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Etwas ist faul in Bad Marein! Eigentlich will sich die junge Eve nur etwas im Sanatorium von Dr. Barbara erholen, doch schon auf der Zugfahrt begegnen ihr seltsame Leute. Das ändert sich auch nicht, als sie die anderen Damen kennenlernt, die sich in der Kurklinik tummeln. Überhaupt scheint in Bad Marein ziemlicher Frauenüberschuss zu herrschen. Außer dem daueralkoholisierten Kommissar und dem äußerst haarigen Gärtner hat das Nest in maskuliner Hinsicht recht wenig zu bieten. Und die paar Männer, die sich sonst noch in den Kurort verirrt haben, scheinen auch noch nacheinander recht schnell das Zeitliche zu segnen…

Kritik

Der Grat zwischen Kult und Vergessenheit liegt deutlich näher zusammen, als es ein durch die Jahrzehnte verzehrter Blick zu offenbaren weiß. Vielleicht werden Filme deshalb oftmals schon wenige Wochen nach ihrer Premiere als „zukünftige Kultstreifen“ angepriesen, denn wie die Vergangenheit zeigt, wird längst nicht jedem potentiellen Kandidaten die versprochene Ehre auch zuteil. Oder zumindest nicht in jener flächendeckenden Außenwahrnehmung, über die sich die bekanntesten dieser Vertreter in unserem Gedächtnis manifestiert haben. In gewissen Kreisen bleibt man bestimmten Filmen jedoch weiterhin treu, auch wenn die Öffentlichkeit diese längst unabsichtlich vergessen oder vielleicht auch bewusst verdrängt hat. Die Weibchen von Zbynek Brynych (Die Nacht von Lissabon) darf sich zweifelsohne zu dieser zweiten Garde an Kultfilmen zählen, deren Potential zwar sicherlich spürbar ist, aber deren schleichender Untergang letztlich doch auf der Hand liegt.

Die Weibchen ist ein Kind seiner Zeit. Das zeigt sich schon in den ersten Szenen, wenn eine junge Uschi Glas durchs Fischaugenobjektiv beobachtet in einer Kurklinik für Frauen eintrifft und dann alsbald mit halbnackten Männermörderinnern konfrontiert wird, die in psychedelischen Sequenzen ihre BHs verbrennen und dabei lüsterne Blicke auf ihre anreizenden Körper lenken. Unter dem platten Symbol der Gottesanbeterin entwickelt der Film aus seiner emanzipatorisch sicherlich gut gemeinten Prämisse jedoch schnell eine gegensätzliche Wirkung. Denn auch wenn die männlichen Figuren kaum schmeichelhaft in Szene gesetzt werden und in erster Linie als wahllose Mordobjekte herhalten müssen, werden die titelgebenden Weibchen nicht weniger auf ihre Körper reduziert. Beim Ausstellen der prallen Brüste und knapp bekleideten Körper seiner verführerischen Schönheiten scheint Brynych seine mit Abstand größte Freude gefunden zu haben – und dabei scheint es auch eindeutig, welche Zielgruppe der Film damit ansteuert.

Nichtsdestotrotz weiß Die Weibchen als trashiges Genrewerk durchaus mit amüsanten und effektiven Momenten aufzuwarten. Der experimentelle Ansatz der immer wieder herrlich ungezügelten Kamera überzeugt formal ebenso, wie es manche selten dämlichen Dialoge auf der Humorebene tun. Sicherlich ist der Film längst aus der Zeit gefallen und mittlerweile kaum mehr ernst zu nehmen (obwohl durchaus bezweifelt werden darf, ob er das jemals war), in seiner Sonderbarkeit aber durchaus einen Blick für aufgeschlossene Zuschauer wert. Gut gemeint, ansprechend umgesetzt, aber letztlich doch gescheitert. Die Weibchen lohnt schon allein aufgrund seiner Eigenständigkeit, denn geeignetes Referenzmaterial lässt sich nur schwerlich herbeiziehen. Ein interessantes Werk, kein gutes, aber definitiv ein sehenswertes.

Fazit

Sicherlich ist „Die Weibchen“ mit seiner im Zeitgeist verankerten Prämisse und der makaber trashigen Aufmachung nicht frei von Reizen und so ist es durchaus amüsant und sympathisch mitanzusehen, wie aus dem Bauch heraus experimentiert wird und scheinbar recht unbedacht diverse Ideen miteinander vermengt werden. Nichtsdestotrotz wirkt vieles altbacken, abgestanden, albern oder schlichtweg deplatziert. Und auch die zweifelsohne mit gesellschaftskritischer Relevanz erdachte Handlung ist bei weitem nicht das feministische Ausrufezeichen, für das es die Macher wohl damals gehalten haben.

Autor: Dominic Hochholzer

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