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Neal Page (Steve Martin), gestresster Angestellter in einer Werbeagentur, möchte Thanksgiving zu Hause bei seiner Familie in Chicago verbringen. Was als kurzer Flug geplant ist, endet in einem heillosen Chaos. Und das Chaos hat einen Namen: Del Griffith (John Candy). Der geschwätzige, aber trotzdem liebenswerte Vertreter führt Neal nicht zu seinem ersehnten Truthahn, sondern auf eine pannenreiche Reise durch das ganze Land.

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Wenn man sich den Kanon von John Hughes' Filmen ansieht, wird Ticket für Zwei gerade in Deutschland eher etwas stiefmütterlich behandelt. Während Breakfast Club oder Ferris macht blau zu absoluten Klassikern der 80er-Jahre-Filmen gehört, haben die meisten von Ticket für Zwei wahrscheinlich noch nie gehört. Das hat viel damit zu tun, dass es sich dabei zumindest oberflächlich um einen Feiertagsfilm handelt: Der von Steve Martin (Reichtum ist keine Schande, Drei Amigos) gespielte Neal will alles tun, um Thanksgiving bei seiner Familie zu verbringen! Wie rührend! Blöd nur, dass sich in Deutschland so wirklich gar niemand für Thanksgiving interessiert. Damit ist der Film wohl schon seit jeher nicht besonders stark beworben worden und wird auch nicht wie andere Feiertagsfilme alle Jahre wieder aus der Kiste gezogen und im Fernsehen wiederholt. Dabei wird Thanksgiving in dem Film eigentlich kaum erwähnt und dient nur als vage Motivation, ist reine Hintergrundatmosphäre.

In seinem Herzen ist Ticket für Zwei aber vor allem ein Road Movie und eine Buddy Comedy – und eine, die überraschend gut gealtert ist. Das zeigt sich vor allem, wenn man Ticket für Zwei mit dem 23 Jahre jüngeren Remake Stichtag vergleicht. Während sich Stichtag über weite Strecken auf Star-Power, Cameos und slapstickhafte Gewalt verlässt um einen Eindruck zu hinterlassen, steckt hinter Ticket für Zwei ein bisschen mehr Subtilität – wenn man im Kontext einer schrillen Komödie davon überhaupt sprechen kann. Während beispielsweise in Stichtag ein Charakter in eine lachhafte Bredouille gebracht wird, indem ihm von einem Kriegsveteranen im Rollstuhl die Fresse poliert wird, passieren zu einem vergleichbaren Zeitpunkt im Film Ticket für Zwei relativ harmloses: Ein Charakter steckt in der Dusche fest und braucht ein Handtuch. Diese Situation ist aber so viel lebensnäher, dass sie wesentlich stärker wirkt. Geringere Einsätze bei höherem Gewinn. Gleichzeitig wird einem das Bad aber durch Kleinigkeiten, wie eine feuchte Zeitung auf dem Boden neben der Toilette als eindringlich ekelig illustriert. Der Film ist über seine gesamte Laufzeit einfach unglaublich detailverliebt.

Ticket für Zwei ist vor allem eins und zwar: frei! John Hughes hat diesen Film auf dem Höhepunkt seiner Macht in Hollywood gedreht und das zeigt sich in vielen Aspekten des Films. Um das etwas genauer zu erklären, habe ich eine sehr emblematische Szene aus diesem Film eingefügt. Keine Sorge, den Ausschnitt kann man vollkommen problemlos sehen, ohne sich den Film dadurch zu spoilern.



Herausragend an dieser Szene ist folgendes: Innerhalb einer Minute wird das Wort „Fuck“ 18-mal verwendet. Wer sich ein bisschen mit dem amerikanischen Rating-System auskennt wird wissen, was das bedeutet: 1987 hat der Film ein R-Rating für Kraftausdrücke bekommen und damit eine wesentliche Einschränkung dafür bekommen, wo und wie er Geld machen kann. Zu keinem anderen Zeitpunkt des Films wird sich auf derbe Sprache verlassen oder besonders explizites Material gezeigt. Dieses R-Rating verdankt der Film allein dieser einen Minute. Man hätte diese Szene umschreiben oder sogar ganz aus dem Film entfernen können. Aber John Hughes, Steve Martin und John Candy (Spaceballs, Cool Runnings) wollten diese Szene in dem Film haben und da ist sie nun auch. Und es hat sich gelohnt. Weil es eine gute Szene ist. Sie gibt Martin nicht nur freie Fahrt ein aufbrausendes und herablassendes Arschloch zu spielen - was er gut kann und was spaßig zu beobachten ist. Sie illustriert diese Eigenschaften aber auch pointiert als zentrale Schwächen seines Charakters und wie sich diese gegen ihn wenden.

Dass die Charaktere für Komödien überdurchschnittlich detailliert ausgearbeitet sind, ist überhaupt ein wesentlicher Bestandteil des Films. Während „Zyniker“ und „Dummkopf“ ein Duo so alt wie die Komödie selbst ist, wird diese Mixtur hier ein bisschen ausgeglichener gestaltet. Beispielsweise gibt es keine ganz klare Hierarchie zwischen den beiden. Auch wenn John Candys Del sehr nervig und ein alptraumhafter Mitreisender ist, hat er gegenüber Steve Martins Neal klare Stärken – beispielsweise dass er wesentlich besser mit seinen Mitmenschen umgehen kann, weil er sie nicht verachtet.

Dieser Unterschied kann einem bei einem Genre-Film unerheblich vorkommen, aber genau dieser Unterschied macht beispielsweise Neals Tirade über Dels Charakter und Dels überraschende Antwort darauf zu mehr als nur einem Schlagabtausch in Worten. Diese Dinge werden dadurch zu einer wesentlich interessanteren Interaktion zwischen zwei echter wirkenden Charakteren und damit letztlich bedeutungsvoller. Dieser Unterschied sorgt dafür, dass man wesentlich stärker in die Charaktere investiert ist und man auch in einigen der kitschigeren Szenen mitfühlt.

Fazit

„Ticket für Zwei“ ist detailverliebt, gut geschrieben und hat eine überraschende Menge Herz. Was sich schnell als Standard-Klamotte mit Abziehcharakteren runterschreiben ließe, geht zwar nicht unglaublich weit über das Reich von „leichter Unterhaltung“ hinaus, verdient aber in seinem Genre der 80er Komödien wesentlich mehr Beachtung.

Autor: Sören Jonsson

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