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Inhalt

Der unbescholtene Buchhalter Jonathan Harker macht auf seiner Reise von England nach Transsylvanien zum Schloss des Grafen Dracula eine grausame Entdeckung: Der umtriebige Graf verhält sich alles andere als adelig und labt sich bei seinen nächtlichen Spaziergängen am Blut der Dorfbewohner. Als Jonathan die Flucht aus dem Horrorschloss gelingt, hat der Spuk jedoch kein Ende. Dracula hat ein Auge auf Harkers Frau Mina und deren Freundin Lucy geworfen. Jetzt kann nur noch einer helfen: Vampirjäger Professor Abraham Van Helsing.
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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Immer wenn man denkt, schlimmer kann es doch eigentlich nicht mehr werden, lehrt uns Dario Argento eines Besseren. In den 1970er wie den 1980er Jahren gehörte der italienische Giallo-Pionier (zusammen mit Mario Bava) wohl zum Größten, was das hochstilisierte Italo-Kino so zu bieten hatte: „Profondo Rosso – Farbe des Todes“, „Suspiria“, „Phenomena“ und „Terror in der Oper“. Sie alle gelten als Meisterwerke des Genres und hebelten das konventionelle Filmverständnis jener Zeit mit einer einnehmenden Selbstverständlichkeit aus, um in die schwülstigen Dimensionen einer individuellen Realität vorzustoßen. Eine Realität, in der weniger kohärente Bedingungen an die Handlung selbst gestellt wurden, es dafür aber brillante Kamerafahrten, eine unvergesslich kontrastierte Farbdramaturgie und sinnliche, über alle Maße ästhetisierte Morde zu bestaunen gab, deren pathologische Täterprofile gewohnt einer handelsüblichen Vulgärpsychologie zum Opfer fielen. Nein, es ging Argento nicht um Logik, sondern um Sensitivität, um die schiere Faszination, die er auf visueller Ebene auf den Zuschauer auszuüben wusste und diesen folgerichtig wie durch einen luziden Traum wandeln ließ.

Und heute? Heute sind wir bei dem recht extremen, aber leider doch schwer zutreffend formulierten Anfangssatz angekommen: Immer wenn man denkt, es geht wirklich nicht mehr schlimmer, kredenzt uns der Italiener mit den tiefen Augenringen seinen neusten künstlerischen Erguss. „The Mother of Tears“ war ja bereits ein Debakel sondergleichen, „Giallo“ eigentlich der filmische Sargnagel dafür, wenigstens noch einen Hauch von Seriosität zu versprühen, doch erst mit „Dracula 3D“ sollte die manische Selbstdemontage des Dario Argento, der lebenden Legende, natürlich, ihren Höhepunkt erreicht haben. Die künstlerische Ermüdung, die Argento wohl als Folge seiner senilen Bettflucht seit Jahren mit sich herumschleppt, hat den Ex(Ex!Ex!Ex!)Meister dazu getrieben, sich am ikonischsten Vampirroman der Literaturgeschichte zu vergreifen: Bram Stokers „Dracula“. Hut ab, wenn also der Ideenreichtum gen Stillstand dahingerafft ist, vergreift man sich an einem Stoff, der schon abertausende Male über die Leinwand geflackert ist – Und davon nur, wenn man ganz ehrlich (oder pedantisch?) ist - höchst selten wirklich gelungen.

Friedrich Wilhelm Murnaus „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“ hat sich seinen Klassikerstatus redlich verdient, während Tod Brownings „Dracula“ mit Bela Lugosi in der Hauptrolle schon in den 1930er Jahren reichlich Staub angesetzt hatte. Wirklich schlimm ist aber vor allem „Bram Stoker's Dracula“ von Francis Ford Coppola geraten, der subtile Gefühle zwanghaft ins Unermessliche transferiert und unterdrücktes Verlangen immer nur als Hemmungslosigkeit definiert. Alles muss wild und überzogen sein, was Coppolas fragwürdige Interpretation zur reinrassigen Seifenoper erklärt. Aber im Ernst: Lieber eine überkandidelte Seifenoper, als eine vollkommen antiquierte „Dracula“-Verfilmung, die mit dem Dilettantismus seines Regisseurs freiweg hausieren geht. Wenn es als Parodie gedacht wäre, okay, das würde einiges erklären, das würde „Dracula 3D“ sogar eine gewisse Subversion einverleiben Aber Argentos Film ist diese Meta-Ebene fremd, was ihn auch zigmal dazu bewegt hat, „Dracula 3D“ vorab als 'Hommage' an den Grafen der Dunkelheit zu deklarieren. Argento geriert sich (auch im Bonusmaterial) als inbrünstiger Fan des blutsaugenden Archetyps.

