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Walter Mitty (Ben Stiller) arbeitet seit Jahren im Fotoarchiv der Zeitschrift Life!. Er ist ein Einzelgänger, der sich, um seinem grauen Alltag zu entfliehen, in abenteuerlichen, heldenhaften und romantischen Tagträumen verliert. Einziger Lichtblick ist die neue Kollegin Cheryl (Kristen Wiig), die Walter aus der Ferne bewundert.

Eines Tages wird bekannt, dass Life! zukünftig nur noch online erscheinen und eine letzte Printausgabe herausgebracht werden soll, die auf dem Titel ein Bild des berühmten Life!-Fotografen Sean O’Connell (Sean Penn) zeigen soll. Doch das besagte Bild, das an Walter geschickt wurde, ist verschwunden. Motiviert durch Cheryl nimmt Walter all seinen Mut zusammen und begibt sich auf eine aufregende Reise ans andere Ende der Welt, die für ihn zu einem wunderbaren Abenteuer wird, das er sich nicht besser hätte erträumen können…
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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Man merkt es Ben Stiller in nahezu jeder Szene an: Mit „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ möchte der vornehmlich für Klamauk bekannte Schauspieler etwas ganz Großes kreieren. Oder es eben erzwingen. So wird die lebensbejahende Schönheit seiner Bilder durch manch unnützen Dialog oder einige vorhersehbare Wendungen getrübt. Arg ins Gewicht fallen diese Mängel aber nicht; passen sie doch hervorragend zu einem der Leitmotive des Films – das Glück auch im Unperfekten zu finden.

Stelle dein Leben auf „Reset“. Erkunde die Welt. Bringe deinen Körper in Gefahr um somit deine Seele zu kitten – und so weiter. „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ ist in seiner Botschaft genauso schnöde, wie sein Held zu Beginn des Films. Stiller, Regisseur und Hauptdarsteller in Personalunion, gibt routiniert den liebenswerten Sonderling, dem große Veränderungen ins Haus stehen. Als das „Life!“ - Magazin seine letzte Ausgabe vorbereitet und der tagträumerische Walter Mitty das eingeplante Negativ des Starfotografen Sean O'Connell (ikonenhaft: Sean Penn) nicht finden kann, beschließt er nach Grönland zu reisen und den Fotografen persönlich nach dem Verbleib des Bildes zu fragen.

Fortan entspinnen sich aufregende Situationen, in denen Mitty seinen eigenen Mut auf harte Proben stellen muss. Auf dem Skateboard geht es in Richtung Vulkan, per Sprung in einen bereits fliegenden Hubschrauber nebst sturzbetrunkenem Piloten. Die Jagd nach dem Fotografen ist gespickt mit zuckersüßen Tagträumen, gewaltfreier Action und hübscher Videoclip-Ästhetik. Dass bei Stiller auch mal Slapstick vorherrscht, versteht sich dabei von selbst und wird nicht immer gefallen. Doch dazu passt eine weitere Botschaft des Films: Scheiß drauf! Die Reise des introvertierten Archivars avanciert schlussendlich zum Musterstück des Feel-Good-Films. Grandiose Kameraarbeit und die opulente Landschaft Islands bilden hier den atemberaubenden Rahmen für einen Lifechanger zwischen gelungenem Heroismus und ebenfalls gelungenem Kitsch amerikanischster Natur. In einem anderen Kontext wäre dies vielleicht Anlass zum Verriss, doch Walter Mitty nutzt seine Opulenz um eine Geschichte zu erzählen, die sich nicht so furchtbar ernst und episch nimmt, wie es in dieser Produktionsgröße mittlerweile langweiliger Standart zu sein scheint. Stillers Herzensprojekt zählt somit zu den gelungensten Abwechslungen des Kinojahres.

Mit spürbarer Leidenschaft hat der Regisseur Stiller die pure Lust an der Unbeschwertheit auf die Leinwand gebracht. Daneben zwar auch einige verunglückte Nebenfiguren wie den eHarmony-Berater Ted (Patton Oswalt), aber darüber mag man sich inmitten zahlreicher visueller Spielereien nicht wirklich beschweren. Löblich ist auch, das gegen Ende der Geschichte eigentlich bewährte Genre-Klischees ganz bewusst ausgelassen werden. So ist die Umwandlung des „Life!“-Magazins in ein reines Online-Medium, einhergehend mit dem Jobverlust vieler Angestellter, einfach nicht aufzuhalten. Mitty muss das akzeptieren und sich innerhalb dieses Prozesses auf sein eigenes Leben besinnen. Diese Prämisse hilft bei der dringend erforderlichen Erdung des Films. Kristen Wiigs („Brautalarm“) Figur ist ebenfalls so konzipiert, dass sie den oftmals überzuckerten Bildern eine gewisse Ruhe und natürliche Anmut verleiht. Stiller und Wiig sind die Idealbesetzung für eine Geschichte von kleinen Leuten, die vom großen Abenteuer träumen.

Fazit

Ben Stiller wollte ein Meisterwerk, erreicht diesen Status mit „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ aber leider nicht. Das Remake des 1947er Originals kann dennoch überzeugen. Mit großen Bildern, lebensbejahenden Botschaften und greifbaren Protagonisten. Als Regisseur und Hauptdarsteller erschafft Stiller hier einen gelungenen Gegenentwurf zu teurem Franchise und purem Klamauk – und das dann sogar noch für die ganze Familie. Mit kleinen Macken, aber schlichtweg herzerwärmend.

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