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Inhalt

Der größte Schock seit der “Saat der Gewalt”, die düstere, aber authentische Vision des Schulalltags von 1984 irgendwo an einer amerikanischen High School. Ist das nicht schon Gegenwart? Die Macht haben an dieser Schule längst nicht mehr Rektor und Lehrer, sondern der knapp 16-jährige Stegman und seine Punk-Gang. Sie bestimmen mit Gewalt und voller Gemeinheit die Atmosphäre. Die gutwilligen Schüler haben keine Chance. Auch der Versuch des neuen Musiklehrers Andrew Norris, ohne Pistole und Schlagring zum Unterricht zu kommen, scheitert. Die Minderjährigen-Gang ist nicht zu bremsen. Als sein Auto in Flammen aufgeht, ein Schüler stirbt und sie sich an seiner Frau vergreifen, beginnt sich Norris zu wehren: Das Establishment schlägt zurück. Doch die Losung der Punks steht wie ein Menetekel an der Wand: Uns gehört die Zukunft….Stoppt uns, wenn ihr könnt.

Kritik

„Im Jahr 1981 wurden an amerikanischen High Schools 280.000 Gewalttaten von Schülern an ihren Lehrern verübt…

Unglücklicherweise basiert dieser Film auf wahren Begebenheiten…

Glücklicherweise gibt es nur wenige Schulen wie die „Lincoln High“ … jedenfalls im Augenblick

Hierbei handelt es sich um das Intro des Filmes. Was 1982 bei der Veröffentlichung des Filmes fast noch wie Utopie klang, ist heutzutage leider trauriger Ernst. Regisseur Mark L. Lester konnte in die Zukunft der heutigen Schulen blicken und projizierte seine Vision ins Jahr 1984. „Die Klasse von 1984“ galt damals als Skandalfilm und wurde indiziert. Dies lag aber nicht nur an seiner teilweisen krassen Gewaltdarstellung. Mehr ging es um die Motive des Filmes. Ist Rache ein passendes Mittel um Probleme und Konflikte zu lösen? Kann Gewalt richtig sein, gar die passende Lösung?  Werfen wir nun mal einen Blick auf „Die Klasse von 1984“. Skandalfilm oder heiße Luft? Visionärer Kultfilm oder viel Lärm um nichts? Im Vorfeld steht allerdings eins schon fest … Die Thematik ist leider aktueller denn je.

Mark L. Lester war schon immer fasziniert von High-School-Massaker Filmen und entschloss sich mit „Die Klasse von 1984“ eine Art Hommage an frühere Werke zu setzen. Daher ist die Geschichte um den einsamen Kampf eines Lehrers alles andere als neu. Rein von der Story ist „Die Klasse von 1984“ eine Kopie von unzähligen Vorgängerfilmen. Ein Lehrer, der an das Gute in den Kindern glaubt, ein Lehrerkollegium, welche alle nur weg sehen und alles bereits aufgegeben haben. Ein Schulleiter, der lieber nicht Rektor dieser Schule wäre. Jugendliche, welche keinen Respekt vor Erwachsenen haben und auch vor Gewalt nicht zurückschrecken. Und selbstverständlich die Wandlung des einst guten Lehrers, welcher keine andere Möglichkeit sieht als sich mit Gewalt zu wehren. Somit haben wir eine kurze Zusammenfassung des Filmes, aber auch einem Dutzend anderer Filme. Selbst im Produktionsjahr 1982 war die Geschichte nicht mehr neu. Somit reiht sich der Film alleine storytechnisch in eine nicht enden wollende Reihe von Verfilmungen des Stoffes ein.

