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Inhalt

Der Journalist Fabian Groys ist mit seiner Praktikantin und einem wichtigen Informanten einer heißen Sache auf der Spur, bei der die Bundeswehr im Visier steht. Als sein Informant ihn verlässt, kann er diese Story nicht weiter verfolgen, daher macht er sich daran, eine Geschichte um Giftmüll zu recherchieren. Bei seiner Arbeit bekommt er mehr und mehr den Verdacht, dass die beiden Geschichten irgendwie zusammenhängen könnten.

Kritik

„Die Geschichte wird gemacht
aus den Lügen der Sieger,
aber man würd's nicht erkennen
an den Titeln der Bücher.“

Mit diesen eher trostlos gehaltenen, einst von Lawrence Ferlinghetti niedergeschriebenen Worten entlässt „Die Lügen der Sieger“ den Zuschauer in den Abspann. Und der Titel ist motivisch zu verstehen, denkt man im übertragenen Sinne einen Schritt weiter: Was sind die Lügen der Sieger in unserer Gesellschaft und mit welchen Mitteln vollbringen es die Lügner im Hintergrund, uns soweit zu manipulieren, dass wir ihre Lügen als alleingültige Wahrheit akzeptieren? Christoph Hochhäusler („Unter Dir die Stadt“), ein angesehenes Gesicht der Berliner Schule, hat sich mit „Die Lügen der Sieger“ zum ersten Mal in seine Heimatstadt Berlin gewagt und einen formal brillanten Polit-Thriller inszeniert, der nicht nach der Wirklichkeit fragt, sondern ganz dezidiert DIE Wirklichkeit befragt.Interessant ist „Die Lügen der Sieger“ in erster Linie aber nicht durch sein verdichtetes Dokumentieren von investigativer Enthüllungsarbeit. Es ist die bis ins kleine Detail wohlerwogene Montage, die fasziniert, weil sie den Zuschauer in einem anonymen Blick bedrängt, der sich im Nacken festsetzt.

Reinhold Vorschneiders Kamera ist der eigentliche Star des Films: Gleich einem frisch geschliffenen Instrument schält sie sich in chirurgischer Präzision durch die urbanen Locations und Sets, hartnäckig auf der Suche nach Auffälligkeiten, nach einem hastig erwiderten Augenkontakt, nach mysteriösen Silhouetten hinter Bäumen und Häuserkanten. Egal, wie sehr man sich schüttelt, Vorschneider bleibt in seiner Arbeit berauschend konsequent – und wehe, es hat sich auch nur der Ansatz einer Außergewöhnlichkeit in seinem minutiös inspizierenden, sich immer wieder um die eigene Achse drehenden Okular festgesetzt.Dass im Mittelpunkt von „Die Lügen der Sieger“ ein brisanter Polit-Skandal schlummert, bei dem der selbstgefällige Journalist Florian Groys (Florian David Fitz, „Hin und weg“) und die ihm zur Seite gestellte Volontärin Nadja (Lilith Stangenberg, „Der Staat gegen Fritz Bauer“) Verbindungen zwischen der Bundeswehr, dem deutschen Giftmüll-Import und einem Mann, der sich im Löwengehege den Kopf hat abreißen lassen, abtasten, läuft bei all der technischen Meisterklasse beinahe Gefahr, die zweite Geige.

Und da zeichnet sich ein Manko ab, mit dem „Die Lügen der Sieger“ zunehmend zu ringen hat: Seine technische Klasse geht tragischerweise nicht über die gesamte Laufzeit eine akkurate Symbiose mit der am klassischen Thriller geschulten Erzählung ein: Christoph Hochhäuslers Stilismen sprechen die Sprache eines Künstler, dessen Verständnis von den audiovisuellen Gestaltungsmitteln (auch Benedikt Schiefers Komposition soll nicht unerwähnt bleiben) des Kinos nicht infrage gestellt werden muss. Es wird nur dann problematisch, wenn die Form den Inhalt verdeckt – oder ihn wiederholt so krass verzerrt, dass auch der Einsatz von Freejazz zum Fremdkörper wird. „Die Lügen der Sieger“ aber bleibt ein durchaus ansehnliches Stück deutscher Filmkultur und thematisiert ein machthungriges Spiegelkabinett auf höchster Ebene, bei dem das überwiegend im Nebel der Großstadt ausgetragene Ränkespiel zwischen Medien, Politik und Wirtschaft, Wahrheit und Lügen und ihren banalen Trennlinien nur zu einer Frage gelangen kann: Wer schreibt eigentlich Öffentlichkeit?

Fazit

„Die Lügen der Sieger“ ist bestechend inszeniertes Thriller-Kino aus Deutschland, bei dem Regisseur Christian Hochhäusler nicht selten seine Liebe zum politisierten Thriller aus Frankreich und Amerika unterstreicht. Problematisch ist, neben dem stereotypen Hauptfiguren, der Umstand, dass Hochhäuslers immenses filmtechnisches Verständnis den Inhalt des Filmes verdeckt und mit Stilismen aufwartet, die sich nicht mit dem eigentlichen Thema samt Stimmung kombinieren lassen möchte. Nichtsdestotrotz: Sehenswert.

Autor: Pascal Reis

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