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Die wahre Geschichte des Ron Konvic, der als Patriot in den Vietnamkrieg zieht, als Krüppel heimkehrt und zu einem Friedensaktivisten wird.

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Kritik

Führt man sich die inoffizielle Trilogie zum Thema Vietnam von Oliver Stone zu Gemüte, dann bemerkt man schnell, dass hier ein Filmemacher zu Werke geschritten ist, der voll und ganz versteht, was er dem Zuschauer zu vermitteln glaubt. Oliver Stone war selber an der Front, wurde zweimal verwundet und schleppte sich als Teil nationaler Desillusion zurück in die Vereinigten Staaten, wo die John-Wayne-Ideologie, die Romantisierung des zweiten Weltkrieges und die passionierte Kommunistenhatz der Väter jener Heimkehrer, brachlagen. 

Platoon, in dem Stone seine grauenvollen Erfahrungen zum ersten Mal filmisch verarbeitete, wurde trotz seiner kontroversen Tonalität mit hochkarätigen Auszeichnungen bestätigt und ging zu Recht als Meilenstein des (Anti-)Kriegskino in die Annalen der Kinematographie ein. Stone war es vor allem daran gelegen, die Sinnlosigkeit dieses Krieges als einen kräftezehrenden Marsch durch das Tal der Finsternis, auch für den Zuschauer gibt sich Platoon als ein echter Höllentritt, zu manifestieren und jener Faszination des Krieges auf den Zahn zu fühlen.

Bevor Stone dann in Zwischen Himmel und Hölle von 1993 die riskante Beziehung zwischen einem Amerikaner und einer Vietnamesin dokumentierte, nahm er sich 1989 mit Geboren am 4. Juli der Lebensgeschichte von Ron Kovic an, in dessen Entwicklung sich auch Oliver Stone persönlich reflektierte. Stone gliedert die Biografie des Ron Kovic in drei markante Abschnitte: Von der Kind– und Jugendzeit, über die Rekrutierung und den Einsatz wie Lazarettaufenthalt, bis hin zur Heimkehr. Dabei nimmt der Aspekt des Heimkehrers und seine Wandlung die größte Spannweite ein – zeitlich wie thematisch gesehen. 

Gut eine Stunde benötigt Stone dabei, um ein Vorstadtidyll wie aus dem Bilderbuch zu zeichnen, dass sich in seiner karikaturesken Kreation beinahe wie eine plakative Gesellschaftssatire lesen lässt und Ron Kovic (Tom Cruise) vom strömenden Regen in den Abschlussballsaal mit „Moon River“-Begleitung hetzen lässt, um seiner Liebsten noch schnell einen dicken Schmatzer zum Abschied aufzudrücken. Danach geht alles Schlag auf Schlag: Kovic wird verwundet und landet als Krüppel in der menschenunwürdigen Pflegeeinrichtung – Doch er hält weiterhin an Vietnam und seiner Signifikanz fest.

Es wird schnell deutlich, dass Stones dramaturgische Methodik dem Reißbrett entsprungen sein könnte und die emotionale Stadien wie bei einem Malen-nach-Zahlen-Aquarell mit selbstbewussten, aber durchweg absehbaren Pinselstrichen durchführt. Sein Vorteil ist eben, dass er, trotz holzschnitzartiger Verzweigung der Psychologie seines Protagonisten, zum einen das immer Richtige postuliert und beabsichtigt und zum anderen dabei eben auch fast durchgehend authentisch und ehrlich wirkt. Es wäre dennoch keine Lüge, würde man Geboren am 4. Juli in seiner informalen Progression als schlichtweg banal bezeichnen.

De facto krankt Geboren am 4. Juli nun mal an seiner permanenten Banalität in Sachen Charakter-Entwicklung, mit Subtilität hatte es Stone ja ohnehin nur sehr, sehr selten – Aber er ist ein verdammt effektiver Filmemacher. Ist Kovic in seinem Rollstuhl wieder zu  Hause angekommen und die emotionale Kontrastierung wie ihre Nachbeben im Lazarett, die damit beginnt, dass Vietnam wie ein fremder Planet im Nirgendwo koloriert wird, hinter sich gebracht, werden wir Teil, wie Kovic sich darin versucht, in seiner alten, ihm vertrauen, mit jugendlicher Unbekümmertheit verbundenen Heimat als neuer, gebrochener Mensch zu bestehen, sich von Neuem zu akklimatisieren.

In diesem Abschnitt, der quasi dritten Episode, gefällt Geboren am 4. Juli am meisten, zeigt er doch die tiefe Erschütterung eines Landes, das sich in tiefster Verzweiflung wieder zusammenraufen muss und durch Ron Kovac, einem Einzelschicksal, einen universellen, ungemein wichtigen Appell herauskristallisiert. Geboren am 4. Juli stützt sich dabei ganz auf die Schultern des noch blutjungen Tom Cruise, dessen Performance zwischen reinrassigem Overacting und tiefschürfendem Charakter-Porträt nach Lust und Laune flaniert. Die Botschaft hingegen changiert zu keiner Zeit zwischen einer zweifelhaften und akzeptablen Artikulation.

Der immer schon politisch-motivierte Stone stemmt sich gegen Vietnam, er bäumt sich auf und spricht Tacheles. Besonders lobend zu erwähnen ist dabei die Tatsache, wie Stone es gelungen ist zu entfalten, dass man durchaus Patriot sein darf und sich trotzdem gegen den Krieg, das Massengrab Vietnam, stemmen kann. Dass beides immer in Relation zueinanderstehen muss, also wer sein Land liebt, muss auch mit breiter Brust in den sicheren Tod ziehen, ist ein Irrglaube, mit dem Stone hier endgültig aufräumt.

Fazit

Der zweite Teil von Oliver Stones Vietnam-Trilogie besticht vor allem durch Stones Inbrunst, zu verdeutlichen, dass man durchaus Patriot sein kann und sich trotzdem gegen den Krieg auflehnen darf. Geboren am 4. Juli fühlt sich dabei durchweg an wie die Verfilmung eines Bildungsromans, bleibt zwar oft palaktiv, denn mit Subtilität hatte es Stone ohnehin nicht sonderlich, hat aber die besten Absichten - und formuliert diese auch zumeist sehr gekonnt.

Autor: Pascal Reis

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