Als muss es andere Gründe für den Erfolg von „Die Klasse von 1984“ haben.  Zugegeben die Charakterzeichnungen sind krass aber für den Film effektiv. Besonders die Figur des Anführers „Stegman“, verkörpert von Timothy Van Patten, spiegelt die Gegensätze des Filmes wieder. Auf der einen Seite wird er als DER böse Junge schlechthin dargestellt. Drogenhandel, Zuhälterei, Gewalt, Ungehorsam… alles alltäglich für den Jugendlichen (stellenweise leider etwas zu drastisch dargestellt. Besonders die Szene, wo sich jemand für Drogen prostituieren möchte und Stegman wie der Pate agiert, wirkt äußerst unglaubwürdig). Doch auf der anderen Seite ist er auch ein musikalisches Genie und ein helles Köpfchen. Er polarisiert auf ganzer Linie. Auch Perry King als ambitionierter Lehrer Andrew Norris macht eine solche Veränderung durch. Anfangs noch motiviert und blauäugig, ändert sich eine Auffassung bezüglich der Schüler drastisch, als sein Leben und das seiner Frau bedroht wird. Seine heile Welt wird aus den Fugen geworfen und Mitgefühl weicht Gewalt. Diese Charakteränderung wird relativ gut und plausibel vermittelt. Die Schauspieler selbst bringen ihre Rollen glaubhaft rüber. Eher hapert es am Drehbuch. Gewisse Dinge sind auf für die heutige Zeit zu krass dargestellt. Daher arbeitet der Film mit zu vielen Klischees. Der Polizist, dem die Hände gebunden sind. Die Mutter des Anführers, die selbst nach mehreren Anzeigen blauäugig ihrem Sohn vertraut. Alles etwas zu klischeelastig und vorhersehbar.

Besonders zum Schluss hin wirkt die ganze Szenerie etwas unglaubwürdig. Entführung, Vergewaltigung und Selbstjustiz. Lehrer Norris rächt sich an den Peinigern seiner Frau auf brutale Weise. Heutzutage sind die Szenen bei weitem nicht mehr so krass wie noch in den frühen 80gern, verfehlen allerdings nicht ihren Effekt. Die Kontroverse und Indizierung rühren eher durch das Thema „geduldete Rache als Selbstjustiz“. Erschreckenderweise wünscht man Norris sogar, dass er die Jugendlichen möglichst qualvoll in die Hölle schickt. Ein gewisser Zwiespalt bei den Zuschauern ist daher nie ganz von der Hand zu weisen. Dient hier die Selbstjustiz als Mittel zum Zweck, ist Sie dennoch zu krass dargestellt. Doch genau dies war der Hintergedanke von Mark L. Lester. Die Zuschauer sollen sich mit der Thematik auseinander setzen und dies schafft er mit seinem Film mühelos.

Man muss allerdings sagen, dass der Weg dahin teilweise etwas langatmig ausfällt. Man hätte alles etwas straffen können oder alles etwas spektakulärer aufziehen können. Der Vorteil des Filmes ist, dass man aufgrund der ausladenden Geschichte bis zum Finale hin, die Beweggründe gut erkennen kann. So richtig möchte man dies Lester nicht vorwerfen. Zumal eben der Rest relativ gut funktioniert. Jedoch schafft es „Die Klasse von 1984“ den Zuschauer so richtig zu packen. Da gibt es weit bessere Genrevertreter. Auch fehlt der aktuelle Bezug. Aus heutiger Sicht wirkt der Film daher etwas veraltet. Somit ist „Die Klasse von 1984“ kein zeitloser Klassiker, welcher aber bis heute nichts an der thematischen Aktualität verloren hat.

Fazit

Mark L. Lester schafft mit „Die Klasse von 1984“ ein Werk, welches zum Nachdenken anregt und zu Diskussionen führt. Allerdings ist es weit davon entfernt ein Meisterwerk zu sein. Dafür dümpelt die Handlung zu lange vor sich hin und wir bekommen eine Geschichte geboten, die bereits zu häufig thematisiert worden ist. Allerdings ist der Film immer noch einen Blick wert, auch wenn er etwas in die Jahre gekommen ist.

Autor: Christian Kühnemann

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