{{ tweet.login }}

{{{ tweet.body | format }}}

Wird geladen...

×
×

Erwähnungen

×

Benachrichtigungen

Verfügbar auf

Amazon prime

Inhalt

Populäre Dokumentation des Franzosen Luc Jacquet, der Kaiserpinguine in der Antarktis filmte. Dabei entstanden außergewöhnliche und einmalige Bilder. Der Film erreichte nach Michael Moores Fahrenheit 9/11 das weltweit höchste Einspielergebnis eines Dokumentarfilms.
  • Hqkxdvatlmiq4dqolz1xmkggq5r
  • Nspvjwrgpkkem9devwp0avnm699
  • A5r6iycjya93tm1q6ybx5opznrs
  • 36hh8vw7lwgfbolytoku7iglsbf
Quelle: themoviedb.com

Kritik

Wenn man sich fragt, warum Luc JacquetsDie Reise der Pinguine“ 2006 den Dokumentarfilm-Oscar erlangen konnte, hängt dies wohl vor allem mit dem verwirrenden Versuch des Films zusammen, die Reise seiner Tiere wie einen dramatischen Film zu inszenieren, inklusive Spannungsbogen, Dialogen und inflationär eingesetzten Klischees. Diesem Film den Status der Dokumentation zukommen zu lassen, wird dadurch auf kuriose Weise erschwert, da „Die Reise der Pinguine“ beim genaueren Nachdenken gar keine Doku im eigentlichen Sinne, sondern eine dramaturgisch aufgesetzte und unheimlich pathetische Kaiserpinguinreise darstellt, bei der man sich in den ersten Minuten ganz zu Recht fragen mag: „Was zum Pinguin passiert hier eigentlich gerade?“ War dies der dokumentarische Versuch eine romantische Komödie mit Pinguinen zu inszenieren oder sollte dem Dokugenre hier vielleicht etwas Frisches und Ungewöhnliches abgewonnen werden? Kreativität ist natürlich immer eine gute Sache und vor allem in einem solch eingeschränkten Genre wie der Doku ungemein erfrischend. Dennoch sollte man sich von einer Dokumentation doch eigentlich ein paar lehrreiche, wie spannende Einzelheiten über die Materie, die hier in Angriff genommen wurde, erhoffen, oder? Ist das nicht eigentlich die Grundvoraussetzung, um diesem Genre anzugehören? Scheinbar nicht. Denn die Kinoversion von „Die Reise der Pinguine“ erfüllt eigentlich kaum eine dieser Voraussetzungen und erlangt dennoch das Prädikat der Dokumentation.

Dabei ist das Schreiben der Kritik hier gar nicht so einfach, wie es zunächst scheint. Immerhin kursieren von „Die Reise der Pinguine“ heutzutage (also der Zeit nach Kinoveröffentlichung) zwei verschiedene Versionen. Die eine ist die angesprochene Kinoversion, in der den Pinguinen durch drei verschiedene Sprecher (Mann, Frau, Kind) menschliche Gedanken hinzugedichtet werden, die das Geschehen und Verlangen dieser Tiere deutlich machen sollen. Das Problem dabei ist jedoch, dass der Film die Pinguine damit durchgehend auf beinah ekelhaft anbiedernde Weise vermenschlicht und den realen Tieren so einen fiktionalen Anstrich gibt, der dem Status des Films als Doku eher entgegensteht, als ihn erfüllt. „Die Reise der Pinguine“ fühlt sich in der Kinoversion nicht ansatzweise wie eine spannende Begleitreise der schweren und kalten Brutreise der Tiere an, sondern eher wie ein überpathetisch inszeniertes Kindermärchen, das schon in den ersten Minuten mit dem unheimlich kitschigen Soundtrack die Weichen für ein Fest des Fremdschämens stellt.

Mal ganz im Ernst: Was genau hat sich Jacquet dabei eigentlich gedacht? Die Idee der fiktionalen Tiernarration mag an sich vielleicht noch annehmbar sein und birgt zumindest das Potenzial für eine ungewöhnliche und kreative Dokumentation. Doch „Die Reise der Pinguine“ treibt diese Art der Inszenierung von der ersten Minute an viel zu weit und sorgt gar für jede Menge unfreiwillige Komik. Jeder, der einem Pinguin dabei zuhören will, wie er vollkommen ernst in dichterischer Manier von seiner Oase der Liebe spricht, hat hier seinen Film gefunden, jeder andere wird nur verwundert mit dem Kopf schütteln.

Aber halt: Es gibt da ja noch eine weitere Version. Und zwar die, in der Sky Du Mont("Der Schuh des Manitu") höchstpersönlich ganz im typischen Dokumantarsprecherstil das Geschehen beschreibt, als auch interessante Hintergrundinformationen zu der Antarktis und den Tieren liefert. Die Dokumentar-Version dieses Dokufilms sozusagen. Hier kann „Die Reise der Pinguine“ dann auch wirklich seine Faszination entfalten, ohne dass der Zuschauer durch die verwirrenden Pinguingedanken immer wieder aus der gegebenen Immersion gerissen wird. Die Bilder sind ja auch ohne Zweifel ausgesprochen schön, die Kameraperspektiven erstaunlich nah beiden Tieren, was die Eigenarten der Pinguine gelungen überträgt und ein wirklich realistisches Mitten-Drin-Gefühl initiiert. Außerdem ist die Dokumentation dabei überraschend konsequent und zeigt dem Zuschauer wirklich alle Aspekte der Reise auf: Von lustigen Pinguinausrutschern, über die Geburt der Pinguinjungtiere bis hin zum Babymord ist alles dabei. Gewürzt mit Sky du Monts einprägsamer Stimme wirkt „Die Reise der Pinguine“ so auch endlich überzeugend, sowohl als Schauspiel der Antarktis-Impressionen, wie auch als informativ interessanter Informationslieferant.

Es ist daher etwas fraglich, welche Version man hier nun bewerten sollte. Immerhin ist es die zentralere Kinoversion, die beinah unerträglich vorgeht und seinen Status als Doku beinahe negiert. Aber hier geht es ja im weiten Rahmen um die Bluray, auf der beide Versionen enthalten sind. Daher sind wir mal nicht so, setzen die gute Version des Films in den Mittelpunkt und entlassen die Kritik so mit einem positiven, wenn auch nicht euphorischen Fazit.

Fazit

"Die Reise der Pinguine“ ist in ihrer Bluray-Version eine sehr hübsche, informative und konsequente Pinguin-Doku, die dem Zuschauer nicht nur über seine angenehme Laufzeit hinweg interessante Informationen liefert, sondern den tollen Tieren dabei auch so nah kommt wie noch nie. Mal abgesehen von der unheimlich kitschigen und fast schon abstoßend pathetischen Kinoversion, die sich eher wie ein seichtes Kindermärchen, als eine gelungene Dokumentation, anfühlt, ist den Machern hier ein netter und überzeugender Abstecher in die kalte Welt der Antarktis gelungen, der auch heute noch bestehen kann.

Autor: Thomas Söcker

Wird geladen...

×