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Goldie ist ein Star. Auf jeden Fall für ihre kleinen Schwestern Sherrie und Supreme. Und ganz bestimmt bald auch für den Rest der Welt. Davor muss sie sich nur noch den goldenen Pelzmantel besorgen, auf den sie ein Auge geworfen hat. Und eine Rolle als Tänzerin in einem Hip-Hop-Video ergattern. Und verhindern, dass ihr das Jugendamt Sherrie und Supreme wegnimmt, nachdem ihre Mutter verhaftet worden ist. Gar nicht so leicht, an einem solchen Traum festzuhalten, wenn einem das Schicksal solche Steine in den Weg legt. Mit Goldie hat der niederländische Regisseur Sam de Jong einen waschechten New York-Film abgeliefert: rau und glamourös, schonungslos realistisch und unbeirrbar optimistisch, mit viel Herz und mindestens genauso viel Attitüde.

Kritik

Trotz der Tonnen krampfhaft implementierten Sozialdramas, Sozialkommentars und Sozialaktivismus ist Sam de Jongs zweiter Spielfilm kaum mehr als ein Vehikel für Model und Instagirl Slick Woods. Woods, bei all ihrer Energie, Ausstrahlung und kreativen Vielseitigkeit, ist kaum mehr als ein Werkzeug der Selbstbestätigung und -präsentation des Regisseurs (Prins) und Stepping Stone auf seinem Weg zum Status des Kinoregisseurs, eine Plakette, die kurioserweise immer noch ein bisschen heller glänzt als die des Video-Regisseurs. Da scheint es richtiggehend legitim, dass auch Woods das Projekt offenbar mehr als ein Mittel zur popkulturellen Projektion und Sprungbrett in die Schauspielszene betrachtet. 

Es wird zum unabsichtlichen Running Gag, dass diese Situation im Grunde die Gleiche ist wie die der Handlung. Letzte besteht essenziell aus einer austauschbaren Abfolge stylisher Großstadtaufnahmen mit der Titelheldin (Woods), die zunehmend verzweifelt versucht, andere auf ihrem Weg zum Ruhm als Sängerin andere zu rekrutieren, ohne selbst dabei ausgenutzt zu werden. Das klappt nur bedingt in einem Filmkosmos, in dem nahezu alle Figuren ähnliche Absichten und eigene Ambitionen haben. Frei von jedem Opportunismus sind einzig die kleinen Geschwister, die Goldie ein altruistisches Motiv geben. Sie will die bessere Zukunft nicht für sich, sondern ihre Familie. 

Diese Gutherzigkeit assimiliert endgültig eine Filmfigur, deren Unangepasstheit und Eigenwilligkeit von Anfang aufgesetzt wirken. Goldies auffälliger Look und couragiertes Auftreten sind eine Verlängerung von Woods Social-Media-Persona: ein ausgefeiltes Konstrukt, entworfen und umgesetzt von einem Team aus Fotografen, Make-up-Artists, Stylisten und Modedesigner. Nicht zu vergessen de Jong, der Goldie - Kunstfigur verkörpert von einer Kunstfigur - mal in neonbeleuchteten, mal in spielerisch verfremdeten, mal in urbanen Settings in Szene setzt wie für ein Fashion Shooting und gleichzeitig als Underdog einen fiktiven Hintergrund liefert, der sie von den Modewelt-Makeln der Eitelkeit, Oberflächlichkeit und Käuflichkeit absolviert.

Fazit

In betont cooler Musikvideo-Optik entwirft Sam de Jong eine spielfilmlange Imagekampagne für sich selbst und Hauptfigur Slick Woods. Deren Verkörperung der Jugendlichen beschränkt sich auf die repräsentativen Posen, mit denen die Instagram-Celebrity bekannt wurde. Dass tot und begraben unter den Schichten über Schichten an kalkuliertem Narzissmus und synthetischer Authentizität noch eine relevante Geschichte über den wirtschaftlichen Überlebenskampf einer jungen Frau liegt, dient genauso Werbezwecken wie die Botschaft von „Empowerment“. Die einzige Ermächtigung ist hier die der Marketingindustrie.

Autor: Lida Bach

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