Im Endprodukt merkt man davon allerdings überhaupt nichts mehr. Wenn sich die generische Komposition von Claudio Simonette über das Geschehen legt (die übrigens von einem Theremin unterstützt wird, hört, hört) und eine animierte Kamera durch eine animiertes Dorf saust, wissen wir, wie viel Hang zum klassischen Grusel wirklich in diesem „Dracula“-Verschnitt steckt: Gar keiner. Dass die Kulissen zuweilen durchaus urigen Charme besitzen, macht sich anhand der fortwährenden Inkompetenz selbstredend sofort bemerkbar, Argento jedoch legt mehr Wert auf Künstlichkeit und streckt sein Szenario mit computeranimierten Effekte, die wirklich so dermaßen besch..eiden sind, dass man sich das lauthals prustende Lachen nicht verkneifen kann. Die Kulmination der Lächerlichkeiten findet in einer Szene statt, in der sich Graf Dracula in eine quietschgrünen Grashüpfer verwandelt. Der Vampir hatte bereits in „Nosferatu – Symphonie des Grauens“ ein insektoides Wesen, das Argento dieses allerdings so visualisieren wird und sich für diesen "originellen" Einfall noch auf die Schulter klopft, geht auf keine Kuhhaut. Ehrlich nicht.

Thomas Kretschmann, mit dem Argento schon in „The Stendhal Syndrome“ partizipierte, ist als Graf Dracula eine Fehlbesetzung, so ausdruckslos und ohne jede erotische Suggestion wie er seinen untoten Fürsten runterkurbelt, genau wie der arme Rutger Hauer, dem selbst im hohen Alter aber auch überhaupt nichts mehr erspart bleibt. Als Abraham Van Helsing taucht er erst nach circa 75 Minuten auf und hat dann offensichtlich auch keinen rechten Schimmer davon, was er denn nun eigentlich vor der Kamera veranstalten soll. Stures Glotzen. Ungeschlagen in diesem Panoptikum schauspielerischer Planlosigkeit bleibt Asia Argento, das Töchterlein vom Chef, die nie gute Leistungen brachte, als Lucy jedoch ihre wirklich miserabelste Performance darbietet. Aber von Schauspielführung hat der gute Dario ja eh noch nie etwas gehalten, genauso wenig wie von Dialogsequenzen. Deswegen hat „Dracula 3D“ auch keinen einzigen memorablen Satz im Repertoire und schiebt seine Figuren hilflos wie Schachfiguren über das altbackene Spielbrett. Und wenn mal eine vergessen wird, macht das überhaupt nichts, denn weder der Zuschauer, noch Argento haben einen Funken Interesse darin, sich über diesen Kernschrott zu echauffieren oder ihn wirklich, mit originärem Ansatz, auszuleuchten.

Fazit

Das Oeuvre des Dario Argento hat seinen kümmerlichen Tiefpunkt erreicht und der Mann, unter dessen Ägide einst wunderbare, die Filmwelt nachhaltig prägende Werke entstanden sind, rammt sich mit „Dracula 3D“ (um mal beim Thema zu bleiben) den Holzpflock mitten in das eigene Herz. Antiquiert ist gar kein Ausdruck, denn „Dracula 3D“ ist so maßlos aus der Zeit gefallen, dass er den Aufprall gar nicht mehr miterleben wird. Um es kurz zu machen: Ein grauenhaft missratener Film, eben leider genau der „Dracula“-Film, den man von Dario Argento in seiner gegenwärtiger Verfassung nun mal erwartet hat. Traurigerweise. Da hilft auch der partielle Blut- und Tittensalat nichts.

Autor: Pascal Reis

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