischen Situationen aus impulsiver Unüberlegtheit handeln und immer tiefer in eine nahezu ausweglose Katastrophe rutschen.

Robert Pattinson (Cosmopolis) spielt den optisch verschlagenen New Yorker Kleinkriminellen, dessen Vergangenheit die Regisseure genauso unkonkret halten wie die seines geistig benachteiligten Bruders Nick, herausragend als verdorbenen, naiven Charakter, der für seine Ziele ebenso als perfider Manipulator vorgeht wie er immer wieder kurz davorsteht, seinen eigenen Kopf zu verlieren. Dem Zuschauer bleibt in diesem Zusammenhang selbst überlassen, ob er das Verhalten der Figur als liebevolle, selbstlose Aufopferung für dessen Bruder deutet oder zu dem Entschluss kommt, dass er das Leben von sich und Nick absichtlich erheblich gefährdet und zum noch Schlechteren wendet. 

Connies gehetzte Odyssee durch das Nachtleben der Millionenmetropole, die von diversen Komplikationen und ständigen neuen Verwicklungen begleitet wird und bei der der Erzählfluss gelegentlich auch radikal ins Stocken gerät, denken die Safdies dabei zuallererst in Bildern und Tönen. Das stellenweise recht altbekannte, konventionelle Handlungsgerüst zerlegen die Regisseure hierbei auf handwerklicher Ebene in Einzelteile, dem das Duo mit betont überstilisierten Mitteln eine fiebrige Energie injiziert. Der durch zahlreiche close-ups und entfesselte Handkameraaufnahmen entstehende Eindruck eines hyperrealistischen Szenarios wird unentwegt durch spiegelnde Reflektionen, fluoreszierende Neonlichter oder befremdliche Schwarzlicht-Impressionen aufgebrochen. 

Angepeitscht oder eindringlich rhythmisiert werden die virtuos zwischen dreckigem Realismus und grellem Surrealismus schwankenden Einstellungen zusätzlich von Daniel Lopatin. Der unter seinem Künstlernamen besser als Oneohtrix Point Never bekannte Musiker bereichert Good Time mit einem elektronisch-experimentellen Score, der klingt, als hätte man die Synthesizer-Stücke eines John Carpenter (Assault - Anschlag bei Nacht) aus den 80ern unter dem Einfluss aufputschender Drogen neu interpretiert und zu albtraumhaft übersteuerten Kompositionen verzerrt, die unmittelbar sowie geradezu körperlich spürbar in die Ereignisse hereinbrechen. 

Es ist dieses Gefühl, als würde der gesamte Film immer wieder ungezügelt aus dem Ruder laufen und ebenso hypnotisch wie ekstatisch über den Zuschauer hereinbrechen, den die Safdies als ästhetischen Dauerzustand verstanden wissen wollen und mit dem sie Good Time vor allem für ein Publikum konzipiert haben, das den inszenatorischen Taumel anstelle der erzählerischen Greifbarkeit schätzt.

Fazit

„Good Time“ ist der beste Beweis dafür, wie das Medium Film in erster Linie aufgrund der inszenatorischen Möglichkeiten über schlichte Konventionen eigentlicher Inhalte bestimmen kann. Die Regie-Brüder Ben und Joshua Safdie schicken einen glänzend aufgelegten Robert Pattinson als naiven, unüberlegten und doch immer wieder perfide improvisierenden Kleinkriminellen durch eine gehetzte, drastische Odyssee durch das New Yorker Nachtleben. Angetrieben wird der recht gewöhnliche Thriller-Plot hierbei durch die zügellose Form, bei der nervöser Hyperrealismus, hypnotischer Surrealismus und experimentelle Ausreißer für die nötige fiebrige Energie sorgen, um das Werk nach der Sichtung noch für einige Zeit im Kopf des Zuschauers zu verankern.

Autor: Patrick Reinbott

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